In den letzten Jahren sind zahlreiche Füllungsmaterialien bzw. Materialtypen auf den
Markt gekommen. Neben Verbesserungen im Bereich der Komposite wurden auch neue
Materialgruppen, wie z.B. Kompomere, Hybridionomere oder hochvisköse Glasionomerzemente
vorgestellt, deren klinische Indikation für okklusionstragende Füllungen im bleibenden
Gebiß allerdings noch nicht überprüft ist. Diese neuen Materialgruppen können deshalb
neben Milchzahnfüllungen, Klasse-III- sowie Zahnhalsrestaurationen derzeit nur zur
Interimsversorgung bei Klasse-I- und Klasse-II-Kavitäten empfohlen werden.
Weitere Entwicklungen im Bereich der Kunststoffmatrix durch schrumpfungsarme bzw.
expandierende Monomere, höhere Vernetzungsgrade sowie ultrafeine Füllkörper lassen
zusätzliche Verbesserungen für die Zukunft erwarten ebenso wie Forschungen im Bereich
der Ormocere (organisch modifizierte Keramiken). Durch neue Präparationstechniken
(minimal-invasive Präparation) stehen zukünftig u.U. auch mehr Materialien zur
Verfügung, die für größere okklusionstragende Kavitäten nicht geeignet wären.
Darüber hinaus wurde aufgrund positiver Erfahrungen die Forschung in den letzten Jahren
bezüglich Fluoridabgabe aus Kompositen verstärkt. Ferner wird vermehrt an weiteren
Wirkstoffzusätzen gegen Plaque und Bakterien bishin zur remineralisationsfördernden
Agentien geforscht.
1 Einleitung
Aufgrund der Indikationseinschränkungen für Amalgam durch das Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie der gestiegenen ästhetischen Ansprüche in
der Bevölkerung werden von den Patienten in der letzten Zeit zunehmend mehr zahnfarbene
Restaurationen gewünscht. Nach Vorgaben des BfArM (früher BGA) soll Amalgam seit 1992
u.a. nicht mehr bei Milchzähnen, im Zahnhalsbereich bzw. als Stumpfaufbau eingesetzt
werden. Bei Klasse-I- und Klasse-II-Füllungen sollen nach Empfehlung des BfArM, wenn
möglich, andere plastische Werkstoffe und Inlays vorgezogen werden. Diese Vorgaben des
Bundesinstitutes stehen allerdings in mehreren Punkten im Widerspruch zu zahlreichen
deutschen und internationalen Fachgesellschaften und sind nicht durch wissenschaftliche
Untersuchungen belegt. Die Kriterien für die Auswahl bzw. die Entscheidung für die
Indikation von Füllungsmaterialien dürfen aber nur auf der Grundlage wissenschaftlicher
Erkenntnisse erfolgen.
1.1 Einteilung der Materialien
Aufgrund von umfangreichen Neuentwicklungen kamen vor allem in den letzten fünf Jahren
verschiedene neue Füllungsmaterialien bzw. Materialtypen auf den Markt, die die Auswahl
geeigneter Füllungsmaterialien erheblich vergrößern. Diese Materialien werden in
direkte und indirekte sowie in zahnfarbene und metallische Füllungsmaterialien eingeteilt
(Tab. 1).
Um die Klassifikation bei zahnfarbenen, direkten Füllungswerkstoffen übersichtlich zu
gestalten, wird vorgeschlagen, die Materialien nach dem Wassergehalt bzw. der möglichen
Säure-Base-Reaktion während des Abbindens einzuteilen. Somit entstehen zwei Hauptgruppen
- Glasionomerzemente und Komposite - mit verschiedenen Unterteilungen. Die plastisch
verarbeitbaren, zahnfarbenen Materialien werden heute in die Gruppen konventionelle und
hochvisköse Glasionomerzemente (GIZ), kunststoffmodifizierte bzw. Hybrid-GIZ,
polyacrylsäuremodifizierte Kunststoffe und Kompomere sowie Komposite (Hybrid- und
Mikrofiller-Komposite) einschließlich Dentinadhäsiven unterteilt (Tab. 2). Dazu sind
mittlerweile zahlreiche Produkte auf dem Markt verfügbar (Tab. 3).
Daneben gibt es noch Weiterentwicklungen im Bereich der quecksilberfreien, metallischen
Füllungsmaterialien, die hier nur kurz erwähnt werden sollen. Dazu zählen die sog.
Galliumalloys und Silberzinnlegierungen, die mit Fluoroborsäure (HBF4)
aktiviert und anschließend ähnlich wie Stopfgold kondensiert werden. Zu Galliumalloys
liegen bislang wenig klinische Erfahrungen vor. In vitro wurde jedoch eine relativ
hohe Korrosionsneigung festgestellt. Weitere Silber-Zinn-haltige, kaltverschweißende
Legierungen, die vom NIST (USA) vorgestellt wurden, sind bislang klinisch noch nicht
erprobt worden; die Problematik der starken Säure (HBF4) in der klinischen
Anwendung muß kritisch diskutiert werden. [28]
Ormocere (Akronym für organisch modizifierte Keramik) besitzen wie herkömmliche
Komposite eine Matrix und anorganische Füllkörper. Jedoch unterscheidet sich die Matrix
erheblich von den Kompositen. An die Kunststoffketten der Matrix wird über ein kurzes
Verbindungssegment bestehend aus Schwefel oder Stickstoff ein anorganischer,
polykondensierter Anteil gebunden (Abb. 1) [78]. Dadurch entstehen größere Moleküle,
die möglicherweise weniger Nebenwirkungen aufweisen. Die Freisetzung von Monomeren aus
der Füllung liegt nach ersten Ergebnissen wesentlich niedriger als bei Kompositen oder
sogar unter der Nachweisgrenze. Jedoch fehlt auch hier bis heute jegliche klinische
Erfahrung. In In-vitro-Untersuchungen konnte jedoch mit den vorhandenen Prototypen eine
gute Abrasionsfestigkeit bei gleichzeitig geringerer Polymerisationsschrumpfung im
Vergleich zu Kompositen festgestellt werden [5]. Über Haftung zur Zahnhartsubstanz liegen
bislang nur wenige Daten vor [45].
Darüber hinaus gibt es weitere Entwicklungen auf dem Bereich der Komposit-Kunststoffe,
z.B. faserverstärkte Komposite (FRC= fiber reinforced composites), Ceromere und Polyglas,
die noch weiter klinisch untersucht werden müssen (Tab. 4). Da diese Materialien primär
für indirekte Restaurationen auf den Markt gebracht wurden, wird wie zu allen
Inlaywerkstoffen sowie metallischen Materialien in diesem Beitrag nicht näher darauf
eingegangen.
2 Materialien auf Glasionomer- und Kompositbasis
2.1 Konventionelle und hochvisköse Glasionomerzemente
Konventionelle Glasionomerzemente wurden Ende der 60iger Jahre entwickelt und werden
seit mehr als zwei Jahrzehnten klinischen angewendet. Zunächst wurden sie zum Zementieren
von Inlays und Kronen benutzt (Typ I). Wegen der typischen Säure-Base-Reaktion wurden
diese Produkte als Glasionomer-Zemente bezeichnet. Wenige Jahre später wurden auch
Produkte für Füllungen (Typ II) sowie Unterfüllungen und Fissurenversiegelung (Typ III)
angeboten.
Die Füllungsglasionomerzemente (GIZ) wiesen jedoch eine im Vergleich zu Kompositen
wesentlich schlechtere Biegefestigkeit auf, so daß sie primär für Zahnhalsfüllungen
empfohlen wurden. Auch die metallverstärkten GIZ bzw. Cermetzemente konnten die von McLean
postulierten hohen Erwartungen als Amalgamalternative nicht erfüllen [48, 49].
Aufgrund der geringen Sekundärkariesrate durch Fluoridabgabe und der vergleichsweise
einfachen Verarbeitung der GIZ wurden Weiterentwicklungen für Seitenzahnversorgungen der
ersten und zweiten Dentition vorgenommen. Diese hochviskösen GIZ werden derzeit
insbesondere im Rahmen der von der WHO geförderten A.R.T.-Versorgungen (Atraumatic
Restorative Treatment mit Fuji IX) in Entwicklungsländern verwendet. Ziel war ein
Füllungsmaterial, das ohne moderne technische Hilfsmittel (wie z.B. Polymerisationslampe,
Mischgerät etc., die Strom benötigen) eingesetzt werden kann. Darüber hinaus wurde ein
Material mit hoher Fluoridabgabe gefordert, da die Kariesentfernung mit Handexkavatoren
(Mikromotoren sind aufgrund häufig fehlender Stromversorgung nicht einsetzbar) oft nicht
vollständig war und durch Fluoridabgabe die Gefahr von Kariesrezidiven bzw. eine
Sekundärkaries bei nicht perfekten Kavitätenrändern reduziert werden sollte.
Nach ersten positiven Erfahrungen werden diese hochviskösen GIZ mittlerweile auch in
Industrieländern teils in verbesserter Kapselversion angeboten (z.B. Fuji IX GP,
Ketac-Molar). Indikation sind neben Zahnhalsfüllungen und Klasse-III-Defekten auch
Seitenzahnversorgungen im Milchgebiß und Interimsversorgungen an permanenten Zähnen.
