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Vorbemerkung
Viele Haut- bzw.
Allgemeinerkrankungen
manifestieren sich u.a. als
Veränderungen der
Mundschleimhaut. Oft
erscheinen Läsionen in
der Mundhöhle, bevor
sie an anderen
Lokalisationen auftreten.
Manche Veränderungen
der oralen Mukosa sind
Vorläufer
bösartiger
Degenerationen. Dem Zahnarzt
kommt bei der Erstdiagnose
dieser Erkrankungen sowie
bei der Beseitigung oder
Vermeidung von
auslösenden und
verschlimmernden Faktoren
(bakterielle Plaque,
subgingivale
Restaurationsränder,
schleimhautgetragener
Zahnersatz) eine große
Bedeutung zu. In
interdisziplinärer
Kooperation mit
Hautärzten, Internisten
und Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgen kann der
Zahnarzt zur
frühzeitigen Erkennung
der Erkrankungen beitragen
und die durch sie
verursachten, meist
chronischen Beschwerden
lindern helfen. Diese
Übersicht soll hierbei
eine Orientierungshilfe
sein.
Einleitung
Der ätiologische
Hauptfaktor der
überwiegenden Mehrzahl
der entzündlichen
Parodontalerkrankungen sind
allerdings bakterielle
Zahnbeläge. Die
Pathogenese der Gingivitis
und insbesondere deren
mögliche Progression zu
einer destruktiven
marginalen Parodontitis mit
Attachmentverlust und
Knochenabbau werden
allerdings von weiteren
lokalen (z.B.
Furkationsmorphologie,
Zahnstellung) und
systemischen internen (z.B.
Interleukin-Polymorphismus)
bzw. externen Risikofaktoren
(z.B. Zigarettenkonsum)
beeinflußt. Bei der
Behandlung der
plaqueinduzierten
entzündlichen
Parodon-talerkrankungen
steht jedoch die Kontrolle
des ätiologischen
Hauptfaktors, der
bakteriellen Plaque, im
Vordergrund und kann in den
meisten Fällen unter
Berücksichtigung der
jeweiligen pathogenetischen
Risikofaktoren die
Erkrankung zum Stillstand
bringen.
Es gibt allerdings eine
Reihe von
Mundschleimhautveränderungen
primär
nicht-plaque-induzierter
Genese, die Patienten
häufig Beschwerden
verursachen und zum Zahnarzt
führen. Diese
Schleimhautveränderungen
können z.T. auch die
Gingiva betreffen und werden
dann als gingivoparodontale
Manifestationen systemischer
Erkrankungen bezeichnet. Der
Zahnarzt kann in diesen
Fällen oft als erster
die Verdachtsdiagnose von
Haut- oder
Allgemein-erkrankungen
stellen und die rechtzeitige
Überweisung zu den
jeweiligen Fachärzten
veranlassen. Die
zahnärztliche
Behandlung dieser
Mundschleimhautveränderungen
ist vorwiegend symptomatisch
bzw. besteht in der
Kontrolle oder
Prävention einer
plaqueinduzierten
Superinfektion. In manchen
Fällen liegen
primär plaqueinduzierte
Parodontalerkrankungen und
Schleimhautveränderungen
gleichzeitig vor und sollten
dann parallel behandelt
werden.
Gingivitis
desquamativa
Die Diagnose Gingivitis
desquamativa wird
morphologisch-klinisch
gestellt. Der Patient stellt
sich mit einer
erythematös
veränderten Gingiva
vor, die Blasen,
abschilfernde und/oder
fibrin-belegte sowie
weißlich
veränderte Bezirke
aufweisen kann. Die
Patienten klagen häufig
über Schleimhautbrennen
und unspezifische
Beschwerden im Bereich der
Gingiva. Sie vertragen
häufig keine groben
Speisebestandteile, saure
Speisen, scharfe
Gewürze und
Temperaturveränderungen.
Meist ist die Gingivitis
desquamativa durch eine
plaqueinduzierte chronische
Gingivitis überlagert,
oft weil die
Gingivabeschwerden die
Patienten bei einer
effektiven individuellen
Mundhygiene behindern.
Hinter der klinischen
Diagnose Gingivitis
desquamativa verbergen sich
sehr unterschiedliche
Erkrankungen. Dabei handelt
es sich in etwa 75% der
Fälle um Dermatosen:
Lichen Planus, ver-narbendes
Schleimhautpemphigoid,
bullöses Pemphigoid,
lineare Immunglobulin A
Dermatose, Pemphigus
vulgaris, Psoriasis, aber
auch hormonelle
Störungen, chronische
Infektionen und
unerwünschte
Arzneimittelwirkungen
(NISENGARD & ROGERS
1987, EGER 1994, SHKLAR
1996, SCULLY & LASKARIS
1998) (Tab. 1)
histologischen
Veränderungen, die
hinter der deskriptiven
Diagnose Gingivitis
desquamativa stehen,
entsprechen meist einem
Lichen planus oder einem
vernarbenden
Schleimhautpemphigoid (EGER
1994). Das vernarbende
Schleimhautpemphigoid ist
eine eher seltene
Erkrankung, deshalb kann
davon ausgegangen werden,
daß es sich bei den
meisten Fällen von
Gingivitis desquamativa um
eine gingivoparodontale
Manifestation von Lichen
planus handelt (SHKLAR
1996).
Wenn sich ein Patient mit
Gingivitis desquamativa
vorstellt, muß bei der
intraoralen Untersuchung
besonders auf weitere
Schleimhauteffloreszenzen
geachtet werden. Bei Lichen
planus liegen häufig
auch farnartige
weißliche Streifungen
der Wangenschleimhaut vor.
Bei der Anamnese sollte nach
gleichzeitig vorliegenden
extraoralen Läsionen
gefragt werden.
Konjunktivitis, Brennen beim
Wasserlassen oder vaginale
Beschwerden sprechen
für ein vernarbendes
Schleimhautpemphigoid,
während rötliche
Papeln insbesondere an den
Beugeseiten der
Extremitäten auf Lichen
planus hinweisen. Allerdings
können die oralen
Manifestationen auch
isoliert vorliegen, aber die
Diagnose der systemischen
Erkrankung schon
ermöglichen, bevor es
zu extraoralen Symptomen
kommt. Postmenopautische
Beschwerden oder eine
Hysterektomie in der
allgemeinen Anamnese
können auf hormonelle
Störungen als Ursache
oder Auslöser der
Gingivitis desquamativa
hindeuten. Eine eindeutige
Bestimmung der Erkrankung,
die sich hinter der
deskriptiv-klinischen
Diagnose Gingivitis
desquamativa verbirgt,
ermöglicht oft erst die
histopathologische bzw.
immunhistologische
Aus-wertung einer Biopsie.
Sie erlaubt auch die
Diagnose von Effloreszenzen
aufgrund seltener
chronischer Infektionen wie
Tuberkulose oder Lues.
Lichen
planus - Link zu medicine worldwide -
Lichen planus kann auf die
Epidermis oder orale Mukosa
beschränkt sein, aber
auch an beiden
Lokalisationen gleichzeitig
auftreten. In der
Ätiologie der
Erkrankung spielen
T-Lymphozyten eine wichtige
Rolle, die auf modifizierte
Oberflächenantigene von
Keratinozyten reagieren.
Mastzellen und
antigenpräsentierende
Langerhanszellen sind die
wesentlichen zellulären
Elemente in den sich
entwickelnden Läsionen
(PLEMONS et al. 1999, WALSH
et al. 1990).
Histopathologisch zeigen
sich 3 Hauptcharakteristika:
1) Hyper- oder Parakeratose,
2) "verflüssigte"
Degeneration der Basallamina
und 3) eine dichte
lymphozytäre
Infiltration der Lamina
propria direkt benachbart
zum Epithel. Es existiert
eine Reihe von Faktoren, die
einen Lichen planus
auslösen bzw.
exazerbieren können (Tab.
2) Lichen planus scheint
aber eher eine Form von
genetischer
Prädisposition oder
Suszeptibilität zu sein
als eine einfache Reaktion
auf einen Reiz (WALSH et al.
1990).Symptome an der
Mundschleimhaut sind bei ca.
1/4 der Patienten vorhanden.
Zu Beginn erscheint der
Lichen ruber planus
häufig mit
einzelnstehenden
weißlichen Papeln, die
sich im Verlauf zu den
charakteristischen
netzartigen retikulären
Lichen-ruber-Bildern
entwickeln (farnkrautartig).
Dabei ist zumeist die
bukkale Schleimhaut
betroffen, häufig auch
die Zunge, auf der nicht
selten Leukoplakien zu sehen
sind. Teils kommt es auch zu
erosiven Bildern.
Therapeutisch kommen vor
allem lokale Kortikosteroid-
und
Vitamin-A-Säurehaltige
Präpa-rate in Frage.
Allerdings liegen z.Zt.
keine stichhaltigen Beweise
für die Wirksamkeit
dieser Therapien im
Vergleich zu Plazebogabe vor
(CHAN et al. 1999).
