Fachkunde    Konservierende Zahnheilkunde    Startseite Autor: © Dr. Joachim Menges Layout:   © Stefan Münz

Keramik Veneers

modifiziert nach © Prof. Karl-Heinz Kunzelmann


Inhalt

 

Indikationsart

Beispiele

Verfärbungen

(interne)

Tetracyclin-Verfärbung

Fluorose

Iatrogene Verfärbung durch Wurzelfüllmaterialien

Schmelzhypoplasien

Formkorrekturen

Zahnmißbildungen, z. B. Zapfenzähne, Hypoplasien

Formanpassung persistierender Milchzähne

Zustand nach Trauma

Bei Nichtanlage Umformen von Eckzähnen zu seitl. Incisivi

Lokale Erosionen

Stellungskorrekturen

Zahnfehlstellungen, z. B. gedrehte oder gekippte Zähne (solange ein ausreichende Schmelzangebot vorliegt) als Alternative oder Ergänzung zu kieferorthopädischer Therapie

Lückenschluß bei Diastema

Wiederherstellen okklusaler und inzisaler Führungsflächen

Versorgen von kariesfreien Seitenzähnen, die in Infraokklusion stehen

Abrasion/Erosion

Schutz vor weiterem Zahnverlust

Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Veneers.

Vorteile von Veneers

gute Ästhetik

Zahnhartsubstanzschonend

(= minimal-invasiv, Krone vermeidbar)

Pulpaschonend v. a. bei Jugendlichen mit großem Pulpakavum

keine Lokalanästhesie nötig

meist kein Provisorium erforderlich

parodontalhygienisch günstig

Nachteile von Veneers

Formveränderungen nur begrenzt möglich

starke Verfärbungen schwer abzudecken

vor dem Einsetzen zerbrechlich

wenig klinische Langzeiterfahrung

hohe Kosten

Vor der Präparation von Veneers sollte folgendes überprüft werden. Viele Patienten kommen mit dem Wunsch einer ästhetischen Korrektur der Frontzähne in die Praxis. Häufig findet man bei diesen Patienten Aussplitterungen an der Schneidekante und eine verkürzte klinische Krone. Da diese Patienten häufig sehr fordernd auf einer raschen ästhetischen Korrektur bestehen und diese Maßnahmen sowohl schnell realisierbar ist als auch gut honoriert wird, besteht die Gefahr, vorschnell dem Wunsch der Patienten zu folgen und die Frontzahnrestauration zu beginnen. Es sollte jedoch vorher unbedingt geprüft werden, warum die Frontzähne abgesplittert sind. Für den Fall, daß im Seitenzahnbereich Verschleißfacetten zu beobachten sind und davon ausgegangen werden kann, daß eine Absenkung der Bißhöhe erfolgt ist, sollte vor der Veneerversorgung geprüft werden, ob nicht erst eine Bißerhöhung angestrebt werden sollte. Dies andererseits ist auch nicht trivial, da die Bißhöhe als Engramm somoatosensorisch festverankert ist.

Mein persönliches Vorgehen in diesem Fall sieht in der Regel eine diagnostische Aufbißschiene vor. Besonders wichtig ist die Aufklärung des Patienten, die schriftliche Dokumentation der Aufklärung und erst anschließend die Versorgung mit Veneers. Dieses möglicherweise als umständliche empfundene Vorgehen sichert aber langfristig die Zufriedenheit der Patienten und hilft juristische Probleme im Vorfeld zu eliminieren.

Präparation:

Praxis-Tipp: Als Erleichterung der Präparation und Abformung sollte ca. eine Woche vor der Behandlung eine professionelle Zahnreinigung erfolgen. Außerdem werden die Patienten instruiert, bis zum Einsetzen der Veneers gerade im Bereich der Front besonders sorgfältig zu Putzen.

Schichtstärke des bukkalen Schmelzmantels als Orientierungshilfe bei der Veneerpräparation.

Schmelzdicke [mm]

Zahntyp

zervikale Drittel

mittleres Drittel

inzisales Drittel

obere Frontzähne

0,4

0,9

1,0

obere Prämolaren

0,4

1,2

2,0

untere Frontzähne

0,3

0,6

0,7

untere Prämolaren

0,3

1,0

1,3

Präparierinstrumente für Veneers:

Instrument

ISO

Beispiel

Rundkopfzylinder

806 314 141514 012

Komet 881.314 012

Rundkopfzylinder

806 314 141514 014

Komet 881.314 014

Separierkonus

806 314 199524 012

Komet 850.314 012

Systematisches Vorgehen bei der Präparation von Veneers:

Ziele:

definierte Präparationsgrenze als Hilfe beim Einsetzen und als Orientierung für den Zahntechnik bei minimalem Substanzabtrag (ohne Dentinexposition im Randbereich)

Vorgehen:

  • Tiefenmarkierung: Vertiefen des Präparierinstrumentes bis zur Hälfte des Durchmessers an drei bis 5 Stellen auf der Labialfläche. Dabei nach zervikal ca. 2 mm Abstand zur Gingiva lassen.
  • Präparation der zervikalen Hohlkehle
  • Präparation des Approximalbereiches
  • Flächiger Substanzabtrag bukkal bis zur Präparationsgrenze nach zervikal und approximal
  • Falls erforderlich Präparation der incisalen Stufe bzw. Überkuppelung
  • Abrunden vorhandener Kanten

Für den Fall, daß keine eindeutige Position des Veneers gewährleistet ist, empfehlen manche Autoren, eine sogenannte Positionierhilfe zu präparieren. Hierbei handelt es sich um eine Vertiefung auf der Bukkalfläche, die mit dem Finierdiamanten an einer beliebigen, unproblematischen (Ränder, Pulpa) Stelle angelegt werden kann. In meiner bisherigen Praxis war nur selten eine Positionierhilfe erforderlich. Falls sie angelegt wird, sollte sie unbedingt eine ausreichende Größe haben, da die Viskosität des Einsetzkomposites das beim Einsetzen erforderliche Spüren feiner Details erschwert.

