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Autor: © Dr. Joachim Menges | Layout: © Stefan Münz |
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Die Therapie der Gingivitis und Parodontitis© Uni Würzburg (modifizierte Version) |
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Diagnostik
Einmal jährlich sollte der Zahnarzt mit Hilfe einer sogenannten "Screening"(Schnelltest)-Sonde die Zahnfleischtaschen durchmessen, um schon frühzeitig den Beginn einer Parodontitis zu erkennen, die ja meistens schmerzlos verläuft Hierbei wird Entzündung, Taschentiefe, das Vorhandensein von Zahnstein sowie überhängende Füllungen und Kronen beurteilt. Dieser Index teilt sich in 5 Schweregrade (von 0-4) auf. Danach wird die Therapie wie folgt durchgeführt:
Der mikrobiologische Test
Spezielle und schwierige Parodontitis-Fälle können die Durchführung eines mikrobiologischen Testes erfordern, bei der die Art und die Menge der Bakterien in der parodontalen Tasche festgestellt wird. Ein solcher Test ist nötig bei:
Er sollte nur dann durchgeführt werden, wenn daraus eine therapeutische Konsequenz gezogen wird, d. h. daß das Ergebnis den weiteren Behandlungsverlauf verändert bzw. bestimmt ! In erster Linie dient ein solcher Test der Auswahl des geeigneten Antibiotikums, falls ein solches benötigt wird (s. unten).
Die Therapie der Gingivitis
Die konventionelle Therapie der
Parodontitis
Bei der Therapie der Parodontitis wird wie bei der Gingivitis auch die
Verbesserung der Mundhygiene angestrebt. Eine gute Mundhygiene ist einer der
Grundlagen des Therapieerfolges. Der Patient muß darauf achten,
daß die Plaque (s. S.
2), die sich über den Zahnfleischtaschen befindet,
regelmäßig und sorgfältig entfernt wird, da von dieser die
Infektion der Taschen ausgeht.
2-4 Wochen, nachdem die erste Behandlung des Gebisses vollständig abgeschlossen ist, werden die Zahnfleischtaschen noch einmal durchsondiert, um die Stärke der Entzündung festzustellen. Oft zeigt sich hier schon eine Verkleinerung der Taschen, die durch festes Anlegen des Zahnfleisches an den Zahn bedingt ist. Diese Sitzung ist wichtig, da sie dem Zahnarzt einen Anhaltspunkt gibt, wie das Zahnfleisch auf die Therapie reagiert. In diesem Zusammenhang wird auch der Fortschritt der Mundhygiene kontrolliert, um eventuell dem Patienten die Fehler und Probleme noch einmal zu erklären. Danach wird festgelegt, in welchen Abständen der Patient sich in der Praxis wieder vorstellen soll, damit die Zahnfleischtaschen, die nur der Zahnarzt gründlich säubern kann, erneut gereinigt werden. Die Abstände zwischen diesen Behandlungssitzungen sollten in der Regel, je nach Schwere der Erkrankung, 3-6 Monate sein.
Die medikamentöse Therapie der
Parodontitis
Die Parodontitis läßt sich nicht (!!) allein durch medikamentöse Maßnahmen behandeln, eine konventionelle Therapie muß in jedem Fall durchgeführt werden ! Im Zuge dieser Behandlung kann eine sogenannte "full mouth desinfection" durchgeführt werden. In besonderen Fällen kann die zusätzliche Gabe von Antibiotika angezeigt sein, so zum Beispiel bei:
"Full mouth desinfection" : Bei dieser besonderen Form der Behandlung wird die konventionelle Therapie (s. o.) innerhalb von zwei Tagen durchgeführt. Zusätzlich wird mit Hilfe der antimikrobiellen Substanz Chlorhexidin (s. Zahnpflege) versucht, einen Großteil der Bakterien der Mundhöhle zu entfernen. Der genaue Behandlungsablauf sieht wie folgt aus:
Man unterscheidet die lokale und die systemische Antibiotika-Therapie:
Idealerweise sollte vor der Antiobiotikatherapie eine Keimbestimmung (s. oben) erfolgen, um das am besten wirksame Antibiotikum einzusetzen.