Vernarbendes
Schleimhautpemphigoid
Das vernarbende
Schleimhautpemphigoid ist
eine seltene chronische
blasenbildende Erkrankung
der oralen Mukosa und
anderer Schleimhäute.
Die Haut ist normalerweise
nicht betroffen. Weitere
Prädilektionsstellen
neben der Mundschleimhaut
sind die Konjunktiva,
Nasal-, Vaginal- und
Rektalmukosa sowie die
Urethra. Läsionen der
Augen können sehr
schwer verlaufen, zu
Vernarbungen, Schäden
der Hornhaut und unter
ungünstigen Bedingungen
zur Erblindung führen.
Klinisch finden sich kleine
Blasen auf
erythematösem Grund,
die häufig einige Tage
lang erhalten bleiben und
anschließend in
Erosionen übergehen.
Betroffen sind vor allem
Gaumen, Zunge und bukkale
Schleimhaut. Meistens heilen
die Blasen der
Mundschleimhaut narbenlos
ab.
Es kommt zur Ablösung
des Epithels vom Bindegewebe
(subepitheliale
Blasenbildung). Mit
Immunfluoreszenz lassen sich
Autoantikörper im
Bereich der Basalmembran
identifizieren. Frauen sind
vom vernarbenden
Schleimhautpemphigoid
häufiger betroffen als
Männer. Es tritt am
häufigsten zwischen dem
40. und 70. Lebensjahr auf.
Die Therapie besteht aus der
internen Gabe von
Corticoidpräparaten
oder ggf. anderen
Immunsuppressiva (NISENGARD
& ROGERS 1987).
Bullöses
Pemphigoid
Das bullöse Pemphigoid
ist eine chronische
blasenbildende Dermatose des
höheren Lebensalters,
die in nur etwa 10 bis 20 %
der Fälle die
Mundschleimhaut
befällt. Die Blasen
bestehen nur für kurze
Zeit, wenn auch etwas
länger als beim
Pemphigus vulgaris.
Innerhalb weniger Tage kommt
es häufig zur
Abheilung. Die
Mundschleimhautveränderungen
beim bullösen
Pemphigoid treten in der
Regel nach den
Hautmanifestationen auf und
verlaufen meist wesentlich
milder als diese. Eine
Beteiligung der
Mundschleimhaut ist beim
bullösen Pemphigoid
keineswegs so nahezu
regelmäßig wie
beim Pemphigus vulgaris, sie
kommt nur bei etwa jedem
fünften Patienten vor,
kann jedoch gleichfalls sehr
ausgeprägt sein.
Aus ungeklärten
Gründen entstehen
Anti-Basalmembran-
Autoantikörper, es
entwickeln sich
Autoimmunreaktionen im
Bereich der Basalmembranzone
mit Komplementaktivierung,
in deren Folge es zu einer
subepidermalen/
subepithelialen
Blasenbildung kommt. Im
direkten
Immunfluoreszenztest sieht
man dementsprechend
bandartige Ablagerungen von
Immunglobulinen und
Komplementfaktoren.
Außerdem sind oft
zirkulierende
Autoantikörper gegen
Basalmembranantigene
nachweisbar. Die Therapie
erfolgt im Rahmen der
Hautveränderungen.
Pemphigus
(vulgaris)
Pemphigus ist eine
chronische blasenbildende
Dermatose, die Epidermis und
Schleimhäute
befällt.
Mundschleimhautsymptome
können den
Hautsymptomen des Pemphigus
vulgaris lange Zeit
vorausgehen und sind bei
etwa der Hälfte der
Patienten überhaupt das
erste Symptom. Die
frühzeitige Diagnose
der Erkrankung aufgrund
oraler Manifestationen kann
die Therapie der Erkrankung
erleichtern (systemische
Gabe von Kortikosteroiden)
und das Auftreten von
Hautläsionen vermeiden
helfen.
An der Mundschleimhaut
treten initial
flächenhafte, sehr
oberflächliche,
kurzlebige Blasen oft ohne
erythematösen Grund
auf, die klinisch meist als
flächige Erosionen mit
Epithelresten imponieren. Am
häufigsten sind die
mechanisch beanspruchten
Stellen der Mundschleimhaut
beteiligt. Die Erosionen
sind leicht verletzlich, so
daß der Verzehr harter
Speisen oder die Irritation
durch Zahnprothesen zu
weiteren und lange
bestehenden Erosionen
führen.
Pemphigus ist eine
Autoimmunerkrankung, bei der
Autoantikörper gegen
die interzellulären
Brücken, die
Desmosomen, der
Epithelzellen des Stratum
spinosum gebildet werden.
Histopathologisch
läßt sich eine
Akantholyse, eine
Lösung des
Zellverbundes in den oberen
Lagen des Stratum spinosum
feststellen
(intraepitheliale
Blasenbildung). Pemphigus
hat eine charakteristische
histopathologische
Erscheinung, so daß
eine aussagekräftige
Diagnose über die
Biopsie einer oralen
Läsion möglich
ist.
Die wichtigste
therapeutische
Maßnahme ist die
hochdosierte interne Gabe
von
Kortikoidpräparaten.
Erythema
multiforme
Das Erythema exsudativum
multiforme ist nicht nur
eine Krankheit der Haut und
der Mundschleimhaut, denn in
vielen Fällen bestehen
zu Beginn allgemeines
Krankheitsgefühl,
Gelenkschmerzen, vor allem
der großen Gelenke,
und Fieber. Mehr als 80% der
Patienten mit
Hautläsionen weisen
auch orale Manifestationen
auf, während die
Erkrankung nur in seltenen
Fällen auf die
Mundschleimhäute
beschränkt bleibt.
An der Haut sind kokarden-
oder irisförmige,
konzentrisch aufgebaute,
runde, meist
pfenniggroße Herde
charakteristisch, die
typischerweise an
Handrücken und
Unterarmen lokalisiert
sind. Oft sind auch die
hautnahen Schleimhäute,
die Konjunktiven und die
Mundschleimhaut,
mitbetroffen. An der
Mundschleimhaut findet sich
häufig eine
ausgeprägte,
außerordentlich
unangenehme erosive
Stomatitis mit
pseudomembranösen
Belägen. Dabei sind
hämorrhagische Krusten
auf den Lippen besonders
auffällig. Die
Stomatitis zeigt sich vor
allem in den vorderen
Abschnitten der
Mundschleimhaut und
äußert sich in
Erosionen, Ulcera und
Fibrinbelägen. Ein
Foetor ex ore ist vorhanden,
das Öffnen des Mundes
ist vielfach schmerzhaft
In vielen Fällen tritt
ein Erythema exsudativum
multiforme als
Folgekrankheit eines Herpes
simplex recidivans oder
einer Mykoplasmenpneumonie
auf, aber auch
YersinienInfektionen und
verschiedene Arzneimittel
können diese Erkrankung
auslösen.
Ein Mundschleimhautbefall
findet sich am
häufigsten bei einem
postherpetischen Erythema
exsudativum multiforme,
seltener bei einem
streptokokkeninduzierten
oder
medikamenten-induzierten
Erythema exsudativum
multiforme.
Erythema multiforme ist
durch rezidivierendes
Auftreten charakterisiert,
das sich durch Fieber und
Schüttelfrost
ankündigen kann. Die
akuten Phasen können 3
bis 4 mal pro Jahr oder auch
1 mal alle paar Jahre
auftreten. Mikroskopisch
finden sich Degenerationen
innerhalb des Epithels mit
intraepithelialer
Blasenbildung aber ohne die
für Pemphigus typische
Akantholyse. Auch im Bereich
der Basalmembran kann es zu
Degenerationen kommen. Die
Ätiologie der
Erkrankung ist unbekannt.
Man nimmt an, daß es
sich bei Erythema multiforme
nicht um eine
ätiologische
Entität, sondern eher
um einen Symptomkomplex
handelt, der durch viele
Faktoren wie Medikamente,
psychischen Stress oder
Allgemeinerkrankungen
ausgelöst werden kann.
Die Symptomatik kann durch
systemische Gabe von
Kortikosteroiden gemildert
werden.
Reaktionen
auf Medikamente
Eine Vielzahl von
Medikamenten kann Haut- und
Schleimhautveränderungen
verursachen. Hier kann es zu
allergischen Reaktionen
kommen, die das
Erscheinungsbild einer
Gingivitis desquamativa
haben können. Auch bei
langanhaltender Verwendung
von
Chlorhexidindiglukonat-Mundspüllösungen
in einer Konzentration von
mehr als 0,12% kann es zu
Desquamationen der Gingiva
kommen. Bei Verwendung von
1%-igen
Chlorhexidindiglukonat-Gelen
wurden bei
Schleimhautkontakt ebenfalls
desquamative Läsionen
beobachtet. Nach Absetzen
des
Chlorhexidinpräparates
heilen die Läsionen
vollständig ab.