Konventionelle Glasionomerzemente ohne Kunststoffzusätze sind von Vorteil bei
Patienten mit Allergien gegen Kunststoffbestandteile. Aufgrund der aus Skandinavien
berichteten zunehmenden Allergisierungsquoten gegen HEMA könnte dies in Zukunft
möglicherweise eine größere Rolle spielen [33]. Weiterhin ist die positive Wirkung der
Fluoridabgabe dieser Materialgruppe seit Jahren belegt, unter anderem auch bei
Fissurenversiegelungen. Von wenigen Pilotstudien abgesehen, gibt es bislang zu
hochviskösen Glasionomerzementen keine klinischen Resultate [27, 28]. Erste Auswertungen
einer Studie bei Klasse-I- und Klasse-II-Kavitäten zeigen nach sechs Monaten akzeptable
Ergebnisse, so daß diese Materialien als Interimsversorgung eingesetzt werden können
[27] (Tab. 5). Solange jedoch keine Langzeitdaten vorliegen, kann der Einsatz als
definitives Füllungsmaterial im okklusionstragenden Seitenzahnbereich nicht empfohlen
werden. Für Milchzähne hingegen liegen bereits sehr gute Ergebnisse (bis zu drei Jahren)
vor [27, 35].
2.2 Kunststoffmodifizierte Glasionomerzemente (Hybridionomere)
Nachdem aufgrund photopolymerisierbarer Komposite Ende der 70er bzw. Anfang der 80er
Jahre die weite Verbreitung von Polymerisationsgeräten begann und sich diese Komposite
nach wenigen Jahren durchsetzten, wurden einige Jahre später lichthärtende"
Glasionomerzemente entwickelt. Der Begriff lichthärtend" ist eigentlich nicht
korrekt, da der Glasionomerzement selbst nicht mit Licht aushärtet, die Lichthärtung nur
durch Polymerisation der zugefügten Kunststoffanteile erfolgt. Deshalb wird diese
Materialgruppe meist als Hybridionomere oder kunststoffmodifizierte Glasionomerzemente
(resin modified glass ionomers) bezeichnet. Weitere Bezeichnungen wie
Hybridglasionomerzement oder Hybridionomerzement werden nur selten verwendet.
Hybridionomere sollten neben der Lichthärtung auch eine Säure-Base-Reaktion des
Glasionomerzementes (sog. Dunkelreaktion) aufweisen. Allerdings gibt es auch Materialien
mit radikalischer Autopolymerisation, die im Dunklen aushärten. Der Begriff
"Dunkelreaktion" ist deshalb für eine eindeutige Definition der Materialgruppe
ohne weitere Erläuterung nur unzureichend und mißverständlich. Aufgrund der fehlenden
eindeutigen Definition wurden in diese Gruppe oft sehr unterschiedliche Materialien
eingereiht, die entweder noch nahe den konventionellen Glasionomerzementen kamen oder
aufgrund hoher Kunststoffanteile und fehlender bzw. nicht nachvollziehbarer Dunkelreaktion
sehr nahe den Kompositen stehen und der Gruppe der polyacrylsäuremodifizierten
Kunststoffe bzw. Kompomere zuzuordnen sind.
Die meisten mechanischen Eigenschaften der Hybridionomere, wie z.B. Biegefestigkeit,
sind durch den Kunststoffzusatz verbessert worden. Die Fluoridabgabe liegt bei vielen
Präparaten in der gleichen Größenordnung wie die von konventionellen GIZ (Tabelle 6).
Bei Patienten mit hoher Kariesaktivität dürfte daher diese Materialgruppe entsprechende
Vorteile wie konventionelle GIZ haben. Allerdings ist die Abrasionsfestigkeit gering (s.
3.2).
Der Indikationsbereich der kunststoffmodifizierten GIZ entspricht weitgehend dem der
konventionellen GIZ, d.h., die primäre Indikation ist die Versorgung von
Zahnhalsdefekten. Weiterhin werden sie für Klasse-III-Kavitäten sowie für
Milchzahnfüllungen empfohlen. Im Bereich von Klasse-I- und Klasse-II-Kavitäten im
bleibenden Gebiß sind sie wie die GIZ ebenfalls nur als Interimsversorgung einzustufen.
Aufgrund der für Zahnärzte praktischeren Lichthärtung haben zahlreiche Behandler von
konventionellen zu kunststoffmodifizierten Glasionomerzementen gewechselt. Ein Vorteil
neben der Handhabung ist u.a. die geringere Neigung zur Craquelierung im Vergleich zu
konventionellen GIZ. In tiefen Kavitäten muß jedoch berücksichtigt werden, daß bei
rein lichthärtenden Produkten nur dünne Schichten vollständig durchgehärtet werden
können und auch in schwer zugängigen Bereichen die Polymerisationslampe möglichst nahe
an das Füllungsmaterial gebracht wird.
2.3 Polyacrylsäuremodifizierte Kunststoffe (PAMR)
Der Begriff "polyacid modified resins" (PAMR) wurde von McLean et al.
[50] vorgeschlagen. Polyacrylsäure- bzw. polycarbonsäure-modifizierte Kunststoffe und
Kompomere weisen im Gegensatz zu GIZ und Hybridionomeren während der Aushärtung der
Füllung keine bzw. nur eine unbedeutende Säure-Basen-Reaktion auf (s. Tab. 2). Durch
Wasseraufnahme der Füllung im Laufe der Liegedauer kann es später aber zu einer
geringgradigen Säure-Basen-Reaktion kommen. PAMR stehen chemisch den Kompomeren sehr
nahe. Während Kompomere Einkomponenten-Füllungsmaterialien sind, müssen PAMR angemischt
werden (z.B. Variglass, Geristore). Mit Einführung der Kompomere ist die Bedeutung von
PAMR deutlich geschwunden.
2.4 Kompomere
Der Begriff Kompomer, anfangs teilweise auch Kompoionomer genannt, setzt sich aus Komposit
und Glasionomer zusammen. Die Kompomere wurden 1993/94 in Europa auf dem Markt
eingeführt. Das erste Produkt war Dyract gefolgt von Compoglass 1995. Kompomere sind
chemisch den Kompositen sehr ähnlich, besitzen aber reaktive, ionenfreisetzende
Glaspartikel und saure, polymerisierbare Monomere. Sie enthalten im Gegensatz zu GIZ kein
Wasser und werden nicht angemischt (Ein-Komponenten-Systeme, ausgenommen
dualpolymerisierende Befestigungskompomere). Eine geringe Säure-Base-Reaktion erfolgt
erst dann, wenn über Speichel Wasser in die Füllung aufgenommen wird, d.h. nicht
während der Abbindereaktion wie bei GIZ und Hybridionomeren üblich.
Kompomere müssen im Gegensatz zu GIZ mit einem Primer verwendet werden, um eine
ausreichende Haftung an der Zahnhartsubstanz zu erzielen [12]. Die Kompomere sind in ihren
chemischen Eigenschaften den Kompositen sehr ähnlich. Sie weisen jedoch eine etwas
niedrigere Biegefestigkeit und vor allem geringere Abrasionsfestigkeit bei Füllungen im
Okklusionsbereich auf (Tab. 6).
Hauptvorteil ist die einfache Verarbeitung, dadurch haben die Kompomere schnell einen
großen Marktanteil erreicht. Bezüglich der Ästhetik und der Polierbarkeit sind
Kompomere den konventionellen, aber auch den kunststoffmodifizierten GIZ überlegen. Die
Hauptindikation liegt ebenso wie bei den konventionellen und Hybridionomeren im zervikalen
Bereich sowie bei Klasse-III- und Milchzahnfüllungen. Derzeit erfolgen
Weiterentwicklungen bei mehreren Herstellern, um die Indikation für Kompomere als
definitive Klasse-I- und Klasse-II-Füllungen im bleibenden Gebiß zu erweitern (z.B.
Dyract AP). Klinische Ergebnisse aber stehen noch aus.
Die Fluoridabgabe aus Kompomeren war anfänglich geringer als bei Glasionomerzementen
(Tab. 6), jedoch wurden Verbesserungen diesbezüglich vorgenommen und z.B. Aminfluorid zum
neuen Primer hinzugefügt und der Anteil der fluoridhaltigen Füllkörper erhöht (z.B.
Dyract, Compoglass F). Entscheidend für die Reduzierung von Sekundärkaries ist nicht die
Abgabe von Fluorid in den Speichel, sondern die Aufnahme von Fluorid in die benachbarte
Zahnhartsubstanz. Diese ist auch bei Materialien mit geringerer Fluoridabgabe noch
nachweisbar, da Fluorid in der Zahnhartsubstanz abgefangen wird und das Gleichgewicht
normalerweise hin zur Aufnahme in die Zahnhartsubstanz verschoben ist. Je höher der
Fluoridgehalt ist, um so günstiger ist auch die kariesprotektive Wirkung. Das Ausmaß der
Kariesreduktion hängt klinisch von zahlreichen weiteren allgemeinen und lokalen Faktoren
(Mundhygiene, Ernährung etc.) ab [17].