Farbbestimmung

Aufgrund der anspruchsvollen ästhetischen Situation überlasse ich die Farbbestimmung ausschließlich dem Zahntechniker, der die Veneers herstellt. Als Planungshilfe stelle ich bei schwierigen Fällen die Situationsmodelle und Fotos der Ausgangssituation zur Verfügung. Alle Details klärt der Zahntechniker direkt mit dem Patienten. Sollte eine Neuanfertigung aufgrund einer falschen Farbbestimmung erforderlich sein, stellt dieses Vorgehen ein konfliktfreies Verfahren dar, da es dann keine Diskussion über die Fehlerquelle gibt.

Temporäre Versorgung

Im einfachsten Fall (bukkale Präparation, keine Dentinexposition) kann auf eine temporäre Versorgung verzichtet werden. Kleinere exponierte Dentinareale kann man mit Dentinadhäsiv schützen. Umfangreiche Präparationen sollten wie bei einer Kronenpräparation mit einer temporären Krone abgedeckt werden (z. B. Luxatemp/DMG, Protemp/Espe etc.). Wichtig ist in diesem Fall, daß eugenolfreier temporärer Befestigungszement verwendet wird (z. B. Provicol/Voco, Nogenol/Kerr). Gelegentlich wird beschrieben, mit Komposit eine direkt modellierte Kompositschale herzustellen und mit einer ca. 1 – 2 mm großen Kontaktfläche zentral auf der Bukkalseite adhäsiv zu befestigen. Bei diesem Vorgehen muß auf zwei Probleme hingewiesen werden. Zum einen ist es schwierig und zeitaufwendig, das temporäre Kompositveneer intraoral nach der Abformung herzustellen und auszuarbeiten, ohne die Präparationsgrenze zu verletzen. Zum anderen kann es während der Tragezeit im Bereich der großflächigen Fügespalten zur Einlagerung von Farbpigmenten und Nahrungsresten (unangenehmer Geschmack) kommen. Ich habe diese Art der temporären Versorgung bisher nur sehr selten einsetzen müssen. Meist kann man die Patienten ohne Versorgung bzw. mit einer klassischen temporären Versorgung entlassen.

Abfolge der Arbeitsschritte für das Einsetzen eines Keramikveneers.

Arbeitsschritt

1

Reinigung der Zähne

2

Einpassen von jeweils einem Veneer

3

Bei mehreren Veneers: nach der Einzeleinprobe Einpassen aller Veneers zusammen

4

Beurteilen der Farbe mit Try-in-Pasten (kann in der Regel entfallen, da die Schichtstärke der Klebefuge zu gering ist, um eine echte Farbmodifikation mit Hilfe des Befestigungskomposites vorzunehmen).

5

Reinigung der Veneers

6

Veneer: 60 s Ätzen mit 5 %iger Flußsäure

7

Veneer: Applizieren der Silanlösung

8

Trocknen und Lösungsmittel verdunsten (Luftbläser)

9

Kofferdam

10

Reinigung und Desinfektion der Zähne

11

30 s Ätzen des Zahnschmelzes mit Phosphorsäure

12

OP-Leuchte wegdrehen, ausschalten oder auf Gelblicht schalten

13

bei Dentinexposition: Dentinadhäsiv

14

Befestigungskomposit applizieren (auf dem Veneer! – dadurch mehr Verarbeitungszeit: Temperatur geringer, keine Radikal aus DBA)

15

erstes Veneer positionieren

Praxis-Tip:

Zur einfacheren Handhabung der Veneers gibt es Hilfmittel (z. B. Diamantpinzette, Accu-Placer/HuFridy, Viva-Sticks/Vivadent etc.) mit denen die Veneers einfacher gehalten werden können

16

Überschüsse entfernen (Sonde, Heidemannspatel, Einweg-Pinselchen o. ae.)

Anmerkung: ich verwende für diesen Schritt relativ viel Zeit! Ich versuche die Überschüsse so sorgfältig zu entfernen, daß eine weitere Korrektur mit rotierenden Instrumenten überflüssig wird. Auf diese Weise vermeide ich die unbeabsichtigte Entfernung der Keramikmalfarben auf dem Veneer und spare bei Ausarbeiten viel Zeit.

17

Wichtig: Kontrolle der Endposition (Sonde) , evtl. Glyceringel applizieren (zur Vermeidung der Sauerstoffinhibitionsschicht)

18

Polymerisation

19

Schritt 11 bis 18 wiederholen bis alle Veneers eingesetzt sind

20

Überschüsse z. B. mit EVA-Kopf entfernen

21

Okklusionskontrolle in Artikulation und Protrusion

22

Falls erforderlich: Politur mit Soflex-Scheiben, Finierstreifen und Polierpasten – Cave: Malfarben nicht entfernen!

23

Fluoridierung der Zahnhartsubstanz


 

   

 
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