Das Kiefergelenk ist das komplexeste Gelenk im menschlichen Körper.
Es kann Rotation- (Drehbewegung) und Translationbewegungen (Gleitbewegung) durchführen.
Beide Kiefergelenkseiten arbeiten voneinander abhängig. Der Gelenkkopf bewegt sich ohne
Schädigung aus der Grube heraus und wieder zurück. Der Unterkiefer ist mit dem Gehirnschädel über das Kiefergelenk beweglich verbunden.
Das Kiefergelenk ist eingeteilt in zwei Gruppen:
a) knöcherne Teile:
- Unterkieferkopf (Caput mandibularis, ist auch unter den Namen Kondylus bekannt)
- Gelenkgrube (Fossa mandibularis)
- Gelenkhöckerchen (Tuberculum articularis)
b) bindegewebig-knorpelige Teile:
- Gelenkkapsel (Capsula articularis)
- Gelenkscheibe (Discus articularis)
- Gelenkbänder (Ligamenta)
- Gelenkknorpel (Cartilago articularis)
Erklärung der einzelnen Teile:
Unterkieferkopf: Der Untekieferkopf sitzt auf beiden Seiten des Unterkiefers auf
dem Gelenkhals. Die Form des Unterkieferkopfes ist von Person zu Person unterschiedlich,
jedoch meist als eine quergestellte, bohnenförmige Walze. Der Gelenkkopf paßt nicht
genau in die Gelenkgrube rein.
Gelenkgrube: Die Gelenkgrube liegt vor dem Gehöreingang und ist ein Teil
des Schläfenbeinens. Sie liegt genau zwischen den beiden Wurzeln des Jochfortsatzes und
ist größer als der Unterkieferkopf. Da der Knochen der Grube sehr dünn ist, wird der
Druck vom Gelenkkopf auf das widerstandsfähige Gelenkhöckerchen wirksam.
Gelenkhöckerchen: Es ist die innere Wurzel des Jochfortsatzes und des
Schläfenbeines, sie liegt im vorderen Teil des Gelenkgrubenwalles. Das Gelenkhöckerchen
weist zwei Flächen auf: eine hintere Fläche, ist die eigentliche Gelenkfläche und die
sogenannte Gelenkbahn, sie bezieht sich auf die Kauflächenebene und beträgt zwischen 0 0
und 60 0. Der Verlauf der Fläche ist nach hinten und oben geneigt. Die untere Fläche ist
schmal, verläuft ziemlich horizontal.
Gelenkkapsel: Die Gelenkkapsel besteht aus Bindegewebsfasern und ist an die
Schädelbasis und die Gelenkgrube angewachsen.
Gelenkscheibe: Die Gelenkscheibe ist scheibenförmiges Gebilde, daß aus
einer Mischung von Binde- und Knorbelgewebe besteht. Sie übernimmt die Funktion eines
Stoßdämpfers und gleicht die Inkongruenz, also die Passungenauigkeit aus.
Gelenkbänder: Sie stabilisieren die Gelenkkapsel. Bewegungen werden durch
die Bänder abgebremst. Jede Gelenkseite besitzt drei Gelenkbänder:
Schläfenunterkieferband (Ligamentum laterale), hat seinen Ursprung an der
Außenfläche des Jochfortsatzes des Schläfenbeines und seinen Ansatz am Unterkieferhals.
Keilbein-Unterkieferband (Ligamentum spehenomandibulare), hat seinen Ursprung am
Keilbeindorn und seinen Ansatz vorwiegend am Züngelchen.
Griffel-Unterkieferband (Ligamentum stylomandibulare), hat seinen Ursprung am
Griffelfortsatzes des Schläfenbeines und sein Ansatz am hinteren Rand des
Unterkieferastes und Kieferwinkels.
Aufbau des Kiefergelenkes
Das Kiefergelenk befindet sich unmittelbar vor dem äußeren Gehöreingang. Die
Gelenkgrube wird hinten durch die Wurzel des Jochfortsatzes des Schläfenbeins begrenzt.
Den vorderen Teil der Gelenkgrube bildet das Gelenkhöckerchen. Die Gelenkfläche ist nach
vorne geneigt und, wie auch der Kondylus, mit Fasernknorpel überzogen. Zwischen Kondylus
und Gelenkfläche befindet sich die Gelenkscheibe (Discus articulare). Diese zwischen 1
und 4 mm starke mit der Gelenkkapsel verwachsene Gelenkscheibe gleicht den
Größenunterschied zwischen Gelenkfläche und Kondylus aus und, macht aus dem Gelenk ein
Doppelgelenk. Das gesamte Gelenk wird von der Gelenkkapsel
(Capsula articularis) aus Bindegewebe luftdicht eingeschlossen. In der inneren
Epitelschicht dieser Bindegewebshülle wird auch die Gelenkflüssigkeit produziert. Die
Neigung der Gelenkfläche (Gelenkbahnneigung) beträgt bezogen auf die Kauebene zwischen
0° und 60°. Ein mittlerer Wert ist dabei 34°. Die (realen) Kondylenachsen treffen sich
in ihrere Verlängerung vor dem Hinterhauptloch. Der Winkel dieser Achsen zur terminalen
Schanierachse ( scheinbare Achse die durch beide Kondylen verläuft) beträgt ca. 15°.
Die Gelenkbänder der Kiefergelenke verstärken die recht schlaffen Gelenkkapseln und
begrenzen dadurch die Kiefergelenksbewegungen.
Bewegungsmöglichkeiten der Kiefergelenkes
Durch die besondere Konstruktion des Kiefergelenkes ergeben sich eine Reihe von
Bewegungsmöglichkeiten.
1. saggitale Translation, sie entsteht bei einer Vorschubsbewegung des UKs. Beide
Kondylenseiten treten aus der Gelenkgrube heraus und wandern auf der Gelenkbahn nach vorn.
2. Transversale Rotation, sie entsteht bei einer Öffnungsbewegung des Mundes. Beide
Kondylenseiten bleiben in der Gelenkgrube und es entsteht nur ein Drehbewegung. Entsteht
eine extreme Öffnungsbewegung des Mundes, so wandern beide Kondylen aus der Gelenkgrube
heraus und auf der Gelenkbahn entlang.
3. Bei einer Seitwärtsbewegung des Unterkiefers, werden beide Kondylenseiten in eine
Arbeitsseite/Rotationskondylus und in eine Ruheseite/ Translationsseite eingeteilt. Wird
die Seitwärtsbewegung vollzogen, so wandert der eine Kondylus auf der Gelenkbahn entlang
und der andere Kondylus bleibt in der Gelenkgrube und vollzieht im wesentlichen eine
Drehbewegung.
Posseltdiagramm
Als Posseltdiagramm bezeichnet man die Grenzbewegungen des UK`s betrachtet aus der
Sagittalebene. Die unterschiedlichen auf den Inzisalpunkt bezogenen Bewegungen sind in den
unten skizzierten Diagrammen dargestellt.
Interkuspitation (IP)
- Retrale Kontaktposition (RP)
- Ende der Öffnungsbewegung in terminaler Schanierachsenposition bei ca. 20-25mm
Öffnung.
- maximale Öffnungsbewegung, die sowohl die Rotations- als auch die Translationbewegung
der Kondylen beinhaltet.
- maximaler Protrusionspunkt, maximaler Vorschub des Uk unter Zahnkontakt.
- Abbißstellung (keine Grenzbewegung).
- Ruheschwebelage (keine Grenzbewegung)