2.5 Komposite und Dentinadhäsive
Komposite werden seit etwa zwei Jahrzehnten als Amalgamalternative auch im
okklusionstragenden Seitenzahnbereich eingesetzt. Die Ergebnisse in den ersten Jahren
waren enttäuschend, da vor allem aufgrund fehlender Adhäsivtechnik und mangelnder
Abrasionsbeständigkeit (Komposite mit großen Makrofillern, fehlende bzw. mangelhafte
Silanisierung etc.) häufig und frühzeitig Mißerfolge und Sekundärkaries auftraten.
Durch Weiterentwicklung in der Füllkörpertechnologie (verbesserte Silanisierung der
Füllkörper, feinere Mahlverfahren bzw. besseres Aussieben großer Partikel etc.) bis hin
zum jetzigen Feinpartikelhybridkomposit sowie die konsequente Anwendung der
Adhäsivtechnik ist es heute möglich, klinisch akzeptable Füllungen in bestimmten
Klasse-I- und Klasse-II-Kavitäten zu legen. Derzeit liegen mehr als 100 klinische Studien
zu Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich vor, jedoch sind praktisch alle Studien an
kleineren bis mittelgroßen Kavitäten mit zirkulärer Schmelzbegrenzung durchgeführt
worden. Diese Ergebnisse können nicht ohne weiteres auf große, dentinbegrenzte
Klasse-II-Kavitäten übertragen werden bzw. auf Füllungen, bei denen die okklusale
Abstützung ausschließlich auf der Restauration liegt.
In den letzten fünf Jahren wurden zahlreiche neue Dentinadhäsive auf den Markt
gebracht, die im Gegensatz zu früheren Generationen erstmals akzeptable Resultate auch
nach Belastung zeigen. Aber selbst bei ausgezeichneten Dentinadhäsiven muß bedacht
werden, daß große, tiefe Approximalkavitäten schwierig zu füllen sind und die
Trockenhaltung und Überschußentfernung zunehmend Probleme bereitet. Darüber hinaus ist
nach derzeitigem Kenntnisstand trotz moderner Dentinadhäsive der Randschluß im Dentin
noch immer schlechter als bei Schmelzbegrenzung.
Zervikal waren bis vor wenigen Jahren die GIZ den Dentinadhäsiven (dentin bonding
agent, DBA) in klinischen Studien meist überlegen [62], jedoch zeigt die neueste
Generation der DBA bessere Haftwerte [14, 41, 42, 69]. Allerdings müssen neuere
Vergleichstudien abgewartet werden. In sklerotischem Dentin sind die Haftwerte der DBA
generell schlechter, während GIZ aufgrund des vermehrten Kalziumangebotes hier eher
Vorteile zeigen. Die Haftwerte der DBA liegen aber im allgemeinen wesentlich höher als
die der GIZ (Tab. 6).
Der derzeitige Trend zu One-bottle-Adhäsiven" muß noch mit gewisser
Zurückhaltung gesehen werden, da die Einfläschchen-Präparate in der Regel geringere
Haftwerte als Mehrkomponenten-Adhäsive aufweisen. Inwieweit die Unterschiede klinisch von
Bedeutung sind, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Darüberhinaus bieten die
Single-bottle-Adhäsive meist keine Zeitersparnis dar, wie jedoch fälschlicherweise nicht
selten suggeriert wird.
Durch gesteuerte Lichtpolymerisation können heute weiterhin die Spannungsverhältnisse
in der Füllung und an der Grenzfläche reduziert werden und so der Randschluß u.a.
längerfristig verbessert werden [54] (s. 3.3).
Fließfähigere Komposite (flowable Composites, z.B. Tetric flow) finden seit ca. zwei
Jahren immer mehr Anwendung. Sie können durch einfachere Adaptation und besseres
Anfließen sowohl Randschlußprobleme in gingivanahen Bereichen verbessern helfen (z.B.
erste dünne Schicht zervikal in Klasse-II-Kavitäten), als auch in Kleinstkavitäten die
Applikation erleichtern (z.B. minimal-invasive Präparation, Sonoabrasion etc.). Inwieweit
höhere Polymerisationsschrumpfung oder Abrasion mit entsprechenden klinischen Nachteilen
auftreten, bleibt noch abzuklären.
3 Materialeigenschaften im Vergleich
Die Materialgruppen Komposit, Kompomer und PAMR, Hybridionomer, hochvisköse GIZ und
konventionelle GIZ unterscheiden sich in ihren physikalischen Eigenschaften in dieser
Reihenfolge zunehmend von Amalgam (Tab. 6). Wichtige Probleme bei Füllungsmaterialien
sind neben der Biokompatibilität die Randdichte, die Verschleißfestigkeit sowie
ausreichende Frakturresistenz. Besondere Bedeutung kommt weiterhin der Verarbeitbarkeit
sowie bei Klasse-II-Kavitäten der Gestaltung eines korrekten Approximalkontaktes zu.
3.1 Biokompatibilität
Nachdem Amalgam aufgrund seines Quecksilbergehaltes und der kontroversen Diskussion
zunehmend von Patienten abgelehnt wurde, sind in den letzten Jahren auch alle anderen
Füllungsmaterialien, insbesondere aber Füllungskunststoffe, in die Kritik geraten.
Allgemein darf festgehalten werden, daß zahlreiche Behauptungen über Nebenwirkungen ohne
wissenschaftlich fundierte Untersuchungen abgegeben wurden. Wie bei allen Arzneimitteln
kann ein gewisses Risiko von Nebenwirkungen ("Restrisiko") nie ganz
ausgeschlossen werden. Sicher ist jedoch, daß heute zu Amalgam mehr Untersuchungen über
eventuelle Nebenwirkungen vorliegen als für alle anderen Materialien. Der Wissensstand zu
Amalgam und Quecksilber ist größer als z.B. zu möglichen Nebenwirkungen von Komposit.
Insbesondere lassen sich Schwermetalle im Gegensatz zu Monomeren und kurzkettigen
Molekülen wie Initiatoren etc. im menschlichen Organismus leichter und in geringerer
Konzentration nachweisen. Dadurch ist über Resorption, Verstoffwechslung und
Ausscheidungsvorgänge von Amalgam mehr bekannt als bei Kunststoffen.
Nach heutigem Kenntnisstand muß aber betont werden, daß bei keinem der empfohlenen
Füllungsmaterialien einschließlich Komposite, Kompomere und Glasionomerzemente ein
unvertretbares Risiko besteht [9, 55]. Von allergischen und lichenoiden Reaktionen
abgesehen, wurden bislang auch keine der diskutierten Nebenwirkungen klinisch festgestellt
(Tab. 7).
3.2 Füllungsfrakturen und Verschleiß
Für Klasse-III- und Klasse-V-Kavitäten sind alle genannten Materialgruppen von
Komposit bis zu konventionellem Glasionomer als ausreichend fraktur- und verschleißfest
einzustufen. Bei Klasse-IV-Füllungen werden allerdings Hybrid-Komposite mit
Adhäsivtechnik empfohlen, da sie von den zahnfarbenen Füllungsmaterialien die besten
Biegefestigkeits- und sehr gute Haftwerte aufweisen. Bei okklusionstragenden Füllungen
aus konventionellen und metallverstärkten Glasionomerzementen wurden häufiger Frakturen
beobachtet als bei Amalgam, so daß sie insbesondere bei Klasse-II-Kavitäten nicht als
definitives Füllungsmaterial an bleibenden Zähnen geeignet sind (Tab. 5). Inwieweit
hochvisköse GIZ bzw. Kompomere hier indiziert sind, muß noch abgeklärt werden. Eine
allgemeine Empfehlung dieser Materialien für größere, okklusionstragende definitive
Seitenzahnfüllungen wäre aufgrund fehlender klinischer Resultate derzeit noch verfrüht
(Tab. 8).
Bezüglich des Verschleißes von Seitenzahnfüllungen muß Amalgam ebenfalls als
Vergleichsstandard herangezogen werden. Von den zahnfarbenen, direkten
Füllungsmaterialien kommen die Hybridkomposite den Verschleißwerten von Amalgam noch am
nächsten. Allerdings war die Beurteilung des Verschleißes in den letzten Jahren bei
klinischen Studien aufgrund weitgehend fehlender technischer Möglichkeiten stark
eingeschränkt. So wurden entweder nur USPHS-Kriterien oder Abrasionsskalen (M-L-Skala, Leinfelder-Skala,
Vivadent-Skala) verwendet, die Verschleiß nur am Füllungsrand erfassen. Mit diesen
Methoden kann allerdings keine Präzision auf 1 oder 0,1 µm erzielt werden, wie sie als
Mittelwert bei klinischen Studien häufig angegeben ist. Die Genauigkeit manuell
ermittelten Verschleißes liegt in der Regel um den Faktor 10² höher. Damit können aber
Abrasionen erst in einem späten Stadium erfaßt werden.
