1. Durchbruchsreihenfolge und Zahnarten:
Wie bekannt ist, wechselt das menschliche Gebiß im Laufe des Lebens seine Zähne aus.
Während des Zahnwechsels ändert sich die Anzahl der Zähne und teilweise auch die Art
der Zähne. Das temporäre Gebiß besteht aus 20 Milchzähnen; 8 Schneidezähne, 4
Eckzähne und 8 Milchmolaren. Die Milchzähne werden auch Dentes decidui genannt. Das
temporäre Gebiß besitzt verschiedene Zahngruppen:
- mittlere Schneidezähne (Dentes incisivi medialis)
- seitliche Schneidezähne (Dentes incisivi laterales)
- Eckzähne (Dentes canini)
- 1. Molaren (Dentes molares minores)
- 2. Molaren (Dentes bukkales majores)
Der Zahndurchbruch beginnt mit dem unteren mittleren Schneidezahn, welcher im 6. bis 8.
Monat durchbricht. Daraufhin folgt der untere seitliche Schneidezahn, der zwischen dem 8.
und 12. Monat erscheint. Der erste Molar kommt zwischen dem 12. und 16. Monat. Dann folgt
der Milcheckzahn. Er tritt im 16. bis 20. Monat hervor. Der letzte Zahndurchbruch liegt
dem 20. und 30. Monat. Der zweite Milchmolar ist durchgebrochen. Die Milchzahnwurzeln
werden vor dem Zahnwechsel durch den Wachstumsdruck der bleibenden Zähne resorbiert. Die
Kaufähigkeit ist während des Zahnwechsels stark beeinträchtigt, da stets einzelne
Zähne fehlen oder lose sind.
Diese Zeitangaben entsprechen einem mittleren Wert. Deshalb werden sie Normalzahner
genannt. Einige Kinder sind Früh - oder Spätzahner, wobei die Durchbruchszeiten und die
Durchbruchsfolge genau wie beim Normalzahner sind.
2. Formbesonderheiten:
Nun möchten wir auf den zweiten Schwerpunkt eingehen und beginnen mit dem
Milchmolaren.
Der erste obere Milchmolar sieht beinahe so aus wie der bleibende Prämolar. Der obere
4er hat eine ausgeprägte Rhombenform. Dieser Zahn kann auf der lingualen Hälfte zwei
Höcker besitzen, welche durch eine Fissur abgetrennt werden. Der obere 5er hingegen hat
eine viel stärker ausgeprägte Rhombenform als der 4er und ähnelt dem bleibenden
Molaren. Dieser Zahn besitzt einen starken mesio buccalen Höcker. Im Gegensatz zum
oberen 4er besitzt der untere 4er keine Ähnlichkeit mit dem bleibenden unteren
Prämolaren.
Der untere 5er hat die meiste Ähnlichkeit mit dem bleibenden Molaren, als alle
Anderen. Bei den 2. unteren Milchmolaren fällt der zentral buccale Höcker
besonders auf. Das temporäre Gebiß ähnelt in seinem Zahnformbogen dem permanenten
Gebiß.
Die Milchzähne sind kleiner und zarter als die Zähne beim permanenten Gebiß. Ihre
Proportionen sind breiter und die Pulpahöhlen sind geräumiger. Die Dentes decidui haben
eine weiß-bläuliche Farbe. Diese Farbe entsteht, weil die Zahnsubstanz weniger
Kalkanteile besitzt. Zwischen den breiten Wurzeln der Milchzähne befinden sich die
Zahnkeime der bleibenden Zähne. Die oberen Milchfrontzähne besitzen eine ähnliche
Grundform wie die Schneidezähne des bleibenden Gebisses. Die Zahnhalsränder sind sehr
stark. "Die Flächen der Milchzähne sind sehr glatt mit wenig ausgeprägten
Wölbungen, Furchen und Leisten. Das Tuberculum dentale ist fast nicht zu erkennen."
Zur Erläuterung Abbildung des oberen Schneidezahnes des permanenten Gebisses ab.
Palatinale (hintere) Fläche:

Labiale (vordere) Fläche:

Die Milchzähne besitzen stark ausgeprägte Winkelmerkmale. Die unteren Schneidezähne,
des temporären Gebisses, sind wesentlich breiter als die Schneidezähne des permanenten
Gebisses; welche sich vom 5. Lebensmonat bis ins 3. Lebensjahr hinein vollzieht.
3. Stellungsanomalien und vorzeitiger Zahnverlust und Folgen:
Kurz vor dem Zahnwechsel, ca. im 6.Lebensjahr, geht der approximale Zahnkontakt
verloren. Die Kiefer und Zahnbögen werden durch den Druck der Zunge geweitet. Die
Milchzähne müssen so lange wie möglich erhalten bleiben, da sie Platzhalter für das permanente Gebiß sind. Trotzdem kann es zu einem Zahnverlust
kommen. Falls der vorzeitige Verlust eintritt, kann dieses folgende Auswirkungen haben.
Der Kiefer kann im Wachstum beeinflußt werden.
Für die bleibenden Zähne kann Platzmangel auftreten und in Folge dessen
Stellungsanomalien.
Die Milchzähne werden häufig kariös, besonders die Milchmolaren. Die Molaren sollen
so lange wie möglich erhalten bleiben, da sie nicht nur zum Kauen da sind. Sie sind auch
Platzhalter für die bleibenden Zähne. Wenn man diesen Zahn vorher extrahiert kann das
Wachstum des Kiefers beeinflußt werden. Der Platz für die bleibenden Zähne ist oft zu
gering, so daß das Stellungsanomalien zur Folge hat.
Die Stellungsanomalien findet man am häufigsten beim Eckzahn des permanenten Gebisses.
Warum tritt die Stellungsanomalie am häufigsten beim Eckzahn auf?
Der Grund dafür ist am häufigsten Platzmangel. Wie bekannt ist bricht der bleibende
Eckzahn später durch als seine beiden Nachbarn. Der Milcheckzahn ist schmaler als der
Bleibende. Das hat die Folge, daß die Lücke zu schmal für den bleibende Eckzahn ist.
Dem entsprechend weicht der Zahn meist nach vestibulär (dem Mundvorhof zu) aus.
Als eine Folge von Karies werden manche Zähne des permanenten Gebisses nicht funktionsfähig.