Therapie
Die zahnärztliche
Behandlung der Gingivitis
desquamativa ist vorwiegend
symptomatisch und besteht
hauptsächlich in der
Kontrolle oder
Prävention einer
plaqueinduzierten
Superinfektion . Durch
Instruktion und Motivation
zu einer effektiven
individuellen Mundhygiene
und regelmäßige
professionelle
Zahnreinigungen, die die
plaqueinduzierte Gingivitis
therapieren, lassen sich die
oralen Beschwerden
häufig beseitigen oder
zumindest erheblich
reduzieren (NISENGARD &
ROGERS 1987). Darüber
hinaus sollte bei der
zahnärztlichen
Betreuung dieser Patienten
darauf geachtet werden,
daß subgingivale
Restaurationsränder und
schleimhautgetragener
Zahnersatz möglichst
vermieden werden (EGER 1994,
ERPENSTEIN 1985). Die
Therapie der Hauterkrankung,
die den oralen
Manifestationen zugrunde
liegt, sollte durch einen
Hautarzt bzw. Internisten
erfolgen (Tab. 1). In
manchen Fällen kann die
lokale Applikation von
Kortikosteroiden auf orale
Läsionen sinnvoll sein,
um die Beschwerden zu
lindern und die Remission
der Läsionen zu
beschleunigen (NISENGARD
& ROGERS 1987, EGER
1994, SHKLAR 1996, SCULLY
& LASKARIS 1998) (Tab. 3).
Infektiös
bedingte
Mundschleimhautveränderungen
Im folgenden werden
zunächst die Symptome
bei infektiös bedingten
Mundschleimhautveränderungen/
Krankheiten, und
anschließend die
Begleitsymptome bei weiteren
inneren Erkrankungen
abgehandelt.
Orale
Candidiasis (Soor)
Unter dem Begriff
Candidiasis werden Mykosen
zusammengefaßt, die
durch Hefen der Gattung
Candida hervorgerufen
werden. Die
größte klinische
Bedeutung unter den
Candida-Arten hat Candida
albicans. Dieser Hefepilz
gehört zu der normalen
kommensalen Flora der
Mundhöhle wie auch des
Gastrointestinaltraktes und
ist bei etwa 50 % aller
Menschen nachweisbar.
Häufig manifestiert
sich die orale Candidose als
Zweitkrankheit durch eine
gestörte Abwehrlage.
Antibiotikagabe, der
Gebrauch von
Kortikosteroiden in
Inhalatoren und lokal,
verringerte
Speichelsekretionsrate,
niedriger Speichel-pH und
erhöhte
Glukosekonzentration im
Speichel wurden neben
anderen Faktoren mit oraler
Candidiasis in Zusammenhang
gebracht (STANFORD &
RIVERA-HIDALGO 1999). Die
häufigste klinische
Manifestationsform ist die
pseudomembranöse
Candidose. Die aufliegenden
Beläge sind entweder
leicht abwischbar oder mit
dem Spatel abstreifbar.
Zurückbleibt ein
Erythem oder bei
stärkeren Belägen
eine Erosion. Vereinzelt
kann es auch zu Blutungen
kommen. Häufig ist
zusätzlich eine
Cheilitis angularis zu
sehen. Seltener sind
erythematöse, atrophe
oder hyperplastische Formen
der Candidosen.
Der Nachweis von Candida
albicans erfolgt im
Nativpräparat oder
mittels mykologischer
Kultur. Gleichzeitig sollte
nach einer
prädisponierenden
Erkrankung gesucht werden.
Zur Therapie der oralen
Candidiasis reichen die
lokalen Nystatin- oder
Amphotericin-B-Suspensionen
in der Regel aus. Liegt ein
iatrogener oder erworbener
Immundefekt vor, ist
häufig der Einsatz von
Azolen notwendig (z.B.
Flucanozol). Im
fortgeschrittenen Stadium
der HIV-Infektion kommt es
häufig zu sehr
therapieresistenten
Verläufen oder auch zu
azolresistenten Candidosen.
Herpes
simplex
Erkrankungen durch die
Herpes-simplex-Viren
gehören zu den
häufigsten
infektiösen
Krankheiten.
Unterschiedlich in
klinischem Bild und Verlauf
sind Erstinfektionen mit dem
DNS-Virus, die fast immer
asymptomatisch oder als
Gingivostomatitis herpetica
im Kleinkindalter ablaufen,
und die
Rezidivmanifestationen, also
der Herpes simplex
recidivans (Herpes labialis,
Herpes genitalis und
intraoraler rezidivierender
Herpes simplex).
Gingivostomatitis
herpetica
Die Viren der Herpesgruppe
und insbesondere der
Herpes-simplex-Virus (HSV)
gehören zur
verbreitetsten Gruppen
pathogener Viren, die sich
im Mundschleimhautbereich
manifestieren können.
Die Viren der Herpesfamilie
sind doppelsträngige
DNS-Viren, die
gewöhnlich durch
Schleimhautkontakt oder
engen körperlichen
Kontakt übertragen
werden. Sie verursachen eine
primäre Infektion, nach
der sie lebenslang latent in
den Zellen des Wirts
verbleiben (z.B. HSV in den
Ganglien sensorischer und
autonomer Nerven). Faktoren
wie Trauma, Stress,
Immunsuppression und
–dysfunktion
können dann zu einer
Reaktivierung und
Symptomatik führen
(RIVERA-HIDALGO &
STANFORD 1999, JARRAT 1983).
Das Herpes-simplex-Virus
gehört zur
alpha-Unterfamilie der
Herpesviren und kann in zwei
Typen unterschieden werden:
Typ I tritt überwiegend
im oralen Bereich auf
(Trigeminus-Ganglien),
während Manifestationen
von Typ-II-Infektionen
hauptsächlich den
genitalen Bereich betreffen
(sakrale Ganglien). Die
Erstmanifestation kann unter
dem Bild einer
Gingivostomatitis herpetica
verlaufen, das sich bei ca.
5 % der Infizierten
entwickelt. In der Gruppe
der 1- bis 6-jährigen
stellt diese Manifestation
die häufigste
Stomatitisursache dar. In
der Folge kommt es zu der
weiter verbreiteten und sehr
viel häufigeren Form
der rezidivierenden meist
labialen
Herpes-simplex-Infektion.
Die Infektionsquelle sind
häufig die Eltern.
Die Gingivostomatitis
herpetica ist eine
Allgemeinkrankheit, die oft
mit allgemeinem
Krankheitsgefühl,
Mattigkeit und hohem Fieber
einher geht. Komplikationen
sind Herpesmeningitis,
Herpesenzephalitis und
Herpessepsis. Besonders
ungewöhnliche und
vielfach auch schwere
Verlaufsformen der
Rezidivmanifestationen
werden bei Immundefekten,
Leukämie, AIDS und bei
Patienten, die mit
Immunsuppressiva behandelt
werden, beobachtet.
Nach einer Inkubationszeit
von durchschnittlich 5 Tagen
treten allgemeines
Krankheitsgefühl,
Fieber, Müdigkeit,
Schluckbeschwerden und
Lymphknotenvergrößerungen
auf. Nach 1 bis 2 Tagen
treten 2 bis 4 mm
große disseminierte,
teilweise konfluierende
aphthöse Läsionen
mit einem
gelblich-weißlichen
pseudomembranösen Belag
auf, die im Verlauf zu
großflächigen
Ulzerationen konfluieren
können. Am
häufigsten ist die
Gingiva befallen.
Die Nahrungsaufnahme und das
Sprechen sind sehr
schmerzhaft, es besteht ein
Foetor ex ore. Die Diagnose
kann mittels
Viruskultivierung erfolgen,
die jedoch sehr aufwendig
ist. Schnell und
zuverlässig ist der
Nachweis im direkten
Immunfluoreszenz-Test.
Demgegenüber ist der
serologische Nachweis einer
akuten HSV-Infektion
häufig
unzuverlässig. In der
Frühphase kann ein
deutlicher IgM-HSV-Nachweis
vorliegen.
Eine schwerwiegende
Verlaufsform der
Herpes-simplex-Infektion
kommt weiterhin bei
Patienten mit endogenem
Ekzem vor, das Eczema
herpeticatum. Bei diesen
Patienten kann sich aufgrund
einer Störung der
zellvermittelten
Immunität die kutane
Symptomatik rasch über
große Hautareale
ausbreiten. Bei etwa 10-15
% der Patienten ist die
Mundschleimhaut
mitbeteiligt.
Wichtigste
Differentialdiagnose der
Gingivostomatitis herpetica
ist das Erythema exsudativum
multiforme (siehe oben), das
auch postherpetisch
auftreten kann. Die Therapie
der Gingivostomatitis
herpetica umfaßt eine
Ernährung mit Breikost
und symptomatische
Maßnahmen wie
Unterstützung der
Mundhygiene durch z.B.
Chlorhexidin-Mundspüllösung.
In schweren Fällen kann
auch eine Therapie mit
Aciclovir, Famaciclovir oder
Valaciclovir erfolgen.Sehr
viel seltener als der Herpes
labialis recidivans ist die
rezidivierende intraorale
Herpes-simplex-Infektion.