Seit geraumer Zeit ist es nun möglich, auch In-vivo-Verschleiß dreidimensional
schnell und genau zu erfassen [51, 52, 53]. Diese hochpräzisen Daten dürfen aber nicht
mit den mit bisherigen Methoden gewonnenen Werten gleichgestellt werden. Die Resultate
zeigen aufgrund der exakten Erfassung in der Regel mehr Verschleiß an [15, 36, 60]. Die
Frage der ausreichenden, klinischen Verschleißfestigkeit wird deshalb in den nächsten
Jahren erneut intensiv zu überprüfen sein. Erste Hinweise von teilweise älteren
Hybridkompositen deuten darauf hin, daß bei ausgedehnten Seitenzahnrestaurationen
wesentlich höhere Verschleißwerte auftreten (durchschnittliche Maximalwerte von über
400 µm nach 4 Jahren), als bisher aufgrund von klinischen Untersuchungen sowie auf Basis
von In-vitro-Simulationen angenommen wurde (Abb. 2) [15]. Entgegen den
In-vitro-Simulationen scheinen die Abrasionswerte bei hoher Okklusalbelastung in den
ersten beiden Jahren niedriger als in den nachfolgenden Jahren zu sein.
In-vitro-Untersuchungen ergaben bei Kompomeren wesentlich höhere Abrasionswerte als
bei Kompositen [5, 6, 37]. In direkten Vergleichen lagen die hochviskösen GIZ meist in
der gleichen Größenordnung wie Kompomere und besser als Hybrid-GIZ (Tab. 9 a,b).
3.3 Randschluß und Sekundärkaries
In zahlreichen In-vitro-Studien wurde mittels Bestimmung der Haftwerte (z.B. Zug- bzw.
Scherfestigkeit etc.) sowie Randspaltanalysen (Farbpenetration, REM-Beurteilung) versucht,
Randschlußverhalten und klinische Eignung vorherzusagen. Für direkte Materialvergleiche
sowie bei der Entwicklung neuer Produkte sind diese Versuche sicherlich sinnvoll. Jedoch
darf deren Aussagekraft vor allem bei nur geringen Unterschieden nicht überbewertet
werden. Die Variabilität im biologischen Material (z.B. Sklerosierung des Dentins etc.)
kann zu großen Abweichungen bei Haftung und Randschluß führen. Dies trifft für
In-vitro-Studien und insbesondere klinische Untersuchungen zu, wobei diese Streuung durch
höhere Fallzahlen teilweise kompensiert werden kann. Auch die Art der Kavitätenform,
Dentinkonditionierung, Dentintrocknung (Restfeuchtigkeit), der Wartezeiten nach
Primerapplikation, der Applikation von Komposit (Schichtstärken etc.) und der
Polymerisation kann den Randschluß beeinflußen (Tab. 10). [22, 23, 26]
Für dentinbegrenzte Klasse-II- und KIasse-V-Kavitäten wurden allgemein mit neueren
Dentinadhäsiv-Komposit-Systemen bessere Verbundwerte auch nach thermisch-mechanischer
Belastung erzielt, die allerdings immer noch ungünstiger als bei schmelzbegrenzten
Kavitätenrändern sind. Wie lange dieser Verbund zum Dentin unter klinischer Belastung
stabil ist, kann heute ebenfalls noch nicht vorhergesagt werden. Weiterhin wurden bei
klinischen Studien in der Regel kleinere Kavitäten gewählt, sowie ein hoher Aufwand
betrieben und erfahrene Behandler eingesetzt, so daß diese guten Resultate nicht ohne
weiteres auf die tägliche Praxis übertragen werden können.
Da in Klasse-V-Kavitäten meist zahnfarbene Restaurationen erforderlich sind und die
Kavitätenränder der Inspektion und der täglichen Mundhygiene gut zugänglich sind,
können GIZ, Hybridionomere, Kompomere und Komposite mit DBA dort gut eingesetzt werden
(Tab. 11). Bei Approximaldefekten bzw. -füllungen ist aber die Kontrolle und Mundhygiene
schwieriger als an Glattflächen bzw. Klasse-V-Defekten. Wenn bei dentinbegrenzten
Klasse-II-Kavitäten der aufgeklärte Patient eine Kompositfüllung wünscht, kann diese
gelegt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen wie gute Approximalraumhygiene, gute
Überschußkontrolle und Ausarbeitung (hoher Aufwand) sowie regelmäßiges Recall gegeben
sind.
Von GIZ ist aus zahlreichen Untersuchungen bekannt, daß durch Fluoridabgabe
Sekundärkaries reduziert wird und im Vergleich zu Kompositfüllungen weniger Randkaries
auftrat. Lediglich Mjör [57] hat in einem vorläufigem Bericht gegenteilige
Beobachtungen beschrieben. In den letzten Jahren wurde deshalb verstärkt daran
gearbeitet, auch bei DBA und Kompositen durch Zusätze eine Fluoridfreisetzung zu
erreichen. Bei mehreren Hybridkompositen ist diese bereits vorhanden (z.B. Tetric und
Tetric Ceram, Pertac und Pertac II, Charisma F), wenn auch quantitativ noch weit weniger
als bei GIZ. Bei kariesaktiven Patienten ist deshalb bei zervikalen Füllungen GIZ
aufgrund der hohen Fluoridfreisetzung nach wie vor sehr gut geeignet. Weitere
antibakterielle (z.B. Chlorhexidindiglukonat) oder remineralisierende Zusätze zu
Füllungsmaterialien wurden entwickelt (z.B. Degufil mineral) bzw. sind u.U. in Kürze
verfügbar.
Für die Aushärtung von Komposit wurde eine möglichst hohe Lichtleistung der
Polymerisationslampe gefordert, um eine gute Aushärtung zu erzielen. Sehr hohe
Lichtintensität der Polymerisationslampe führt zwar zu guter Durchhärtung, jedoch
gleichzeitig zu mehr Randspalten [39, 65]. Mittels der sog. Softstartpolymerisation
können Randspalten reduziert werden, bei gleichzeitig teilweise sogar verbesserten
mechanischen Eigenschaften der Füllung, ohne daß die Belichtungszeit verlängert wird
[54]. Bei diesem Vorgehen wird initial die Intensität des Lichtes für 10 s um etwa 50 %
reduziert und anschließend mit hoher Lichtintensität (100 %) für 30 s polymerisiert.
Durch geringe Lichtintensität in den ersten 10 s werden weniger Spitzenspannungen im
Komposit aufgebaut und der Verbund zur Zahnhartsubstanz deshalb nicht so hoch belastet.
Die ersten Geräte mit entsprechender Elektronik sind mittlerweile verfügbar (Elipar
Highlight, Fa. Espe; Degulux Softstart, Fa. Degussa).
3.4 Approximalkontakte und Inserts
Im Vergleich zu Amalgam läßt sich mit Kompositen ein entsprechender Approximalkontakt
wesentlich schwieriger herstellen. Durch frühzeitiges Vorverkeilen (bereits vor der
Präparation) kann zwar der Zahn im Rahmen der physiologischen Dehnbarkeit von Fasern und
Alveolarknochen geringfügig ausgelenkt werden, jedoch gestaltet sich dies im parodontal
gesunden Gebiß dennoch schwierig. Da Kunststoffmatrizen ("Lichtmatrizen")
dicker als Metallmatrizen sind, muß eine größere Schichtstärke kompensiert werden.
Bei Amalgam ist durch entsprechende Kondensation, fehlende Schrumpfung und Flow/Creep
in der Regel ein stärkerer Approximalkontakt als bei Komposit vorhanden. Mit Inserts kann
im Vergleich zur Mehrschichtechnik der Kontakt besser hergestellt werden [10, 11]. Weitere
Hilfsmittel zur besseren Gestaltung sind z.B. Focu-tip etc. [24, 25]. Weiterhin konnte
gezeigt werden, daß mit Inserts auf Lichtkeilen verzichtet werden kann und gleichzeitig
die Abrasion approximal geringer ist. Auch Loesche [40] und Bott und Hannig
[8] etc. haben bewiesen, daß via Inserts Licht bis in die Tiefe gebracht und bei der
Anwendung von Inserts sogar wieder auf Metallmatrizen zurückgegriffen werden kann.
Mittlerweile sind neben den früheren konfektionierten Megafillern (ß-Quarz, PDS) auch
paßgenaue Inserts (Cerafil, Sonoinsert) verfügbar (Tab. 12). Besonders das System
Sonicsys approx" ist hervorzuheben, mit dem Approximalkavitäten ohne die sonst
häufige Verletzung des Nachbarzahnes präpariert werden können [30, 31].
Klinische Erfahrungen mit Kompositfüllungen in Kombination mit Inserts liegen bislang
nur begrenzt vor. Eigene vorläufige Ergebnisse an ca. 500, von Studenten gelegten
Restaurationen zeigen nach 1-2 Jahren gute Ergebnisse, jedoch wurden auch über 20
Verluste von Inserts beobachtet. Diese Verluste traten alle sehr frühzeitig auf und
konnten in einigen Fällen auf Behandlungsfehler (Kontamination der silanisierten
Insertseite) zurückgeführt werden. In einer klinischen Untersuchung trat bei 32 vom
Autor gelegten und nachuntersuchten Insertfüllungen nach 5 Jahren noch kein Verlust auf
und alle Füllungen waren klinisch als sehr gut einzustufen (Publikation in Vorbereitung).
