Startseite  Fachkunde   Das Kauorgan Autor: © Dr. med. dent. Joachim Menges Layout: © Stefan Münz

Inlayversorgung

modifiziert nach © KZBV


 
  • Einsatzmöglichkeiten von Inlays
  • Notwendige Zahnsubstanz
  • Overlay
  • Onlay
  • Gold-Keramik-Kunststoff
  • Keramisch verblendetes Inlay
  • Behandlungsablauf
  • Provisorium
  • Kosten

Wenn ein Loch im Zahn gefüllt werden soll, haben die Zahnärzte heute eine ganze Reihe von Alternativen, z.B. die klassische Amalgam-Füllung, eine Füllung mit "Kunststoff" (sog. Komposit) - oder eben auch das Verschließen des Zahnes mit einem Inlay. Inlay bedeutet Einlagefüllung, und das wiederum bedeutet: Aus einem bestimmten Stoff (z.B. Kunststoff, Keramik oder Gold) wird eine feste Form gegossen oder gefräst, die haargenau in das für die Füllung vorbereitete "Loch" passt. Damit es nicht herausfällt, wird das Inlay je nach Ausführung mit einem "Klebstoff", einem sogenannten Adhäsiv oder Zement, befestigt. Wie im Haushalt auch, benötigen unterschiedliche Werkstoffe unterschiedliche Kleber, wenn man sie verbinden will.


Inlay - nur etwas für bestimmte Fälle?



Das Gold-Inlay
© Prof. Dr. Hinz

Ein Inlay kann, wie jede andere Füllung auch, nur dann eingesetzt werden, wenn nach der Karies-Entfernung noch so viel Zahnsubstanz übrig geblieben ist, dass der restliche Zahn den heftigen Kaudruck aushalten kann. Sind die Zahnwände zu dünn, bricht das Gefüge. In solchen Fällen wird auf ein Inlay verzichtet und zu einer Krone geraten: Sie umschließt den Zahnstumpf von allen Seiten und ersetzt die verlorene natürliche Zahnsubstanz.


Inlay ist nicht gleich Inlay

Von einem Inlay spricht man immer dann, wenn die "Füllung" außerhalb des Mundes, im zahntechnischen Labor, angefertigt wird. Davon zu unterscheiden sind Zahnfüllungen, die aus plastischem Material im Mund angefertigt werden und anschließend aushärten. Je nach Größe des Zahnloches und je nachdem, ob außerdem ein Teil des Zahnrandes oder Zahnhalses durch die Karies zerstört und mit einer laborgefertigten Füllung "repariert" wurde, spricht man von einem
- Inlay
- Onlay oder
- Overlay.

Dabei bedeuten:
Inlay:Einlagefüllung, die vergleichbar einer sog. plastischen (im Mund gefertigten) Füllung rundherum von Zahnsubstanz umgeben ist.

Onlay:Mindestens an einer Stelle des Zahnes ragt die Füllung über einen der Zahn-Höckerspitzen hinaus.

Overlay:Sie erstreckt sich deutlich über die Zahnhöcker hinaus. Eine Alternative zu einem Overlay oder Onlay ist die Teilkrone. Diese Versorgungsarten können sich sehr ähnlich sein. Welche Art der Einlagefüllung oder Teilkrone gewählt wird, hängt davon ab, wieviel gesunde Zahnsubstanz noch erhalten ist.


Inlays gibt es aus unterschiedlichen Materialien

Passend zum vorbereiteten Zahnloch wird im Labor eine Füllung gearbeitet: Sie wird gegossen, gefräst oder "gebrannt" - je nach Material. Die heute üblichen Werkstoffe für Inlays ermöglichen eine breite Auswahl - für unterschiedliche Ansprüche in funktionaler, ästhetischer und auch finanzieller Hinsicht. Hier die wichtigsten Inlay-Arten:

Gold-Inlay
Gold, genauer gesagt eine Goldlegierung ist der am häufigsten verwendete Werkstoff für eine Inlay-Versorgung im Seitenzahngebiet ("Backenzähne"). Reines Gold wäre zu weich und ist deshalb ungeeignet. Ein solches Gold-Inlay hat einige Pluspunkte: Gold läßt sich von allen Materialien am besten verarbeiten. Vor allem der wichtige Randschluss, der Übergang von Inlay zum Zahn, kann sehr exakt gearbeitet werden: Je dichter dieser Bereich schließt, um so schwerer können Bakterien eindringen und unter der Füllung wieder für Karies sorgen. Ein dichter Randschluß ist also ein auch medizinisch wichtiges Ergebnis. Ganz allgemein gilt Gold zudem als das vom Körper am besten akzeptierte Material. Und Inlays aus Gold widerstehen bestens dem hohen Kaudruck, der auf den Backenzähnen lastet. Nachvollziehbar also, dass Gold-Inlays eine lange Lebensdauer haben: 10, 15 oder gar mehr Jahre sind keine Seltenheit. An die Haltbarkeit eines Gold-Inlays kommt zur Zeit nur eine Amalgam-Füllung heran - auch sie mit einer vergleichbar hohen Lebensdauer. Für alle Patienten, die eine besonders haltbare und stabile Füllung wünschen, aus persönlichen Gründen aber keine Amalgam-Versorgung möchten, ist deshalb ein Gold-Inlay die beste Alternative. Es kostet zwar deutlich mehr, aber die Investition lohnt sich auf die Jahre gesehen allemal. Natürlich hat, wie alles, auch ein Gold-Inlay einen Nachteil: Es ist nicht zahnfarben. Nicht jeder Patient möchte, dass man seine Fülllungen sieht. Wer Wert auf höchste Ästhetik legt, entscheidet sich deshalb eher für diese Alternative:

Vollkeramik-Inlay
Selbst Zahnärzte haben manchmal Probleme, ein Vollkeramik-Inlay im Zahn zu erkennen, so sehr gleicht es der natürlichen Zahnsubstanz. Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Tönungen auf der Basis von "zahnfarben", dass sogar leicht gelbliches oder leicht gräuliches Weiß genau getroffen werden können! Mit solch hoher Ästhetik ist ein Vollkeramik-Inlay natürlich geradezu prädestiniert für eine Versorgung im sichtbaren Bereich der Zähne!

Aber die Schönheit hat nicht nur ihren Preis, sondern ist auch empfindlich. Inlays aus Keramik sind sehr aufwendig in der Herstellung und entsprechend teuer. Und: Keramik ist ein eher sprödes Material und damit sehr bruchgefährdet.

Auch im Hinblick auf die Haltbarkeit gibt es noch Bedenken: Um zuverlässige Aussagen darüber treffen zu können, wären ausreichende Langzeiterfahrungen notwendig, die noch nicht vorliegen. Vermutlich wird die Haltbarkeit etwas unterhalb der eines Gold-Inlays liegen. Wer die Vorteile einer Stabilität von Gold mit den Vorteilen der Ästhetik von Keramik möchte, kann diese Alternative wählen:

Keramisch verblendetes Inlay
Ähnlich wie bei einer metallkeramisch verblendeten Krone wird in das Gold-Inlay eine Verblendung aus Keramik eingebaut: Sichtbar bleibt immer ein dünner Goldrand um die Keramik-Fläche, ohne den es nicht geht. Die Herstellung ist vergleichbar aufwendig wie bei einem vollkeramischen Inlay - es ist deshalb auch ähnlich kostspielig. Es gibt allerdings auch eine etwas preiswertere zahnfarbene Alternative:

Kunststoff-Inlay


Das Kunststoff-Inlay
© Prof. Dr. Hinz
Hier hat die Zahnmedizin in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Auch Kunststoff-Inlays sind auf den ersten Blick im Mund nicht erkennbar und deutlich haltbarer als früher. Das Problem jeder Kunststoff-Füllung - sei es eine im Zahn selbst härtende Kunststoff-Füllung oder ein im Labor gefertigtes Kunstoff-Inlay - ist aber noch immer die Haltbarkeit. Der zur Zeit zur Verfügung stehende Kunststoff ist noch nicht so kaustabil wie Gold, Amalgam oder Keramik. Trotz der deutlich verbesserten Widerstandsfähigkeit gelten Kunststoff-Inlays nach wie vor im Kaubereich noch nicht in jedem Fall als tauglich. Sie haben ihren Platz vor allem auf Zahnflächen im sichtbaren vorderen Zahnbereich. Bei der Frage "plastische Kunststoff-Füllung" oder "Kunststoff-Inlay" spricht einiges für das Inlay: Es kann im Labor formstabiler gearbeitet werden und ist der im Zahn aushärtenden Kunststoff-Füllung dadurch überlegen.


Die Arbeitsschritte

Wer sich für ein Inlay entscheidet, muss Zeit mitbringen: Mindestens zwei Behandlungstermine sind notwendig:

* 1. Behandlungsschritt

Im ersten Behandlungsschritt nimmt der Zahnarzt einen Abdruck von Ober- und Unterkiefer. Das ist wichtig, damit der Zahntechniker im Labor die neue Füllung genau der Gebisslage anpassen kann. Genau wie beim Original, das nun als Abdruck vorliegt, müssen beim Inlay die Oberfläche des Zahnes, die Grübchen und eventuell auch vorhandene Höcker modelliert werden. Nur so funktioniert das Beißen nachher problemlos, und nur, wenn das Inlay genau zu seinem Gegenüber passt, sind Druckgefühle beim Beißen und Kauen vermeidbar.