Klinisch finden sich bis 3
mm große
Bläschen, die
vorwiegend an der Gingiva
oder am Gaumen auftreten.
Gelegentlich wird er auch
durch Zahnextraktionen oder
intraorale Infektionen
ausgelöst.
Zoster,
Gürtelrose
Der Zoster bzw. Herpes
zoster ist die
Zweitmanifestation einer
Infektion durch das
Varicella-Zoster-Virus,
einem Virus der
Herpes-Gruppe. Am
häufigsten sind der
erste Trigeminusast und die
Thorakalregion betroffen.
Die Mundschleimhaut ist nur
dann befallen, wenn die
Erkrankung den Bereich des
zweiten oder dritten Astes
des N.trigeminus betrifft.
Wie sehr oft an der
Mundschleimhaut, bleiben die
Bläschen, die sich
anfangs entwickeln, nur
kurze Zeit bestehen, denn
das Blasendach ist dünn
und reißt bald ein, so
daß
aphthenähnliche,
fibrinös belegte
Erosionen oder Ulcera
entstehen. Wie an der Haut
sind die Effloreszenzen an
der Mundschleimhaut
einseitig angeordnet, sofern
es sich nicht um eine
uncharakteristische
Begleitstomatitis handelt,
die dann die gesamte
Mundschleimhaut
befällt. Die typischen
Mundschleimhautläsionen
eines Herpes zoster jedoch
betreffen beim Befall des
Nervus maxillaris einseitig
den Gaumen, die
Gaumenbögen, die Uvula,
die Gingiva des Oberkiefers
sowie die oberen Anteile der
Wangen- und
Lippenschleimhaut. Ein
Zoster im Bereich des Nervus
mandibularis ist an der
Zunge, den kaudalen Anteilen
der Wangen- und
Lippenschleimhaut, der
mandibulären Gingiva
und am Mundboden
lokalisiert. Oft sind
Schmerzen vorhanden, die
sich wie Zahnschmerzen
äußern
können.
Die Therapie besteht bei
Befall der Mundschleimhaut
in Spülungen mit
lauwarmem Wasser. Eine
systemische Behandlung mit
Aciclovir ist im allgemeinen
nicht erforderlich, es sei
denn, gravierende oder
länger dauernde
Verläufe sind zu
erwarten, beispielsweise auf
Grund eines Morbus Hodgkin
und/oder einer
Zytostatikatherapie.
Varizellen,
Windpocken
Papulovesikeln,
Bläschen und nach deren
Ruptur punktförmige
dunkle Nekrosen, die sich
gleichzeitig nebeneinander
finden lassen ("Heubnersche
Sternkarte"),
charakterisieren das
klinische Bild. In
ausgeprägten
Krankheitsfällen ist
charakteristischerweise die
Mundschleimhaut beteiligt,
gelegentlich die Bindehaut,
selten die Schleimhaut von
Harnröhre und After.
Meist sieht man etwa 2-4 mm
große, flache Ulcera,
die von einem roten Hof
umgeben sind. Die gesamte
Mundhöhle kann befallen
sein, vielfach
beschränken sich die
Läsionen jedoch auf die
hinteren Abschnitte der
Mundhöhle, besonders
aufweichen Gaumen,
Rachenwand und
Schlundbögen.
Hand-,
Fuß- und
Mundkrankheit
Hierbei handelt es sich um
eine Infektion mit dem
Coxsackie-A-Virus, besonders
vom Typ A 16, A 10 und A 5.
Die Inkubationszeit der
Krankheit beträgt 3-4
Tage. Danach tritt eine
vesikulöse Stomatitis
auf, die meistens das
Hauptsymptom der Krankheit
darstellt. Diese
Bläschen sind
unregelmäßig
verstreut und vornehmlich am
harten Gaumen, seltener der
Wangenschleimhaut, an Zunge
und Gingiva sowie Pharynx
lokalisiert. Auch diese
Bläschen bleiben nur
kurze Zeit bestehen und
formen sich vielfach in
aphthenähnliche kleine
Herde um. An der Haut
treten gleichzeitig
charakteristische
längliche Bläschen
auf, vor allem an den
Fingerbeeren, an den
Beugeseiten der Finger sowie
an den Handtellern und
Fußsohlen. Die
Allgemeinsymptome sind meist
nicht sehr stark
ausgeprägt. Fieber ist
häufig vorhanden,
jedoch kurzdauernd und nicht
sehr hoch. Die Diagnose
beruht auf der typischen
klinischen Symptomatik, die
Labordiagnostik ist oft
weniger hilfreich. Ein
kultureller Virusnachweis
ist möglich, aber
aufwendig.
Masern
Beweisend für Masern
sind die Koplikschen
Flecken, weißliche,
kalkspritzerartige Stippchen
an der Wangenschleimhaut,
nicht selten von einem
hellen oder dunklen roten
Hof umgeben. Hierbei
handelt es sich um
oberflächliche, winzige
Schleimhautnekrosen. Sie
sind gewöhnlich
gegenüber den Molaren
lokalisiert und nicht selten
gehäuft besonders um
die Mündungspapille des
Ductus parotideus
anzutreffen. Ihre Anzahl
schwankt zwischen 5 und
wenigen 100. Bei
großer Zahl
können die Einzelherde
flächig zusammentreten
und größere
Areale der Wangenschleimhaut
bedecken. Sie treten 24-48
Stunden vor Ausbruch des
Masernexanthems auf und
verschwinden am Tag vor dem
Exanthem oder am ersten
Exanthemtag, selten erst am
zweiten. Kurz vor oder
gleichzeitig mit dem
Ausbruch des Masernexanthems
ist an der Mundschleimhaut
vielfach ein diskretes
makulöses Enanthem am
weichen und harten Gaumen zu
erkennen; es bildet sich
innerhalb von 2-4 Tagen
wieder zurück.
AIDS
Das erworbene
Immundefektsyndrom
("acquired immune deficiency
syndrome",AIDS) durch
Infektion mit dem
humanpathogenen Retrovirus
HIV-1 wird durch erste
lebensverlängernde
Therapieerfolge immer mehr
zu einer chronischen
Erkrankung. Die Kenntnis
der klinischen Symptome und
damit auch der
Mundschleimhautveränderungen
ist bei dieser Krankheit
besonders bedeutsam. An der
Mundschleimhaut finden sich
nahezu regelmäßig
therapieresistente
Candida-Infektionen mit
ausgeprägten
Belägen, nicht selten
auch in Verbindung mit einer
Perläche. So zeigt
sich bei etwa 30 % der
Patienten im
HIV-seropositiven
Latenzstadium eine
Candida-Infektion als erstes
und zunächst einziges
Zeichen der Erkrankung,
während sie bei etwa 80
% der Patienten mit dem
Vollbild AIDS anzutreffen
ist.Viele andere
Infektionskrankheiten treten
im Rahmen von AIDS an der
Mundschleimhaut auf,
besonders häufig ist
der Herpes simplex.
Herpesläsionen der
Zunge erscheinen als
weißlich-gelbliche,
flache Papeln mit
eingesunkenem Zentrum.
Harter Gaumen und Gingiva
sind bei HIV-Infizierten
häufig befallen.
Selbst der Ösophagus
und das
Tracheobronchialsystem
können von der
Herpes-simplex-Infektion
betroffen sein. Typisch
für den Herpes simplex
beim Vollbild von AIDS sind
ungewöhnlich lange
persistierende Ulcera. Eine
weitere Infektionskrankheit
bei HIV-infizierten
Patienten ist die 1984
erstmals beschriebene orale
Haarleukoplakie. Sie findet
sich außer bei
HIV-Infektionen auch bei
Patienten, die mit
Immunsuppressiva behandelt
werden, beispielsweise nach
einer Nieren- oder
Lebertransplantation. Bei
weitem die häufigsten
Krankheitsfälle werden
jedoch in Zusammenhang mit
AIDS beobachtet. Bei der
Diagnose der oralen
Haarleukoplakie weisen etwa
10 % der Patienten bereits
eine AIDS- Erkrankung auf,
bei weiteren 25 % entwickelt
sich innerhalb der folgenden
33 Monate das Vollbild des
Immundefektes. Es handelt
sich häufig um
einseitige, aber nicht
selten auch beidseitig
vorhandene weißliche,
leicht erhabene, unscharf
begrenzte, nicht
abstreifbare Verdickungen
der Schleimhaut des
Zungenrandes. Typisch ist
eine senkrecht zur
Zungenseite verlaufende
"waschbrettartige"
Streifenbildung. Fleckige
Formen kommen jedoch
ebenfalls vor. Offenbar
führt das
Zusammenwirken von
Epstein-Barr- und
Papillom-Viren, vielleicht
begünstigt durch eine
zusätzliche
Candidabesiedlung, zur
Entstehung der oralen
Haarleukoplakie. Weitere
Mundschleimhautinfektionen
sind bei HIV-Infizierten
nicht selten zu finden und
können auch das erste
bzw. dasjenige Symptom sein,
das letztlich den Patienten
zum Arzt führt. Neben
viralen Krankheiten
häufen sich bei
AIDS-Patienten auch
Extremformen bakterieller
Erkrankungen, so
beispielsweise die akute
nekrotisierende und
ulzerierende Gingivitis,
ANUG. Ferner kommen in
Verbindung mit AIDS
Neoplasien vor, in erster
Linie das Kaposi-Sarkom. Es
wurde von Moritz Kaposi aus
Kaposvar/Ungarn 1872 als
Sarcoma idiopathicum
multiplex haemorrhagieum
beschrieben und ist die am
häufigsten mit AIDS
assoziierte Neoplasie, die
sich bei bis zu einem
Drittel aller AIDS-Patienten
entwickelt. Morphologisch
faßbare Unterschiede
zwischen dem idiopathischen
Kaposi-Sarkom und dem
Kaposi-Sarkom bei
AIDS-Kranken konnten bislang
nicht nachgewiesen werden.