3.5 Ästhetik
Bezüglich Ästhetik sind die Komposite unter den direkten Füllungsmaterialien als am
besten einzustufen, gefolgt von Kompomeren und Hybridionomeren. Die GIZ sind wegen ihrer
Opazität zwar klinisch akzeptabel, aber schlechter als kunststoffhaltige Produkte. Auch
die Polierbarkeit ist bei konventionellen GIZ am schlechtesten (Tab. 13). Die
Überschußentfernung ist jedoch bei farblich ideal angepaßten Materialien am
schwierigsten. Deshalb sollte bei Füllungen mit Komposit im Molarenbereich überlegt
werden, ob nicht bewußt auf eine optimale Farbanpassung verzichtet werden sollte, da dann
die Überschußentfernung einfacher ist. Im Molarenbereich ist im Gegensatz zum Frontzahn-
und Prämolarenbereich bestmögliche Ästhetik in der Regel nicht gefordert. Die
Überschußentfernung ist an Frontzähnen und Prämolaren andererseits einfacher als im
weniger gut zugänglichen Molarenbereich.
Die Entfernung von zahnfarbenen, adhäsiven Füllungen (z.B. nach Frakturen etc.)
gestaltet sich ebenfalls schwieriger als bei Amalgam. Vorteilhaft sind in diesem Falle
opake Unterfüllungen bzw. nicht optimal passende Farben, die die Abgrenzung zur
Zahnhartsubstanz erleichtern. Diese Probleme werden aber erst in Zukunft verstärkt auf
die Behandler zukommen.
4 Ausblick
Die Entwicklung von Kompositen hatte sich in den letzten zwei Jahrzehnten überwiegend
auf die Verbesserung der Füllkörper konzentriert. Mit Nanofüllkörpern bzw. dem
Sol-Gel-Verfahren könnte voraussichtlich ein weiterer Fortschritt in den nächsten Jahren
erzielt werden. Zukünftig werden aber insbesondere durch Veränderungen im Bereich der
Matrix wesentliche Verbesserungen möglich und nötig sein. Schrumpfungsarme bzw. -freie
Monomere könnten ein Hauptproblem, nämlich die Randspaltbildung, erheblich reduzieren
oder lösen. Die Reduktion der Polymerisationsschrumpfung könnte durch geänderte
Vernetzung der Ketten bzw. durch neue Monomere (z.B. Orthospirocarbonate) erzielt werden.
Neue Ansätze wie Ormocere (organisch modifizierte Keramiken) können ebenfalls weniger
Schrumpfung aufweisen. Bei reduzierter Schrumpfung sind auch geringere Adhäsionskräfte
der Adhäsive nötig und klinisch vor allem langfristig auch weniger Randspalten zu
erwarten.
Bezüglich Verschleiß werden die Kompomere den Kompositen näher kommen. Andererseits
wird die Verarbeitung von Komposit wie bei den Kompomeren vereinfacht und auch hier neue
Monomerbestandteile integriert werden. Bei Dentinadhäsiven wird die Total-etch-Technik
und das Wet-bonding-Prinzip vor allem in weniger tiefen Defekten in Zukunft sehr weit
verbreitet sein. Der Trend wird über das Single-bottle-Adhäsiv zum selbstadhäsiven
Komposit gehen, bei dem auf Dentinadhäsive u. U. ganz verzichtet werden kann.
Vom Prinzip und im Detail unterscheiden sich heute viele Dentinadhäsive nicht mehr von
Primern der Kompomere. Möglicher Verzicht auf Kofferdam war ein wichtiges Argument für
viele Praktiker für die Bevorzugung von Kompomer. Es muß aber hinterfragt werden, warum
in den Beipackzetteln bei Komposit stets Kofferdamapplikation gefordert wird, bei Kompomer
hingegen nicht. Spuren von Feuchtigkeit, z.B. aus der Atemluft, wie vor 20 Jahren
publiziert, spielen aber heute in der Adhäsivtechnik bei Komposit sicherlich keine
negative Rolle mehr, sondern sind bei hydrophilen Primern und der Wet-bonding-Technik
erwünscht. Mehrere Primer enthalten sogar bis zu 50% Wasser.
Diese Aussage darf aber nicht mißverstanden werden. Speichel oder Sulcusfluid bzw.
Blut in der Kavität sind auf keinen Fall erwünscht bzw. zulässig. Die Trockenlegung in
tieferen Kavitätenrandbereichen ist mit Kofferdam in der Regel einfacher und sicherer.
Darüber hinaus gibt es aber weitere Gründe für Kofferdamapplikation (z.B. Schutz vor
Aspiration, Reduktion des Schleimhautkontaktes von allergisierenden Primern etc. oder
besserer Schutz vor Infektion).
In den letzten fünf Jahren sind im Bereich der Füllungsmaterialien mehr Produkte als
in mehreren Jahrzehnten zuvor entwickelt worden. Es stehen zahlreiche weitere Neuerungen
an. Andererseits muß auch gefragt werden, ob soviele verschiedene Gruppen an
Füllungswerkstoffen nötig und sinnvoll sind. Glasionomerzemente werden aufgrund der
vermutlich zunehmenden Allergieraten gegenüber Kunststoffbestandteilen weiterhin ihre
Notwendigkeit als zahnfarbenes, kunststofffreies Material besitzen. Aus der Sicht des
Autors könnte auf die Hybridionomere und PAMR am ehesten verzichtet werden, da die
Kompomere bessere mechanische Eigenschaften wie Biegefestigkeit oder Dentinhaftung
aufweisen und die Fluoridabgabe zunehmend verbessert wird. Da Kompomere und Komposite sich
wie beschrieben annähern, könnten auch deshalb Materialgruppen u. U. wieder
überflüssig werden. Ormocerwerkstoffe dürften die interessantesten Entwicklungen in der
nächsten Zeit darstellen.
Die rasche Einführung von neuen Materialien muß aber aus klinischer Sicht auch mit
gewisser Distanz gesehen werden, da die langfristige klinische Bewährung dieser neuen
Materialien größtenteils noch aussteht. Für die Zahnärzte bedeutet dies zusätzlich
einen noch höheren Bedarf und Aufwand an Fortbildung.
Summary
Numerous tooth-coloured materials resp. new types of materials have been marketed in
the last years. Apart from composite improvements and dentin bonding agents novel types of
materials such as compomers, hybrid ionomers and highly viscous glass ionomers were
introduced to the dental profession. However the clinical use of these materials for
occlusal restorations in the permanent dentition has not yet been proven. These novel
material groups may therefore only be recommended for deciduous teeth, class III and class
V restorations and as temporary filling materials for class I and II situations. Due to
new preparation technique (minimal-invasive preparation) also new materials will be
available in the future which can be applied for permanent posterior restorations and
would not be suitable for large occlusal cavities. Ormocers seem to be one of the most
interesting materials in the next future.
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. R. Hickel
Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie
Goethestr. 70, D-80336 München
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Tab. 1. Einteilung der Werkstoffe für Restaurationen nach Applikationsart und
Ästhetik
(* kommerziell noch nicht verfügbar). Mikrofüller-Komposite werden für indirekte
Restaurationen heute vergleichsweise nur noch selten verwendet.
| Material |
Direkte Füllung (plastisch
verarbeitbar) |
Indirekte Restauration
(Inlay/Teilkrone/Krone) |
| Zahnfarben
|
Mikrofüller-Komposite
Hybrid-Komposite
Kompomere und PAMR
Hybridionomere
Konventionelle GIZ
hoch visköse GIZ
Ormocere* |
Mikrofüller-Komposite Hybrid-Komposite
Polyglas (Polymerglas)
Ceromere
Keramik
Glaskeramik
Verblendete Metall-Keramik |
| Metallfarben
|
Amalgam
Stopfgold
Metallverstärkte GIZ / Cermet
Gallium alloys
Silber-Zinn-Legierung (mit HBF 4)* |
Hochgoldhaltige Legierungen Spargoldlegierungen
Nichtedelmetallegierungen
Palladium-Basis-Legierungen
Titan |
Tab. 2. Einteilung der direkten Füllungsmaterialien auf Glasionomer- und
Komposit-Basis. Innerhalb der beiden Hauptgruppen der Glasionomerzemente (GIZ) und
Komposite werden weitere Untergruppen nach Füllkörpergehalt und Matrix unterschieden.
Die konventionellen (rein makrogefüllten) Komposite wurden von den Hybridkompositen
abgelöst.
Glasionomerzemente
(enthalten Wasser) |
Komposite
(kein Wasser zugefügt) |
Konventionelle GIZ |
Hybrid-Komposite |
Metallverstärkte GIZ (Cermet) |
Mikrofüller-Komposite |
Hoch visköse GIZ |
Kompomere |
Kunststoffmodifizierte GIZ
(Hybridionomere) |
Polyacrylsäuremodifizierte Kunststoffe |
Tab. 3. Direkte zahnfarbene Füllungsmaterialien auf Glasionomer- bzw. Komposit-Basis.