Die chirurgische Therapie der
Parodontitis
Bei schwereren Fällen einer Parodontitis kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Sobald die Zahnfleischtaschen eine gewisse Tiefe erreicht haben (6 mm und mehr), lassen sich diese besonders im Seitenzahnbereich auf konventionelle Weise oft nicht mehr vollständig reinigen. Hier ist ein chirurgischer Eingriff angezeigt, um die Tiefe der Taschen zu verkleinern. Resektive Parodontalchirurgieist notwendig, wenn das Knochenniveau insgesamt zurückgegangen ist und wenn sich zusätzlich flache Knocheneinbrüche finden. Zu diesem Zweck wird das Zahnfleisch vom Knochen und von den Zähnen abgeklappt, um dann die Wurzeln unter Sicht zu reinigen. Störende Knochenanteile, die ein normales Anlegen des Zahnfleisches an Zähne und Knochen verhindern, können entfernt werden. Zum Abschluß wird das Zahnfleisch auf etwas niedrigerem Niveau wieder am Knochen angelegt, so daß die Tasche eliminiert wird. Regenerative Parodontalchirurgieist nur in bestimmten Erkrankungssituationen möglich, zum Beispiel, wenn sich ein Krater im Knochen gebildet hat. Hier wird das Zahnfleisch vom Knochen gelöst und der Defekt sauber dargestellt. Danach wird eine Membran über den Defekt gelegt oder dieser mit Knochen, bzw. Knochenersatzmaterialien (Alloplastische Implantate: synthetische Materialien mit guter Biokompatibilität: Kalziumcarbonat, Tricalciumphosphat, Hydroxylapatit, Bioglass sowie kalziumbeschichtete Polymere (Polymethylmethacrylate und Hydroxyethylmethacrylate)) aufgefüllt, um eine Regeneration zu erreichen. Bei alloplastischen Materialien ist im allgemeinen keine parodontale Regeneration nachweisbar. Sie werden größtenteils bindegewebig eingeschieden, und im allgemeinen bildet sich zwischen ihnen und der Wurzeloberfläche ein langes Saumepithel. Mit Knochen und Membranen dagegen ist eine Teilregeneration erreichbar. Meist kann man nicht den ganzen Defekt schließen, aber ein partieller Aufbau ist möglich. Ein weiterer Bestandteil der parodontalen Chirurgie ist die "Rezessionsdeckung". Eine "Gingivarezession" ist der Rückgang des Zahnfleisches (und auch eines Teils des Knochens), so daß die Zahnhälse oder Teile der Wurzel freiliegen. In bestimmten Situationen, bei denen kein allgemeiner Knochenabbau vorliegt, kann man mit Hilfe eines Stückes Bindegewebe, das am Gaumen entnommen wird, durch Membranen oder durch Verschieben des umgebenden Zahnfleisches diesen Rückgang wieder decken. Allerdings ist dies nur möglich, wenn der Knochenabbau aufgrund einer Parodontitis noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Ideal für diese Therapie sind Defekte, die durch zu starkes Zähneputzen entstanden sind. Voraussetzung für eine erfolgreiche Deckung ist aber, daß die Putzgewohnheiten umgestellt werden, da sonst die Rezession erneut auftritt. Natürlich gibt es eine Vielzahl verschiedener anderer Operationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Prämolarisierungen (Teilen eines unteren großen Backenzahnes zu zwei kleinen), Wurzelamputationen (Entfernen einer Wurzel bei mehrwurzeligen Zähnen), Hemisektionen (das Teilen eines unteren Backenzahnes und Entfernen einer Hälfte) und Tunnelierungen. Diese Operationsmethoden werden vor allem bei "Molaren" (Backenzähnen) angewandt, bei denen die Furkation (Wurzelteilungsstelle) von der Erkrankung befallen ist, sich nicht mehr vollständig reinigen läßt und somit den Bakterien Unterschlupf bietet. Durch Teilen oder Entfernen einzelner Wurzeln voneinander wird die Furkation und somit der Unterschlupf beseitigt. Man geht heute mehr und mehr wieder dazu über, ohne chirurgische Maßnhamen zu behandeln. Es läßt sich dennoch nicht in allen Fällen vermeiden.
Die Therapie eines gelockerten
Zahnes
Grundsätzlich gibt es verschiedenste Möglichkeiten, warum ein Zahn locker wird. Wenn der Zahnhalteapparat der Grund ist, bleiben zwei übrig:
Die Heilung nach Parodontitistherapie
Je nach Art der durchgeführten Therapie gibt es verschiedene Heilungsmöglichkeiten. Wichtig ist aber:ein genereller Knochenaufbau bis zur vollständigen Regeneration ist NICHT möglich! Nach konventioneller Therapie wird das Zahnfleisch durch Beseitigung der Entzündung wieder straffer, legt sich enger an den Zahn an, so daß die Zahnfleischtaschen kleiner werden. Die Häufigkeit des Zahnfleischblutens verringert sich. Nach resektiven parodontalchirurgischen Maßnahmen bildet sich eine neue, gesunde parodontale Zahnfleischfurche aus. Auch hier ist die Tiefe und die Häufigkeit der Blutung verringert. Nach regenerativen Maßnahmen bei besonderen Knochendefekten (s. oben) kann es zur neuen Ausbildung von Knochen und Zahnhalteapparat kommen, allerdings ist eine vollständige Auffüllung des Defektes nicht gewährleistet. Ziel der parodontalen Therapie ist dementsprechend die Beseitigung der Entzündung und die Erhaltung des noch vorhandenen Knochens.
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