Angenommen wird, daß
die Tumorzellen in
unterschiedlichem
Entdifferenzierungsgrad von
Endothelien
postarteriolärer
Kapillaren oder der
Lymphgefäße
abstammen. Eine
Lokalisation in der
Mundschleimhaut, vor allem
am harten Gaumen, ist bei
etwa 50 % der Patienten mit
einem Kaposi-Sarkom zu
verzeichnen, der harte und
auch der weiche Gaumen sind
also durchaus bevorzugte
Lokalisationen. Dabei sind
blaurote oder braunrote
Plaques oder Infiltrate und
später blaurote Knoten
sichtbar, die ulzerieren
können. Außer
dem Gaumen sind die
palatinale und die buccale
Gingiva besonders oft
betroffen. Meistens
bereiten die oralen
Kaposi-Sarkome lange Zeit
keine Beschwerden. Der
Tumor ist eigentlich ein
Symptom der späten
Stadien, auch wenn es nicht
selten, bei etwa 20 % der
Patienten, das erste Symptom
ist, das den Patienten zum
Arzt führt. Andere
häufig assoziierte
Neoplasien, sind
Plattenepithelkarzinome der
Mundschleimhaut.
Scharlach
Abortiverkrankungen sind
heute häufiger als das
klassische Krankheitsbild.
Viele Patienten weisen
lediglich eine Angina auf,
und das Exanthem ist
diskret, kaum oder nur kurze
Zeit sichtbar. Das
Allgemeinbefinden ist dabei
nur wenig
beeinträchtigt. Mit
der Tonsillitis ist auch die
Schleimhaut der hinteren
Mundhöhlenanteile
gerötet, und es
entwickelt sich ein
makulöses, dunkleres
Enanthem, das nicht selten
an Uvula, weichem Gaumen und
Rachenwand purpurfarben
ist. Die Zungenschleimhaut
ist bereits frühzeitig
deutlich gerötet und
ödematös, und bald
läßt sich ein
dicker, weißer Belag
erkennen, aus dem lediglich
die Papillae fungiformes als
entzündlich
gerötete Punkte
herausragen. Nach einigen
Tagen vermindert sich der
Belag und verschwindet
schließlich. Die
Zungenschleimhaut ist dann
aber immer noch intensiv
gerötet, wobei die
fungiformen Papillen
weiterhin deutlich
entzündlich
vergrößert
hervortreten, so daß
sich das typische Bild der
"Himbeerzunge" ergibt.
Fieber, scarlatiniformes
Exanthem und
Lymphknotenvergrößerung
sind zusammen mit der
vorausgegangenen Angina
("ohne Angina kein
Scharlach") und der
"Himbeerzunge" die
wichtigsten Hinweise auf
Scharlach.
Syphilis
Die Syphilis, die Infektion
mit Treponema pallidum ist
eine meldepflichtige
Geschlechtskrankheit. Die
Mundschleimhaut kann bei
Syphilis in allen drei
Stadien beteiligt sein. In
etwa 2 % der Fälle
findet sich der
Primäraffekt und damit
die Eintrittspforte für
den Erreger im Bereich der
Mundschleimhaut. Lippen,
Rachenwand und Zunge sind
relativ häufige
Lokalisationen. Eine
solitäre, länger
bestehende
aphthenähnliche, das
heißt fibrinbelegte
Erosion sollte auch an einen
Primäraffekt denken
lassen. Im erregerreichen
Stadium II der Syphilis
entsteht ein fleckiges
Enanthem an der
Mundschleimhaut, hieraus
entwickeln sich kleine
Infiltrate, die erosiv
werden und sich mit Fibrin
bedecken; schließlich
können Erosionen und
Ulcera entstehen.
Außer diesen "Plaques
muqueuses" gehört eine
syphilitische Tonsillitis,
die "Angina specifica", zum
Stadium II der Syphilis.
Im Stadium III, das heute
äußerst selten
vorkommt, entstehen
umschriebene Granulome von
gummiartiger Konsistenz,
Gummen, die nicht ganz
selten am harten Gaumen
lokalisiert sind. Eine
zentrale Einschmelzung mit
Ulzeration oder Perforation
ist häufig die Folge.
Morbus
Reiter
Ein Morbus Reiter entsteht
entweder spontan oder im
Gefolge von Infektionen,
insbesondere nach
Enteritiden durch
Salmonellen oder Yersinien
sowie nach einer
Chlamydien-Urethritis. Die
Reitersche Trias ist die
Oligoarthritis,
Konjunktivitis und
Urethritis. Sie tritt
vorwiegend bei Männern
auf, und zwar gehäuft
beim
Histokompatibiltätsantigen
HLA-B 27, das bei fast 70 %
der Patienten nachweisbar
ist. Während sich an
der Glans penis die
charakteristische Balanitis
circinata parakeratotica
findet, sind
Veränderungen an der
Mundschleimhaut weniger
charakteristisch und nur von
kurzer Dauer. Das gilt
für figurierte,
randbetonte Erytheme an
Zunge, Gaumen und
Wangenschleimhaut,
ähnlich einer
Exfoliatio areata bzw. einer
Lingua (Stomatitis)
geographica.
Lupus
erythematodes
Der Lupus erythematodes ist
eine Autoimmunkrankheit, bei
der sich Antikörper
gegen Bestandteile der
Zellkerne sowie gegen andere
Strukturen des Organismus
nachweisen lassen. Die
B-Lymphozyten sind vermehrt
und leichter stimulierbar,
was zu einer
verstärkten
Autoantikörperbildung
führt. Die
T-Suppressorlymphozytenzahl
ist vermindert. Die
vermehrt produzierten
Immunkomplexe werden
unzureichend abgebaut. Ihre
Ablagerung führt zur
Aktivierung der
Komplementkaskade und zur
Auslösung von
Entzündungsreaktionen.
Heute werden drei Formen der
Krankheit unterschieden, die
in seltenen Fällen auch
ineinander übergehen
können. Das betrifft
den systemischen Lupus
erythematodes (SLE), der als
schwere, auch heute noch
mitunter tödlich
verlaufende
Allgemeinkrankheit vor allem
jüngere Frauen
betrifft, weiterhin den
subakut-kutanen Lupus
erythematodes (SCLE), der
erst in letzter Zeit als
Krankheitseinheit
herausgestellt wurde, und
schließlich den
diskoiden Lupus
erythematodes (DLE), der auf
die Haut und die
Mundschleimhaut
beschränkt ist.
Während beim SLE die
Haut- und
Mundschleimhautsymptome
für die Stellung der
Diagnose besonders hilfreich
und wichtig sind, stehen an
Bedeutsamkeit für den
Patienten jedoch die
Symptome von seiten der
Allgemeinerkrankung weit im
Vordergrund, besonders die
Polyarthritis, Polymyositis,
Nephritis, Myokarditis und
Polyserositis. Anfangs
besteht vielfach ein
allgemeines
Krankheitsgefühl von
unterschiedlichem
Schweregrad mit
Müdigkeit,
Abgeschlagenheit und oft
auch unklaren längeren
Fieberschüben.
Die
Mundschleimhautveränderungen
betreffen bei etwa 80 % der
Patienten den weichen und
harten Gaumen, seltener auch
die Wangenschleimhaut. Je
nach Ausprägung des
Krankheitsbildes zeigen sich
dort erythematöse
Areale, in denen kleine und
größere Blutungen
oft frühzeitig
anzutreffen sind. Bei
stärkerer
Krankheitsaktivität
finden sich dann die
charakteristischen
rundlichen oder
netzförmig auslaufenden
Erosionen und Ulcera, die
wochen- und monatelang
bestehen. An den Lippen
können sich bei
ausgeprägtem Befall
erosiv-krustöse Herde,
vor allem im Lippenrot,
zeigen.
Beim diskoiden Lupus
erythematodes zeigen sich an
der Haut
scheibenförmige,
gerötete Herde mit
deutlichem Randwall und
eingesunkenem Zentrum, zum
Teil auch mit Erweiterung
der Follikelöffnungen
und kleinen
Hornpfröpfen im
Zentrum. Betroffen sind vor
allem Gesicht und Hals,
besonders die
Infraorbitalregion in
schmetterlingsförmiger
Anordnung.