Die Füllungsmaterialgruppen Kompomer und Hybridkomposit sind Einkomponentenwerkstoffe
und müssen im Gegensatz zu konventionellen GIZ, hochviskösen GIZ, Hybridionomeren und
PAMR (polyacrylsäuremodifizierten Kunststoffen) nicht angemischt werden ( 1 in Deutschland nicht bzw. nicht mehr vertrieben; * sog. flowable
composite)
| Her-steller |
Konven- tionelle GIZ |
Hoch-visköse GIZ |
Hybrid-Ionomere |
PAMR |
Kom-pomere |
Hybrid-Komposite |
Dentinad- häsive |
Polymerisa-tionslampe |
| 3M |
|
|
Vitremer |
|
(Ende 1997) |
P50, Z 100 MP |
Scotchbond MPP, Scotchbond 1 |
XL 3000 XL 1500 |
| Bisco |
|
|
|
Resinomer |
|
Bisfil P
Aeliteflo* |
AllBond 2, One Step |
|
| Coltene |
|
|
|
|
|
Brilliant New
Formula, Synergy |
A.R.T-Bond |
Coltolux 50, 300, 400 |
| Degussa |
|
|
|
|
Xeno |
Degufill Ultra, Degufill mineral |
Etch & Prime 3.0 |
Degulux softstart |
| Denmat |
|
|
|
Geristore |
|
Marathon, True vitality Florestore* |
Tenure S, Tenure quik |
Marathon 2000 |
| Dentsply |
Chemfil II / superior |
|
|
Variglass |
Dyract, Dyract AP |
Prisma TPH Spectrum |
Prime & Bond 2.1 |
ProLite, Spectrum |
| DMG |
Alpha fil |
|
Ionosit Fil
P/L |
|
Luxat |
Superlux UH |
Solist, Ecusit P-M |
|
| ESPE |
Ketac fil, Chelon fil |
Ketac Molar |
Photac Fil Quick |
|
Hytac |
Pertac, Pertac II |
EBS |
Elipar Highlight |
| GC |
Fuji II |
Fuji IX GP |
Fuji II LC Improved |
|
|
Estio 1 |
(Fuji Bond LC) |
|
| Heraeus- Kulzer |
|
|
|
|
|
Charisma F, Solitaire |
Denthesive II, Solid Bond |
Translux CL Translux EC |
| Jeneric Pentron |
|
|
|
|
|
Sculp-It,
Flow-It (und LF)* |
Bond-It, Bond-1 |
Optilux 401 Optilux 500 |
| Kerr |
|
|
XR-Ionomer 1 |
|
|
Herculite XRV, Prodigy |
Optibond FL, Optibond solo |
Optilux 401 Optilux 500 |
| Shofu |
Glasiono-mer Typ II |
Hi Fi, Hi Dens |
|
|
|
Lite fil II P 1 |
Imperva Bond |
|
| Vivadent |
Vivaglass fil |
|
|
|
Compo-glass F |
Tetric, Tetric ceram,
Tetric flow* |
Syntac, Syntac S.C.,
Syntac sprint |
Heliolux DLX Vivalux II |
| Voco |
Aqua Ionofil |
Ionofil molar, Argion molar |
|
|
|
Polofil molar,
Arabesk |
Solobond plus Solobond M |
Polofil lux |
Tab. 4. Neuere Unterteilung von Komposit-Kunststoffen.
| Gruppe |
Produktbeispiele |
Direkt |
Indirekt |
| Hybridkomposite |
Tetric ceram, Spectrum TPH |
+ |
+ |
| Mikrofüllerkomposite |
Durafill, Heliomolar, Silux |
+ |
(+) |
| Kompomere |
Compoglass, Dyract, Hytac |
+ |
- |
| Poly(mer)glas |
Artglass, Solitaire |
+ |
+ |
| Ceromere |
Targis |
- |
+ |
| Faserverstärkte Komposite |
Vectris |
- |
+ |
| Ormocere |
- (noch nicht am Markt) |
+ |
(+) |
Tab. 5. Klinische Resultate von Glasionomerzementen bzw. Kompomeren in Klasse-I- und
-II-Kavitäten von permanenten Zähnen. Bei allen klinischen Studien dürfen die
Ergebnisse nur innerhalb der Studien aber nicht untereinader verglichen werden, da
unterschiedliche Untersucher und Methoden etc. vorliegen.
| Erstautor und Jahr |
Dauer
(Jahre) |
Black-Klasse |
Material |
n |
Erfolgsquote |
Bemerkungen |
| Hickel 1988 |
3 |
I
II |
Ketac silver
Ketac silver |
87
104 |
86%
33% |
nicht als definitive Seitenzahn-Füllung
empfohlen, nur als Langzeeit-Provisorium, in Klasse-II-Defekten häufig Frakturen |
| Smales 1990 |
3 |
I |
Ketac silver
VisioMolar
P 30
Dispersalloy |
132
42
251
13 |
57%
94%
100%
100% |
konvent. Klasse I und Fissurenfüllung (OES=
odontomy-enamelplasty-sealant), Cermet in OES weniger Frakturen als in Klasse I |
| Setcos 1991 |
4 |
I |
Ketac silver
Ful Fil |
32
28 |
97%
100% |
bei beiden Materialien nur Bewertungen alpha
oder beta (ausgenommen 1x Charlie) |
| Lidums 1993 |
2 |
I |
Ketac silver
Visio Molar
Dispersalloy |
57
38
21 |
53%
100%
100% |
Cermet häufig Risse/Frakturen (33%), bei
breiteren Kavitäten häufiger Risse/Frakturen |
| Wilkie 1993 |
2 |
II,
Tunnel |
Ketac silver
Visio Molar
Dispersalloy |
42
28
16 |
45%
91%
100% |
unterschiedliche Kavitätenformen, Cermet
häufig Risse/Frakturen (48%) |
| Mjör 1993 |
5 |
II |
Ketac silver
P 10
Dispersalloy |
51
55
55 |
57%
84%
93% |
Frakturen bei GIZ und Amalgam häufigste
Verlustursache, Sekundärkaries bei Komposit |
| Frencken 1994 |
1 |
I
II |
Chemfil |
212
18 |
82%
67% |
A.R.T.-Technik in Thailand, minimale
Exkavation |
| Krämer 1994 |
4-8 |
I
II |
Ketac silver
Ketac silver |
49
39 |
82%
41% |
Gesamterfolg 58%, Klasse-I besser als
Klasse-II (in Kl. II: 11 von 39 frakturiert), Abrasion |
| Pilz 1994 |
6 |
I |
Ketac silver
Visio Molar
Amalgam |
174 |
86%
82%
81% |
bleibende Zähne bei Jugendlichen |
| Lumly 1995 |
5 |
Tunnel
II |
Chemfil
Ketac silver
Amalgam |
11
22
14 |
73%
91%
100% |
nur bis 3 Jahren waren alle Tunnel-Füllungen
mit GIZ oder Cermet akzeptabel |
| Frencken 1996 |
1 |
I |
Fuji IX |
200 |
98% |
A.R.T.-Projekt, keine Randkaries |
| Benz 1997 |
0.5 |
I/II |
Dyract
Compoglass
Fuji IX
Ketac Molar |
37
55
28
19 |
100%
100%
89%
90% |
Interimsversorgungen, Frakturen bei hoch
viskösen GIZ in großen Klasse-II-Kavitäten, Verschleiß wird noch dreidimensional
ausgewertet |
Tab. 6. Physikalisch-chemische Eigenschaften der verschiedenen Materialgruppen. Die
angegebenen Bereiche ergeben sich aus eigenen Untersuchungen sowie zahlreichen
Literaturstellen, die mindestens drei der Materialgruppen untersuchten. Die Haftwerte bei
Komposit und Kompomer entstanden in Verbindung mit den jeweils zugehörigen
Primern/Adhäsiven. Die Fluoridabgaben sind kumulative Werte nach 90 Tagen.
| Material-
Gruppe |
Zug-festigkeit (MPa) |
Biege- festigkeit (MPa) |
Druck- festigkeit (MPa) |
Vickers-härte (kg/mm²) |
E-Modul (GPa) |
Schmelz- haftung (MPa) |
Dentin- haftung (MPa) |
Fluorid- Abgabe (?g/cm2) |
| Amalgam |
45-65 |
110-150 |
350-520 |
(120) |
25-60 |
0 |
0 |
0 |
| Hybrid-komposit |
35-60 |
100-145 |
280-480 |
70-130 |
10-25 |
20-28 |
12-25 |
0-10 |
| Mikrofüller-komposit |
35-45 |
40-90 |
350-500 |
50-60 |
3-7 |
18-25 |
12-25 |
0-10 |
| Kompomer |
35-40 |
90-125 |
200-260 |
50-60 |
5-8 |
14-22 |
12-22 |
30-60 |
| Hybrid-Ionomer |
20-40 |
30-60 |
100-200 |
35-45 |
5-20 |
6-20 |
5-18 |
50-600 |
| Hochvis-köse GIZ |
12-15 |
30-35 |
140-220 |
60-90 |
12-20 |
3-12 |
2-8 |
150-600 |
Tab. 7. Diskutierte systemische Nebenwirkungen von Füllungsmaterialien, für die mit
Ausnahme von Allergien und lichenoiden Reaktionen im Kontaktbereich allerdings bislang
kein wissenschaftlich fundierter, klinischer Nachweis vorgelegt wurde. Zahlreiche
unbegründete Behauptungen führen aber zu erheblicher Verunsicherung und können im
Einzelfall durch unterlassene oder falsche Therapie dem Patienten zum Nachteil gereichen.
