Definition
Anomalien des Gebisses sind von der Norm abweichende Stellungsfehler des Gebisses, der Kiefer und der Zähne, wobei erbbedingte, progressive und umweltbedingte unterschieden werden.
Zwischen einer Dysgnathie - der abwegigen Entwicklung der Kiefer - und einer Eugnathie - dem ausgeglichenem und gut ausgebildetem Gebiß - bestehen fließende Übergänge
Ursachen von Zahn- und Kieferanomalien
Im allgemeinen wird zwischen angeborenen, vererbten und erworbenen
Fehlbildungen unterschieden. Es werden endogene Faktoren und exogene
Einflüsse für die Entstehung von Gebißanomalien
verantwortlich gemacht.
In vielen Fällen gelingt es allerdings nicht, die Ätiologie
eindeutig zu ergründen.
Ursächliche Zusammenhänge und Wechselwirkung liegen eng
beieinander und gehen ineinander über.
Erbliche Faktoren
Vor. allem kieferorthopädische Krankheitsbilder wie
"Progenie", "Deckbiß", das "frontale
Diastema" und auch der "Kreuzbiß" entstehen durch
überwiegend erblichen Einfluß.
Die ersten Anzeichen für die Entwicklung dieser
Gebißfehlbildungen können oft schon in den ersten Lebensmonaten
beobachtet werden. Im Milchgebiß sind stets die charakteristischen
Abweichungen dieser Anomaliekomplexe bereits vorhanden.
Störungen der Schwangerschaft
Bekannt ist der Zusammenhang zwischen einer Viruserkarankung der Mutter
(bes. Röteln) und die Entstehung von Spaltbildungen.
Geburtstrauma oder Trauma im frühen Kindesalter
Durch ein Geburtstrauma kann eine Schädigung der Kiefergelenke,
insbesondere der dort befindlichen Wachstumszentren erfolgen, was zur
Unterentwicklung des Unterkiefers führen kann.
Falsche Flaschenernährung als Säugling
Bei der Flaschenernährung, insbesondere bei Verwendung eines
unzweckmäßigen Flaschensaugers mit einer zu großen
Öffnung und einer den anatomischen Verhältnissen nicht
angepaßten Form, entfällt der funktionelle Wachstungsanreiz
weitgehend, sodaß der Unterkiefer in seiner Rückenlage bleibt.
Diese Rückenlage kann wiederum Ursache für einen mangelhaften
Mundschluß sein. Dann besteht die Gefahr, daß bei erschwertem
Lippenschluß die Mundatmung bevorzugt wird.
Kariöse Defekte
Wenn auch Karies in jedem Lebensalter auftreten kann, so ist doch besonders
das Milchgebiß der fünf- bis achtjährigen Kinder besonders
gefährdet. Eine weitgehende kariöse Zerstörung der
Milchzähne kann erhebliche Auswirkungen auf die bleibenden
Zähne haben. Die
regelmäßige und korrekte Mundpflege ist deshalb von enormer
Wichtigkeit.
Orale Habits
Lutschgewohnheiten wie Daumen-, Finger-, Lippen-, Polsterzipfellutschen,
auch Nägel-, Lippen-, Wangen- und Zungenbeißen bedingen
vielfältige Veränderungen in der Form des Kiefers und der
Zahnreihen, und dies u.U. schon in den ersten Lebensmonaten.
Schädigungen durch Unfälle
Eine Schädigung der Kiefergelenke (Wachstumszentren) kann durch einen
Unfall, der gelegentlich sogar von den Eltern unbemerkt bleibt, aber auch
durch eine Eiterung (oft vom Mittelohr ausgehend) erfolgen.
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