Mundschleimhautsymptome
werden etwa bei 20 % der
Patienten beobachtet; sie
befinden sich relativ
häufig an den Lippen
durch Übergreifen
perioraler Herde auf das
Lippenrot, innerhalb der
Mundhöhle jedoch vor
allem an der
Wangenschleimhaut, weniger
häufig auch an Gingiva,
den Lippeninnenseiten, Zunge
und Gaumen. Die Herde
bestehen typischerweise aus
rundlichen oder figurierten,
zentral atrophischen
Erythemen, gegebenenfalls
mit kleinen
Leukoplakieflecken und
Erosionen darin und einem
leicht erhabenen Rand, der
sich aus feinen, radiär
ausstrahlenden
weißlichen Streifchen
und Teleangiektasien
zusammensetzt. Das
Erscheinungsbild kann jedoch
sehr verschieden sein, oft
sieht man nur Rötungen
oder
weißlich-streifige
Epitheltrübungen. Eine
Ulzeration ist viel seltener
als beim SLE.
Progressive
Sklerodermie
Die Sklerodermie wird den
Kollagenosen zugeordnet.
Sie ist als Fibrose der Haut
und verschiedener innerer
Organe wie des
Gefäßsystems, des
Gastrointestinaltrakts, der
Lunge, des Herzens und der
Nieren eine deletäre
Allgemeinkrankheit.
Störungen der
Mikrozirkulation, der
Kollagensynthese und des
Glycosaminoglycanstoffwechsels
kennzeichnen die progressive
Sklerodermie.
Die allgemeine Fibrose
betrifft auch die
Mundschleimhaut, und zwar in
charakteristischer Weise.
In den stark
ausgeprägten
Krankheitsfällen sind
die Mund- und
Mundschleimhautveränderungen
regelmäßig
anzutreffen.
Blickdiagnostisch fallen
schon eine
Verschmälerung des
Lippenrots, eine
Verkleinerung der
Mundöffnung
(Mikrostomie) und die
radiäre
"tabaksbeutelnaht"-artige
Faltenbildung um den Mund
herum auf. In
fortgeschrittenen Stadien
ist die Lippenretraktion so
ausgeprägt, daß
der Mund nicht mehr
geschlossen wird oder sogar
geschlossen werden kann. Im
Bereich der Mundschleimhaut
ist eine Verdickung des
Zungenbändchens, ein
Skleroglosson, mit
Verkürzung,
Weißfärbung und
Verdickung besonders
auffällig und ein
charakteristisches Symptom
dieser Krankheit. Oft sind
aber auch andere Areale im
Bereich der Mundschleimhaut
deutlich sklerosiert und
weiß verfärbt.
Blutungen
in die
Mundschleimhaut
Blutungen in die
Mundschleimhaut sind ein
relativ häufiges und
vieldeutiges Symptom. Am
häufigsten kommen
Mundschleimhautblutungen
nach Verletzungen vor, die
durch Beißen auf die
Mundschleimhaut oder bei der
Verwendung eines
Zahnstochers entstehen.
Abgesehen von dieser
traumatischen Genese
führen aber auch eine
Thrombozytopenie und
Gerinnungsstörungen
verschiedener Art zu
Blutungen in die
Mundschleimhaut. Zu den
Symptomen einer
ausgeprägten
Thrombozytopenie, bei einer
Thrombozytenzahl von <
30.000/µl,
gehören Petechien und
flächenhafte
Sugillationen der Haut sowie
Einblutungen in die
Mundschleimhaut. Diese
Blutungen können im
Schleimhautniveau liegen,
sich aber auch kissenartig
vorwölben und sich nach
Ruptur des Epithels als
Koagel in die Mundhöhle
entleeren. Solche
Mundschleimhautblutungen
können sich bei
Thrombozytopenien jedweder
Genese finden, also
beispielsweise bei
idiopathischer
Thrombozytopenie, dem Morbus
Werlhof, Thrombozytopenien
einer passageren oder
permanenten
Knochenmarkdepression oder
immunologisch bedingten
Thrombozytopenien.
Mundschleimhautblutungen
treten entweder gleichzeitig
mit den kutanen
Hämorrhagien auf oder
folgen ihnen nach.
Daß sie den
thrombozytopenischen
Hautblutungen vorausgehen,
ist selten.
Neben thrombozytopenischen
Blutungen, die auch
Einblutungen in innere
Organe in lebensbedrohlicher
Weise umfassen können,
kommt es auch bei
Gerinnungsstörungen zu
flächenhaften
Mundschleimhauthämorrhagien.
Nur selten treten
Mundschleimhautblutungen bei
der Purpura fulminans auf,
einer seltenen, hochakuten
Zweitkrankheit nach
Infektionen, vor allem
Varizellen, Masern und
Scharlach, manchmal auch
Angina tonsillaris und
Coli-Sepsis. Fieber,
Schocksymptome und Blutungen
in die Haut infolge einer
Verbrauchskoagulopathie mit
Mikrothrombosierung und
nachfolgenden Nekrosen
kennzeichnen die gravierende
Allgemeinkrankheit, bei der
pathogenetisch ein
Sanarelli-Shwartzman-Phänomen
diskutiert wird.
Hämatologische
Krankheiten
Monoklonale oder polyklonale
Gammopathien auf dem Boden
eines Plasmozytoms, aber
auch unabhängig davon,
können bewirken,
daß sich Globuline in
der Haut und in der
Mundschleimhaut ablagern,
wonach es sekundär zu
Einblutungen in diese
Bezirke kommt. Ein Beispiel
hierfür ist der Morbus
Waldenström.
Hereditäre
Krankheiten, Ablagerungs-
und Speicherkrankheiten
Bei zahlreichen Erb- bzw.
Ablagerungskrankheiten
zählen
Mundschleimhautveränderungen
zu den wichtigen und
diagnostisch bedeutsamen
Symptomen. Auch wenn diese
Krankheiten nicht
häufig vorkommen, ist
doch die Kenntnis dieser
Symptome bedeutungsvoll.
Die generalisierte
Amyloidose tritt meistens
sekundär nach
verschiedenen Vorkrankheiten
auf. Dazu zählen das
Plasmozytom und andere
B-Zell-Tumoren, rheumatoide
Arthritis, Spondylitis
ankylosans, Colitis
ulcerosa, Osteomyelitis,
Tuberkulose, Lepra,
familiäres
Mittelmeerfieber oder
Tumoren wie Hypernephrom und
Morbus Hodgkin. Durch
bindegewebige oder
perivaskuläre
Ablagerung von Amyloid kommt
es zu einer
Vergrößerung der
betroffenen Organe, vor
allem von Leber, Herz,
Niere, Magen-Darm-Trakt,
Lunge und Haut. Ein
diagnostisch bedeutsames
Zeichen ist die Makroglossie
infolge Einlagerung von
Amyloid in die Zunge. Die
Zunge ist
vergrößert,
blaurot verfärbt, das
Zungenprofil ist
vergröbert, und es
zeigen sich deutliche
Impressionen der
Zahnreihen. Bei
stärkerer
Ausprägung ist die
Zunge übersät von
glasigen Papeln, die auch zu
größeren Tumoren
zusammengeschlossen sein
können.
Das Peutz-Jeghers-Syndrom
ist eine autosomal-dominant
vererbte Störung mit
hoher Penetranz. Sie ist
durch mukokutane
Pigmentflecken und eine
Polyposis des
Gastrointestinaltraktes
gekennzeichnet. Die Polypen
bleiben oft symptomlos,
geben manchmal aber auch
Anlaß zum Ileus und
können in seltenen
Fällen auch maligne
entarten. Die
Pigmentflecken sind
demgegenüber nur von
kosmetischer Bedeutung, sie
zeigen sich am Lippenrot, an
der Wangenschleimhaut und
seltener auch an Gaumen,
Gingiva, Zunge und
Mundboden, sind jedoch ein
wichtiges monitorisches
Symptom.
Beim Angiokeratoma corporis
diffusum werden
Ceramid-Hexoside
gespeichert, da das Enzym
Ceramid-Trihexosidase
vermindert ist oder fehlt.
Klinisch äußert
sich die Krankheit in
kleinen, dunkelblauen oder
purpurroten Angiomen im
Niveau der Haut oder etwas
darüber. An der
Mundschleimhaut finden sich
die Veränderungen in
Form verzweigt angeordneter
miliarer Angiome vorwiegend
an den Lippen, und dort
sowohl am Lippenrot als auch
an der Lippenschleimhaut,
ferner an der
Wangenschleimhaut, an Gaumen
und Gingiva. Ein isolierter
Mundschleimhautbefall ist
seiten.
Die Epidermolysis bullosa
hereditaria umfaßt
eine Gruppe seltener
Krankheiten, die durch eine
mangelhafte Fixierung der
Epidermis auf dem Corium
entsteht, so daß sich
bereits bei geringem Druck
oder Stoß oder bei
Einwirkung von
Scherkräften eine Blase
bildet. Es gibt mehrere
Unterformen entsprechend der
Lokalisation der Blasen in
der Haut. Diese können
anhand von klinischen und
elektronenoptischen
Kriterien unterschieden
werden. Schwachformen
kommen häufiger vor.