Nach eigener Erfahrung haben mehr Patienten durch falsche Behauptungen als durch
systemische Nebenwirkungen von Füllungsmaterialien Schaden erlitten.
| Werkstoffe |
Kritisierte Bestandteile |
Diskutierte Nebenwirkungen |
| Amalgame |
Hg, Cu, Sn, Ag |
Allergien, lichenoide Reaktionen, Galvanismus,
Intoxikationen,
Multiple Sklerose, Tumoren etc. |
| Komposite (einschießlich Kompomere,
Dentinadhäsive etc.) |
Monomere, Initiatoren, Stabilisatoren etc. Verunreinigungen
(Bisphenol A) Formaldehyd, Glutaraldehyd,
lösliche Glaspartikel (Ba, Sr, etc.) Quarzpartikel, Fluoridkomplexe
?tzgele (Phosphorsäure etc.) |
Allergien (incl. Anaphylaxie), östrogene
Wirkung (Bisphenol A),
kanzerogen, mutagen,
Aspiration von Füllkörpern (Silikose), Intoxikation durch Monomere und Initiatoren
etc.,
Säureschäden bei Konditionierung |
| Glasionomer-zemente |
Ionen bzw. Ionenkomplexe
(Al, Sr,Fluorid etc.),
Glaspartikel, verschiedene Säuren
(Polyacryl-, Polymaleinsr. etc.,
Konditionierungsmittel) |
M. Alzheimer, Neurologische
Krampfleiden,
zu Füllerpartikel und Säuren (siehe Komposite) |
| Keramiken (Inlays mit adhäsiver
Befestigung) |
radioaktive Substanzen, Befestigungskomposite,
Dentinadhäsive |
Strahlenschädigungen, zu Adhäsiven und
Befestigungskompositen siehe Komposite |
| Metallegierungen (Gußfüllungen) |
v.a Pd, Cu, Ag, In, Ir, Ga, Ni, Cr, Co etc. |
Allergien, Galvanismus, Intoxikationen, Keine
Kombination Metall-Keramik: Aufbrennkeramik potenziert Amalgamwirkung mit Aluminium,
Metalle (In, Ga, Cu, Sn, Au) hemmen Amalgamausscheidung |
Tab. 8. Indikation von verschiedenen Füllungsmaterialgruppen in unterschiedlichen
Lokalisationen und Defektgrößen (s: schmelzbegrenzt, d: zervikal dentinbegrenzt).
| Indikation |
Klasse I |
Klasse II s |
Klasse II d |
Klasse V |
Milchmolar |
| Hybridkomposit |
+ |
+ |
(+) |
+ |
+ |
| Kompomer |
(+) |
? |
? |
+ |
+ |
| Hybridionomer |
- |
- |
- |
+ |
+ |
| Hochvisköse GIZ |
(+) |
- ? |
- ? |
+ |
+ |
Tab. 9a. In-vitro-Abrasionswerte mit verschiedenen Maschinen zur Verschleißsimulation.
Aufgrund unterschiedlicher Verschleißmechanismen ist die Reihenfolge der Materialien bei
verschiedenen Simulatortypen nicht identisch und nicht direkt vergleichbar. Zur
Beurteilung eines Materiales sind daher verschiedene Simulationen sinnvoll.
Verschleißwerte aus eigenen Untersuchungen (jeweils in µm) bei ACTA nach 200000 Zyklen,
Kausimulator 20000 Zyklen und Zahnbürstabrasion nach 7500 Zyklen (ACTA:
Abrasionssimulator, der von der Universität Amsterdam entwickelt wurde).
| Materialien |
ACTA (Drei-Medien-Abrasion) |
Münchner Kausimulator (Zwei-Medien-Abrasion) |
Zahnbürstmaschine (Drei-Medien-Abrasion) |
| Dyract |
30-54 |
147 |
|
| Compoglass |
30-39 |
265 |
|
| Fuji II LC |
65-123 |
>1000 |
|
| Photac fil |
138-245 |
>1000 |
|
| Vitremer |
67-83 |
|
|
| Fuji IX |
28-49 |
327 |
15 |
| Ketac Molar |
37-45 |
379 |
14 |
| HiFi |
61-70 |
376 |
15 |
| HiDense |
30-66 |
487 |
23 |
| Ketac silver |
31-73 |
490 |
36 |
| Ketac fil |
32-110 |
872 |
|
Tabelle 9b. Abrasionsverhalten der einzelnen Werkstoffgruppen in verschiedenen
Simulatoren im Größenordnungsvergleich (Daten aus [37] und eigenen unpublizierten
Versuchreihen; Angaben in µm). Während die ACTA-Maschine eine Dreimedien-Abrasion
mittels Hirsebrei vornimmt, wird im Kausimulator der Verschleiß durch direkten
Antagonistenkontakt bei gleichzeitigem Thermocycling erzeugt. Da bei beiden Simulatoren
unterschiedliche Verschleißphänomene (sliding wear, impact stress, fatigue, delamination
wear etc.) eine Rolle spielen, ist der gemessene Abrieb bei gleichen Materialien
unterschiedlich groß. Um Verschleiß besser einschätzen zu können, sollte deshalb
möglichst mehr als ein Simulator herangezogen werden [37].
| Materialgruppe |
Münchner Kausimulator |
ACTA-Maschine |
| Kompomere |
150-260 |
30-60 |
| Hybridionomere |
> 1000 |
40-150 |
| Hochvisköse GIZ |
330-380 |
28-50 |
| Metallverstärkte GIZ |
450-500 |
30-85 |
| Konventionelle GIZ |
800-900 |
30-150 |
Tab. 10. Faktoren, die die Qualität und Lebensdauer einer Füllung beeinflussen.
| Patient |
Behandler |
Material |
| Mundhygiene/Ernährung präventive Maßnahmen
(Fluoride etc.)
regelmäßiger Zahnarztbesuch
Qualität der Zahnhartsubstanz
Defektlokalisation, -größe, -form
Kooperation bei der Behandlung
Parafunktionen/Habits |
Indikationsstellung Kavitätenpräparation
(Größe, Art, Finieren)
Handling/Applikation
Aushärtung (Art und Zeit) Ausarbeitung/Politur
korrekte Okklusion
Erfahrung |
Abrasionsfestigkeit Frakturfestigkeit
Ermüdung/Degradation
Schmelz-/Dentinhaftung
Fluoridabgabe
abgestimmtes System
Techniksensitivität
(auf Behandlerfehler) |
Tab. 11. Klinische Resultate von Klasse-V-Restaurationen mit GIZ, Cermet,
Hybridionomeren und Kompomeren. Die letzten fünf Reihen stellen eine Auswahl von Studien
mit DBA dar. Alpha und Bravo beziehen sich auf die USPHS-Kriterien und bedeuten
ausgezeichnet bzw. klinisch akzeptabel.
| Erstautor/Jahr |
Zeit
(J.) |
Präpa-ration |
Material |
n |
Erfolgs-quote |
Bemerkungen |
| Flynn 1982 |
6 |
nein |
Aspa
Cervident-Komp. |
80 |
47%
59% |
GIZ ohne Verfärbung, Präparation empfohlen |
| Tyas 1985 |
2 |
nein |
Fuji Type II
Cervident
Scotchbond/Concept |
42
41
17 |
92%
53%
88% |
für Concept wurde teils auch Isopast
verwendet Cervident viele Verluste |
| Hickel 1988 |
2 |
ja |
Ketac silver |
87 |
81% |
Kavitäten ohne Retention haben frühe
Verluste |
| Voß 1988 |
3-5 |
ja |
Ketac fil
Estic microfill |
186
71 |
56%
44% |
ohne Präparation häufiger Verluste von GIZ |
| Matis 1991 |
5 |
nein |
Ketac fil
Chelon fil
Cervident |
60
30
29 |
90%
87%
43% |
Politur innerhalb 15 min kein negativer
Einfluß |
| Reich 1991 |
2 |
ja |
Fuji II
Ketac fil
Sandwich-Technik |
7
13
57 |
86%
100%
84% |
GIZ besser als Sandwich-Technik (Verlust bei
GIZ 5% bei Sandwich 16%) |
| Reich 1992 |
4-6 |
ja |
Fuji II
Ketac fil
Sandwich-Technik |
5
17
29 |
100%
94%
74% |
GIZ besser als Sandwich-Technik; frühere
Verluste nicht berücksichtigt |
| Maneenut 1995 |
1 |
nein |
Fuji II LC
Photac fil
Vitremer |
20
20
20 |
100%
100%
100% |
Verfärbungen generell bei Vitremer,
Randverfärbungen bei allen Materialien |
| Barnes 1995 |
1 |
ja
nein
nein |
Variglass
Variglass
APH |
31
75
32 |
100%
100%
100% |
Variglass 98% alpha, APH 92% alpha |
| Powell 1995 |
3 |
nein |
Ketac fil
Scotchbond2/Silux
Sandwich-Technik |
37
37
36 |
97%
76%
100% |
Scotchbond 2 signifikant schlechter, Verluste
von okkl. Belastung abhängig |
| Van Dijken 1995 |
1 |
nein |
Vitremer
K71 (Dyract)
Permagen/Pekafil
Tetric/Syntac |
55
54
55
59 |
93%
98%
71%
83% |
Kompomer und Hybridionomer zeigten bessere
Resultate als Dentinadhäsive in Klasse V |
| Matis 1996 |
10 |
nein |
Ketac fil
Chelon fil
Komposit |
36
18
18 |
80%
67%
17% |
frühe Politur kein negativer Einfluß,
Cervident meisten Verluste |
| Neo 1996a |
3 |
nein |
Ketac fil
Sandwich-Flg.