Nach dem Abdruck der Kiefer präpariert der Zahnarzt den kariösen Zahn. Das bedeutet: Die Karies (oder eine alte, erneuerungsbedürftige Füllung) wird herausgebohrt. Das entstehende Zahnloch wird so vorbereitet, dass das später eingesetzte Inlay einen guten Halt finden wird. Danach fertigt der Zahnarzt einen Abdruck an, um den genauen Umfang und die genaue Passform des künftigen Inlays bestimmen zu können.

Wenn eine zahnfarbene Füllung eingesetzt werden soll, bestimmt der Zahnarzt anhand einer Farbskala die Farbe der Füllung, so dass sie nachher möglichst mit dem umgebenden natürlichen Zahnweiß übereinstimmt. Abschließend für den 1. Behandlungsschritt wird der Zahn mit einer provisorischen Füllung versorgt: Diese Aufgabe übernimmt entweder ein spezieller Kunststoff oder sogenanntes Zahnzement. Ohne ein Provisorium im "geöffneten" Zahn könnte man nur schwerlich die Zeit bis zum endgültigen Einsetzen des Inlays überstehen: Kaltes und Heißes, ja sogar die Atemluft würde sich als schmerzhafter Stich bemerkbar machen!

* 2. Behandlungsschritt

Es dauert einige Tage, bis der Zahntechniker im Labor das Inlay auf Bruchteile von Millimetern genau angefertigt hat. Nunmehr steht der 2. Termin in der Zahnarztpraxis an. Zuerst wird das Inlay zur Probe eingesetzt. Durch mehrmaliges Zubeißen prüft der Patient, ob das Inlay richtig passt. Sollte es etwas "drücken", schleift der Zahnarzt hauchfein evtl. überstehendes Inlay-Material ab, bis die Füllung "passt". Wenn der Patient beim Zubeißen keine Unterschiede mehr zu früher feststellt, ist es soweit: Die Kavität (das Loch) wird nochmals gereinigt, mit einem Luftstrahl getrocknet, desinfiziert - und schließlich wird das Inlay mit einem dafür passenden Befestiger eingesetzt. Nun muss der Patient mit Hilfe eines Watteröllchens zwei, drei Minuten fest zubeißen. In dieser Zeitspanne härtet der "Klebstoff" aus. Das Inlay sitzt jetzt fest und endgültig an Ort und Stelle.


Die Kosten

Wenn man sich diese Behandlungsschritte und die Arbeit im Labor vor Augen hält, ist verständlich, warum ein Inlay nicht billig sein kann. Für manche Patienten ein Problem: Es ist keine Kassenleistung. Immerhin erhält man seit Ende 1996 einen Zuschuß in Höhe einer vergleichbaren Amalgam-Füllung von seiner Krankenkasse - die davon ausgeht, dass eine Amalgam-Füllung für die Versorgung des kariösen Zahnes ausreichend und wirtschaftlich gewesen wäre. Die Differenz bezahlt der Versicherte selbst. Die Kosten eines Inlays schwanken von Fall zu Fall. Die Größe, das Material, die Lage des zu behandelnden Zahnes sind Faktoren, die sich in den Kosten niederschlagen. Als grobe Richtschnur muss man bei einem Gold-Inlay mit etwa 500 - 700 DM rechnen, bei einem Keramik-Inlay zwischen 800 und 1000 DM, der Preis für ein Kunststoff-Inlay liegt dazwischen.


Die beste Lösung: Gar keine Füllung

Füllungen sind immer Fremdkörper im Mund - auch wenn man sie in der Regel nicht als solche spürt und sich sehr rasch an sie gewöhnt. Wer möglichst wenig Füllungen haben möchte, muss also seine Zähne kariesfrei halten, d.h. sie regelmäßig reinigen. Zähne sind zwar widerstandsfähig, aber säureempfindlich. Säure entsteht, wenn die im Mund vorhandenen speziellen Bakterien z.B. Zucker verdauen. Je mehr Zahnbelag, desto mehr Bakterien und desto größer die Gefahr für Zahnschäden! Wer Zahnbelag regelmäßig und sorgfältig entfernt und sich zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten (und Getränke!) erspart, kann seine Zähne lange gesund erhalten. Sicherheitshalber sollte man in regelmäßigen (individuell verschiedenen) Abständen seine Zähne, Zahnzwischenräume und Zahnfleischränder professionell reinigen lassen - immer mehr Zahnarztpraxen haben sogenannte "professionelle Zahnreinigung" (oft auch "Individualprophylaxe" genannt) im Prophylaxe-Programm. Sie macht sich durch längere Zahngesundheit bezahlt - auch wenn man dafür selbst in die Tasche greifen muss: Die Krankenkassen übernehmen diese Vorsorge-Kosten nicht.

   

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