Bei einigen Formen kommt es
auch zu Blasenbildung und
Erosionen an der
Mundschleimaut.
Der Morbus Osler
(Teteangiektasia hereditaria
haemorrhagica) bzw. die
Osler-Rendue-Weber-Krankheit
ist die klassische Trias von
multiplen Teleangiektasien
an der Haut und an den
Schleimhäuten sowie
rezidivierenden Blutungen
und Familiarität. Die
Krankheit wird
autosomal-dominant vererbt
und manifestiert sich in der
zweiten oder dritten
Lebensdekade. An der
Mundschleimhaut finden sich
Teleangiektasien und
Angiome, vor allem an den
Lippeninnenseiten, aber auch
am Lippenrot, am Gaumen und
an der vorderen Hälfte
des Zungenrückens.
Diese Angiome sind in aller
Regel sehr deutlich
sichtbar, so daß
hieran die Diagnose gestellt
werden kann. Für den
Patienten sind diese
Symptome jedoch nur von
kosmetischem Interesse,
während das
häufige Nasenbluten und
Blutungen der
Magenschleimhaut aus
entsprechenden
Gefäßerweiterungen
für ihn viel
bedeutender sind.
Das Pseudoxanthoma elasticum
ist eine Erkrankung des
elastischen Gewebes im
Organismus und betrifft
dementsprechend vor allem
die Bruchsche Membran im
Auge mit Visusverlust oder
Erblindung, weiterhin die
Elastica der
Gefäße mit der
Folge von gastrointestinalen
Gefäßrupturen,
Herzinfarkt oder
Verschlüssen peripherer
arterieller
Gefäße mit
Extremitätengangrän
ähnlich einer
Winiwarter-Bürger-Erkrankung.
An der Haut ist das
degenerierte elastische
Gewebe in Form
papulöser gelblicher
Veränderungen sichtbar,
und in der Mundschleimhaut
äußert sich die
Krankheit in
charakteristischer Weise.
Hier findet sich an der
Innenseite der Unterlippe
eine flächenhafte
Gelbfärbung, die bei
keiner anderen Krankheit
vorkommt und pathognomonisch
für das Pseudoxanthoma
elasticum ist. Es handelt
sich um eine Vermehrung von
degeneriertem elastischem
Gewebe mit oder ohne
entzündliche Reaktion.
Die Elasticadegeneration
dürfte auf einem
hereditären
Synthesedefekt beruhen, auch
wenn die klinische
Symptomatik sich oft erst im
Jugendlichen- oder sogar im
Erwachsenenalter
manifestiert.
Die Acanthosis nigricans ist
eine seltene Dermatose,
gekennzeichnet durch
Pigmentierung, samtartige
Papillomatose und
Hyperkeratose in den
großen Hautfalten.
Sie tritt entweder als
hereditäre
Krankheitsentität oder
in mehreren Formen als
Begleitsymptomatik bei
zahlreichen
Krankheitsbildern, besonders
als paraneoplastisches
Syndrom bei viszeralen
Adenokarzinomen, auf.
Die maligne Acanthosis
nigricans ist besonders
wichtig, denn sie
gehört zu den
monitorischen, auf ein
Malignom hinweisenden
Hautkrankheiten, die selbst
jedoch gutartig sind. Die
maligne Acanthosis nigricans
ist damit ein kutanes
paraneoplastisches Syndrom.
Freilich wird die Krankheit
meist erst dann
diagnostiziert, wenn bereits
eine Metastasierung erfolgt
und daher die Prognose des
Grundleidens infaust ist.
Fast immer sind es
Adenokarzinome des Magens,
des Pankreas, der Leber, der
Gallenblase, des Kolon und
Rektum. Prostata-, Uterus-,
Mamma- und Lungenkarzinome
wurden ebenfalls
diagnostiziert.
Etwa bei 40 % ist die
Mundschleimhaut umschrieben
oder flächenhaft
mitbefallen, am
häufigsten die Zunge.
Sie ist stärker
gefurcht und kann auch
deutlich
vergrößert sein.
Ebenfalls fast
ausschließlich bei der
malignen Acanthosis
nigricans sieht man an den
Lippen weiche oder
verruköse, zum Teil
filiforme Papillome oder
eine wallartige, gelappte
Papillomatose ("roter und
schwarzer Kaviar'). Dieser
Befund ist besonders an den
Mundwinkeln ausgeprägt
und kann hier eine
Perläche
vortäuschen.
Mundschleimhautsymptome
als Hinweiszeichen auf
weitere interne
Krankheiten
Beim Morbus Addison , der
primären Insuffizienz
der Nebennierenrinde durch
Tuberkulose,
hämorrhagische
Nekrosen,
WaterhouseFriedrichsen-Syndrom,
Karzinommetastasen,
Amyloideinlagerung und
andere Ursachen, kommt es zu
den klinischen Symptomen
allgemeiner Müdigkeit
und Schwäche sowie
unter weiteren Symptomen
auch zu einer Pigmentierung
von Haut und
Schleimhäuten.
An der Mundschleimhaut ist
diese Pigmentierung oft
deutlich ausgeprägt.
Meistens handelt es sich um
eine fleckige oder
flächenhafte
Pigmentierung, die an den
Lippen, der
Wangenschleimhaut, Gingiva,
Zunge und am harten Gaumen
lokalisiert ist. Eine
isolierte Pigmentierung der
Mundschleimhaut bei Morbus
Addison ist selten, meistens
sind gleichzeitig die
charakteristischen
Hautpigmentierungen
vorhanden.
Die Wegenersche
Granulomatose ist eine
granulomatöse
Entzündung mit
fibrinoiden
Gefäßnekrosen,
die als nekrotisierende
Vaskulitis vorwiegend den
Nasen-Rachen-Raum betrifft.
Außer zu Rhinitis,
ulzerösen Granulomen,
Sinusitis und Otitis kommt
es jedoch auch zu
Allgemeinsymptomen wie
Fieber, Arthralgien und
Beteiligung von Lunge und
Nieren. Oft endet die
Krankheit letal. In der
Mundschleimhaut liegen die
nekrotisierenden Granulome
manchmal, wenn auch seiten,
im Bereich der Zunge,
meistens im Bereich des
Gaumens, wo sie nach der
Abheilung ähnlich wie
Gummen Perforationen
hinterlassen können.
Präkanzerosen
Präkanzerosen sind
Gewebsveränderungen,
die häufiger eine
bösartige Entartung
aufweisen, als das
entsprechende
unveränderte Gewebe. Im
Bereich der Mundhöhle
treten diese
Präkanzerosen vor allem
unter dem Bild einer
Leukoplakie und/oder einer
Erythroplakie auf. Auf dem
Indischen Subkontinent kennt
man darüber hinaus noch
die submuköse Fibrose ,
die ebenfalls in ein
Plattenepithelkarzinom
übergehen kann. Der
Lichen planus, bei dem die
maligne Entartung nur eine
geringe Rolle spielt
(LAUFFER & KUFFER 1970),
wurde oben diskutiert.
Nach der Definition der WHO
ist die Leukoplakie eine
"vorwiegend weiße
Läsion der
Mundschleimhaut, die sich
nicht als eine anderweitige
Veränderung
charakterisieren
lässt" (PINDBORG et
al. 1997). Diese neue
Begriffsbestimmung ersetzt
die ältere, aber etwas
eingängigere
Leukoplakiedefinition, die
von einem weißen,
nicht abwischbaren Fleck
sprach, der klinisch oder
histo-pathologisch keiner
anderen Krankheit zuzuordnen
ist.
Die Prävalenz von
Leukoplakien liegt in Europa
zwischen 1% und 2% der
Bevölkerung, in Indien
je nach
Ernährungsgewohnheiten
wesentlich höher (Tab.
4).
Als Ursachen für
Präkanzerosen werden
eine ganze Reihe von
exogenen und endogenen
Faktoren diskutiert. Diese
sind in den Tabellen 5 und 6
zusammengefasst (BURKHARDT
& MAERKER 1981). An
erster Stelle der
Risikofaktoren steht dabei
immer noch der
Nikotinabusus, insbesondere
in Kombination mit
Alkoholkonsum (JOHNSON et
al. 1996).
Zur Einteilung der
Leukoplakien gibt es eine
Reihe von verschiedenen -
teils klinischen, teils
histopathologischen -
Klassifikationen.
Veränderungen, die nach
Ausschluß
ätiologischer Faktoren
abklingen, werden
entsprechend benannt, z.B.
tabakassoziierte
Läsionen. Tabelle 7
zeigt die (klinische)
Einteilung der Leukoplakien
nach BANOCZY & SUGAR
(1972). PINDBORG et al.
(1997) unterscheiden in
ihrer neuen Definition nur
noch "homogene" und
"inhomogene" Leukoplakien.