Silux/Scotchbond |
50
54
55 |
96%
96%
78% |
Kompositfüllungen höchste Verlustquote, GIZ
in anatomischer Form verändert |
| Neo 1996b |
1.5 |
nein |
Fuji II Cap
Fuji II LC
APH/Univ.Bond 3
Litefil II/Imperva B. |
21
20
21
13 |
100%
95%
100%
46% |
7 Litefil-Füllungen gingen nach 1,5 Jahren
verloren, Farbprobleme mit Fuji II Cap |
| Barnes 1996 |
1 |
nein |
Dyract |
30 |
100% |
Randadaptation 33% Bravo nach 1 Jahr |
| Elderton 1996 |
2 |
nein |
Dyract
Dyract ohne Primer
Chemfil |
39
40
30 |
100%
18%
97% |
Dyract ohne Primer zeigte hohe Verlustquote |
| Loher 1996 |
1.2 |
nein,
nur bei Karies |
Dyract
Fuji II LC
Photac fil
Tetric/Syntac |
83
51
31
33 |
94%
93%
90%
100% |
alpha: Tetric 88% > Dyract 68% > Fuji II
LC 15% > Photac fil 0%; alle Füllungen ohne Kofferdam |
| Elderton 1997 |
3 |
nein |
Dyract
Chemfil superior |
40
30 |
100%
97% |
keine Hypersensitivität, kein
Füllungsverlust |
| Jedynakiewicz 1997 |
3 |
nein |
Dyract |
55 |
98% |
Füllungsverlust 2% |
| Barnes 1996 |
2 |
nein |
Dyract |
30 |
100% |
Randadaptation 63% Alpha nach 2 Jahren |
| Abdalla 1997 |
2 |
nein |
Dyract
Fuji II LC
Photac fil
Vitremer |
18
20
17
18 |
100%
100%
94% 100% |
Nur eine Photac fil Füllung veloren,
Dyract bei Beurteilung der Farbe und anatom. Form am besten |
| Loher 1997 |
2 |
nein,
nur bei Karies |
Dyract
Fuji II LC
Photac fil
Tetric/Syntac |
62
39
27
25 |
90%
84%
70% 100% |
Dyract ohne Schmelzätzung, 6 Verluste nur in
sklerot. Dentin; Randverfärbungen bei Dyract (durch Quellung), aber entfernbar |
| Vanherle 1991 |
2 |
nein/ja |
Scotchbond/Silux
Gluma/Lumifor |
189
181 |
58%
76% |
ohne Anschrägung hohe Verluste trotz
Dentinadhäsiv |
| van Noort 1993 |
5 |
* |
Adaptic (Ma)
Miradapt (H)
Healthco (Ma)
CRM (Ma)
Silar (Mi)
Brilliant (FPH) |
175
172
204
158
205
179 |
79%
68%
72%
70%
73%
69% |
Ma= Makrofilled, Mi=Mikrofilled, H=Hybrid,
FPH=Feinpartikelhybrid Erfolgsquote Klasse V 72%, Klasse III 63% |
| van Dijken 1994 |
4 |
nein |
Scotchbond2/Silux
Miragebond/Silux
Tenure/Opalux
Tripton/Opalux |
53
63
47
53 |
77%
25%
44%
17% |
Mißerfolg unabhängig vom Lebensalter,
Verluste meist innerhalb von 2 Jahren |
| Hörsted- Bindslev 1996 |
3 |
nein |
Gluma 2000/ Pekalux |
62 |
88% |
Konditionierung (HEMA oder Formamid) gleich |
| Tyas 1996 |
3 |
nein |
Allbond
Photobond
Denthesive
Geristore
Pertac Bond |
100 |
74%
74%
42%
30%
6% |
Kombination der Déntinadhäsive mit Silux; Verluste
frühzeitig mit Ausnahme von Geristore |
Tab. 12. Verschiedene Inserttypen sind mittlerweile entwickelt worden. Während
ß-Quartz und SDS wie Megafiller in dickere Kompositschichten der Füllung eingebettet
sind, werden die paßgenauen Systeme wie Inlays mit engeren Klebefugen eingesetzt [24, 25,
30, 31, 68].
| Produkt |
Hersteller |
Formen |
Passung |
| ß-Quartz |
Lee Pharma-ceuticals (USA) |
Rund, oval, okklusal, zweiflächig-L-Form |
- |
| SDS |
Schumacher Dental (GER) |
Approximal-Zwei-flächig, Okklusal |
- |
| Cerafil |
Komet (GER) |
Rund |
+ |
| Cerana |
Nordiska (SWE) |
Rund |
+ |
| Sonoinsert mit Sonicsys |
Vivadent (LIE) |
Approximal |
+ |
| SDS mit Si plus |
Komet (GER) |
Okklusal (quadratisch oder rechteckig) |
+ |
Tab. 13. Handhabungseigenschaften von GIZ, Hybrid-GIZ und Kompomer im direkten
Vergleich.
| Füllungs-materialien |
Glasionomerzemente |
Hybridionomere |
Kompomere |
| Verarbeitung |
Pulver/Flüssigkeit, wässrige Basis,
Anmischen per Hand oder Kapsel |
Pulver/Flüssigkeit, Wasser-Monomer-Basis,
Anmischen per Hand oder Kapsel |
nur eine Komponente, kein Anmischen, kein
Wasser |
| Verarbeitungszeit |
1-2 min |
Mehrere Minuten, Start der Aushärtung durch
Licht |
nicht begrenzt, da nur Lichthärtung |
| Aushärtung |
Säure-Base-Reaktion (ca. 4-8 Minuten), 2.
Härtungsphase innerhalb von 24 h |
Lichthärtung (40 s), Radika- lische
Polymerisation und Säure-Base-Reaktion |
nur Lichthärtung (40s), Schichttechnik bei
tiefen Kavitäten unbedingt nötig |
| Initiale Feuchtigkeits-empfindlichkeit |
Stark, Abdecklack empfohlen |
Gering |
keine |
| Polierbarkeit |
Akzeptabel |
gut |
sehr gut |
| Haftung |
Selbsthaftend an Schmelz und Dentin |
Selbsthaftend, bei einzelnen Produkten
Primer nötig |
Dentinkonditionierung und Primer nötig |
| Festigkeit |
Druckfestigkeit gut, Biegefestigkeit gering |
Druckfestigkeit gut, Biegefestigkeit
mäßig |
Druckfestigkeit gut, Biegefestigkeit gut |
| Fluoridabgabe |
Sehr hoch |
mäßig sehr hoch |
mäßig bis gut |
| Ästhetik / Transparenz |
Gut |
gut - sehr gut |
sehr gut |
| Typische Probleme |
Craquelierung, gelegentlich zu opak |
Neigung zur Verfärbung der Füllung im Laufe
der Zeit |
Neigung zur Rand-verfärbung durch Quellung,
entfernbar |
| Indikation bei Allergien gegen Kunststoffe |
ja, keine Bedenken |
nein, allergologische Abklärung empfohlen |
nein, allergologische Abklärung empfohlen |
Abbildungen
Abb. 1. Schematische Darstellung des chemischen Aufbaues von Ormoceren [45, 78]. Sie
bestehen aus einem polymeriserbaren organischen und einem polykondensierten anorganischem
Anteil und einem kurzem Verbindungssegment. Jedes der drei Segmente kann variiert werden.
Dadurch können auch zahlreiche physikalische Eigenschaften umfangreich und gezielt
verändert werden. In die Ormocermatrix
Abb. 2a und b. 3D-Verschleißanalyse von Füllungsmaterialien in vivo. Die
Zahnoberflächen werden jeweils mit einem 3D-Laserscanner vermessen. Anschließend werden
die Oberflächen von einer speziellen Software überlagert und die Höhendifferenzen an
jedem Punkt berechnet. Die farbliche Darstellung dient der einfacheren visuellen Erkennung
von Verschleiß (je intensiver die Rotfärbung um so höher der Verschleiß). Die genauen
Daten können pro Pixel bzw. als Line-scan abgerufen und statistisch ausgewertet werden.
Mit dieser Methode kann aber auch Abrasion im direkten Antagonistenkontakt von
kontaktfreien Arealen gut unterschieden werden. Gut erkennbar ist auch, daß verschiedene
Kontaktpunkte an einem Zahn durchaus unteschiedlich hohe Abrasion aufweisen können. Die
Messung an nur einem Bereich kann deshalb zu falschen Interpretationen führen. Die
Absplitterung von Überschüssen (z.B. in der palatinalen Fissur in Abb. 2b) oder
Randabbrüche können am Bildschirm markiert und von der Bestimmung des
Verschleißvolumens ausgenommen werden.
File:füllungswerkstoffe-moderne-dzz