FACHKUNDE Autor: © Dr. med. dent. Joachim Menges Layout: © Stefan Münz

Anatomie des knöchernen Schädels

 

Unterkiefer (Mandibula)

Der Unterkiefer ist ein selbständiger Knochen, der über
das Kiefergelenk, Bänder, Kaumuskeln und Weichteile mit
dem Schädel verbunden ist.

Winkelförmig gebaut wird der horizontal verlaufende Teil des
Unterkiefers als Körper (Corpus mandibulae) und der zum
Kiefergelenk führende Teil als Ast (Ramus) bezeichnet.

Der untere Teil des Körpers wird Basis mandibulae genannt, der
obere Teil, der die Zähne trägt, Pars alveolaris. Hier, im oberen
Teil, liegen die Zahnfächer (Alveoli dentales), getrennt durch die
knöchernen Scheidewände (Septa interalveolaria).
Die länglichen Vorwölbungen der Zahnfächer nach außen werden
als Juga alveolaria bezeichnet.

An der Außenseite des Unterkieferkörpers befindet sich ein Kinnvorsprung
(Protuberantia mentalis), der bei Kleinkindern noch nicht
komplett vorhanden ist und bei den Urmenschen völlig fehlte.
Seitlich des Kinnvorsprunges liegt das Kinnloch (Foramen mentale);
hier ist die Austrittsstelle des Kinnnerven (Nervus mentalis) und
die äußere Öffnung des Unterkieferkanals (Canalis mandibulae).
Dieser bildet den Knochenkanal zwischen Unterkieferloch und
Kinnloch für den unteren Alveolarnerv und die untere
Alveolarschlagader (N. et A. alveolaris inferior).
Die Linea obliqua, eine schräge knöcherne Leiste am
Unterkiefer geht nach oben in den vorderen Rand des Unterkieferastes
(Ramus) über.

An der Innenseite des Unterkieferkörpers befindet sich ein kleiner
knöcherner Vorsprung (Spina mentalis), der den Ansatzpunkt für die
Zungenmuskeln bietet. Seitlich daneben befindet sich auch der
doppelbauchige Unterkiefermuskel (M.digastricus), der das Zungenbein
hebt und den Unterkiefer nach unten zieht. Eine rauhe Leiste an der
hinteren Hälfte des horizontalen Unterkieferteiles
(Linea mylohyoidea) bildet den Ursprung für den Muskel, der
Unterkiefer und Zungenbein verbindet (M. mylohyoideus).
Der aufsteigende Ast des Unterkiefers (Ramus) verläuft in
zwei Fortsätzen: der Kronenfortsatz (Processus coronoideus)
bildet den Anschluß für den Schläfenmuskel.

Der Gelenkfortsatz Processus condylaris trägt den Gelenkkopf
(Collum mandibulae) mit der Gelenkfläche für das Kiefergelenk.
Dicht unterhalb des Corpus befindet sich eine Vertiefung
(Fovea pterygoidea), die Anschlußstelle des äußeren Flügelmuskels
(M.pterygoideus lateralis), der vom Keilbein zum Gelenk und
zum Gelenkfortsatz des Unterkiefers zieht und den Unterkiefer
nach vorn und seitlich bewegt und am Kauvorgang beteiligt ist.

An der Innenseite des Ramus befindet sich das Unterkieferloch
(Foramen mandibulae), die Eintrittsstelle des unteren Alveolarnerves
und der unteren Alveolarschlagader. Hier verläuft auch der Canalis
mandibulae, der Unterkieferkanal, der Ramus und Corpus mehrfach
durchzieht und am Unterkieferloch (Foramen mandibulae) endet.


   

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