Dabei stellt sich die
homogene Leukoplakie
"flach", "gefaltet" oder
"bimssteinartig" dar, die
inhomogene Leukoplakie ist
durch die Attribute
"verrukös",
"nodulär", "ulzeriert"
oder "Erythroleukoplakie"
charakterisiert. Die
definitive Diagnose erfolgt
allerdings immer durch die
histopathologische
Untersuchung einer Biopsie.
Bei Vorliegen exogener
Reizfaktoren (z.B. bei
scharfen Schmelzkanten,
insuffizienten
Kronenrändern, usw.)
ist nach deren Beseitigung
ein Abwarten von ca. 2
Wochen vertretbar. Dann
sollte allerdings
-insbesondere bei mangelnder
Abheilungstendenz- eine
entsprechende
fach-ärztliche
Abklärung erfolgen. Bei
inhomogenen Leukoplakien
empfehlen wir
grundsätzlich eine
histologische Sicherung der
Diagnose. Bei
Durchführung der
Biopsie ist besonders auf
die Erfassung von gesundem
Gewebe und von für die
Veränderung
repräsentativen
Bereichen zu achten.
Bei der histopathologischen
Begutachtung bedient sich
der Pathologe einer Reihe
von Dysplasiekriterien
(REICHART & PHILIPSEN
1999) (Tab. 8). Die
Bedeutung der klinischen
Klassifikationen und der
histologischen
Dysplasiekriterien liegt in
einer unterschiedlich hohen
Entartungsrate, die von
einem nur gering
erhöhten Risiko bei der
einfachen Leukoplakie, bis
zu einer
Transformationswahrscheinlichkeit
von 38% bei der erosiven
Leukoplakie reicht. Bei der
von HANSEN et al. (1985)
beschriebenen
proliferativen,
verrukösen Leukoplakie
entwickelten 70,3% von 54
Patienten in einem Zeitraum
von 7,7 Jahren ein
Plattenepithelkarzinom
(SILVERMAN & GORSKY
1997).
Das Spektrum der Therapie
der Leukoplakien reicht von
der Chemoprävention
(mit Retinoiden,
ß-Carotin und anderen
Vitamin-Kombinationen) bis
zur klassischen
chirurgischen Exzision. Eine
Lasertherapie sollte stets
mit der Entnahme von
Biopsien verbunden sein. Von
wesentlicher Bedeutung ist
der vollständige
Verzicht auf exogene Noxen,
insbesondere auf den
Tabakkonsum. Da die
therapeutische Entscheidung
in vielen Fällen eines
speziellen Sachverstandes
bedarf, wurde an der Klinik
und Poliklinik für
Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie der
Universität Heidelberg
eine spezielle Sprechstunde
für Patienten mit
Mundschleimhautveränderungen,
insbesondere mit
Leukoplakien, eingerichtet.
In der primären und
sekundären
Prävention sowie der
Verlaufsbeobachtung kommt
aber vor allem dem Zahnarzt
eine wesentliche Rolle
zu.
Ein weiterer
präkanzeröser
Zustand ist die
Erythroplakie . Dabei
handelt es sich um einen
leuchtend dunkelroten
Schleimhautfleck, der nicht
abwischbar ist und keiner
anderen definierten
Krankheit zuzuordnen ist. Im
Randbereich können auch
leukoplakische
Veränderungen
auftreten. Die Erythroplakie
tritt wesentlich seltener
als die Leukoplakie auf, hat
aber ein deutlich
höheres malignes
Potential. Daher ist bei
erythroplakischen
Veränderungen in der
Regel immer die
vollständige Exzision
anzustreben, um u.a. eine
komplette histologische
Aufarbeitung zu
ermöglichen.
Die Genese einer
Präkanzerose auf
zellulärer Ebene ist
noch nicht vollständig
geklärt. Man findet zum
einen Mutationen und
Deletionen und zum anderen
die Hochregulation, bzw. die
Herabregulation von Genen,
bzw. den entsprechenden
Genprodukten. In eigenen
Untersuchungen stellten wir
mittels der vergleichenden
genomischen Hybridisierung
(CGH) bei 12
präkanzerösen
Läsionen Zugewinne auf
den Chromosomen 8q (bei 3
von 12 Patienten) und 16p (2
von 12), sowie Verluste u.a.
auf 3p (5 von 12), 5q (4 von
12) und 13q (3 von 12) fest
(WEBER et al. 1998). Zur
weiteren Vertiefung sei auf
die Übersichten von
SAGER (1997) und TODD et al.
(1997) hingewiesen. Leider
lassen sich aus der Vielzahl
der Erkenntnisse noch keine
direkten therapeutischen
Konsequenzen ziehen.
Traumatogene
Formen
In einigen seltenen
Fällen lassen sich
entzündliche
Veränderungen der
Mundschleimhäute und
ins-besondere des marginalen
Parodonts beobachten, die
überwiegend
vestibulär und dort
häufig streng
lo-kalisiert, manchmal nur
an einem Zahn oder einer
Zahngruppe, auftreten. Diese
Veränderungen
können durch lokale
Faktoren wie Plaque oder
Zahnstein nicht erklärt
werden bzw. sind durch eine
wesentliche Verbesserung der
Mundhygiene nicht
beherrschbar. Hier sollte an
Artefakte gedacht werden,
die der Patient durch
Manipulationen mit
Fingernägeln oder
Gegenständen
(Buntstifte,
Zahnbürste) in Form
eines Habits selbst
verursacht. Häufiger
sind Putzverletzungen, die
insbesondere während
einer parodontologischen
Initialbehandlung bei
hochmotivierten Patienten,
auftreten können.
Tab. 1
Störungen oder
Erkrankungen, die orale
Manifestationen im Sinne einer
Gingivitis desquamativa
verursachen können.
|
Störung/Erkrankung
|
Behandlung der
Grunderkrankung
durch
|
|
Lichen planus
|
Hautarzt
|
|
Vernarbendes
Schleimhautpemphigoid
|
Hautarzt, Augenarzt
|
|
Bullöses
Pemphigoid
|
Hautarzt
|
|
Lineare IgA
Dermatose
|
Hautarzt
|
|
Pemphigus
|
Hautarzt, Internist
|
|
Erythema multiforme
|
Hautarzt
|
|
Postmenopautische
Hormondefizite
|
Gynäkologe
|
Tab. 2:
Prävalenz der
Leukoplakien17(REICHART
& PHILIPSEN 1999).
|
Deutschland
|
0,9 - 2,2
|
|
Indien
|
0,7 - 11,7
|
|
Niederlande
|
1,4
|
|
Schweden
|
3,6
|
|
Ungarn
|
1,3
|
|
USA
|
2,9
|
|
UdSSR
|
8,0
|
|
Thailand
|
1,1
|
Tab. 3:
Exogene Faktoren für
Präkanzerosen.
|
Tabak
|
|
Alkohol
|
|
Besondere
Angewohnheiten
("Wangensaugen",
Kautabak)
|
|
Schlechte
Mundhygiene
|
|
Prothesenreiz
|
|
Lokale Infekte
(Herpes, Candida,
HPV)
|
|
Galvanische Reize
|
|
Schadstoffe (Blei,
Benzol,
Stäube)
|
Tab. 4: Endogene Faktoren
für Präkanzerosen.
|
Erbliche Faktoren
|
|
Lebererkrankungen
|
|
Unterernährung
(Vitamin-Protein-Mangel)
|
|
Eisenmangel
|
|
Diabetes mellitus
|
|
Hormonale Faktoren
|
|
Allgemeine
Infektionen
(Syphilis)
|
Tab. 5: Einteilung der
Leukoplakien nach BANOCZY
& SUGAR
(1972)13.
|
Leukoplakia simplex
|
Homogen-weißlich,
scharf begrenzt,
glatte bis leicht
gewellt-körnige
Oberfläche,
49% aller
Leukoplakien,
selten
Präkanzerose
|
|
Leukoplakia
verrucosa
|
Unregelmäßige,
noduläre
Oberfläche,
gering gefleckt,
grau-rötlich,
27% aller
Leukoplakien,
|
|
Leukoplakia erosiva
|
Unregelmäßige
Oberfläche,
stark gefleckt, mit
Erosionen, 24%
aller Leukoplakien,
38% maligne
Entartungsrate
|
Tab. 5: Dysplasiekriterien
modifiziert nach REICHART
& PHILIPSEN
(1999)17.
|
Verlust der
Polarität der
Basalzellen
|
Mitosen in den
höheren
Epithelschichten
|
|
Basalzellhyperplasie
|
Zellulärer und
nukleärer
Polymorphismus
|
|
Erhöhte
Kern-Plasma-Relation
|
Kernhyperchromasie
|
|
Tropfenförmige
Reteleisten
|
Vergrößerte
Nukleoli
|
|
Unregelmäßiger
Epithelaufbau
|
Verlust
interzellulärer
Adhärenz
|
|
Erhöhte Anzahl
von Mitosen
|
Keratinisierung in
der
Stachelzellschicht
|
|
Atypische
mitotische Bilder
|
|
|