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Geschlossene und offene Verletzungen im Bereich der Kiefer und des Gesichtes stellen nicht selten eine lebensbedrohliche Notfallsituation dar, wobei die
besondere Problematik in der engen Nachbarschaft und der damit verbundenen Begleitverletzung am zentralen Nervensystem (ZNS ), an den grossen Kopfnerven, im
Bereich der Halswirbelsäule und auch im Zusammenhang mit der drohenden Verletzung der Atemwege durch Hämatome oder Ödeme zu sehen ist.
Mögliche Ursachen für Verletzungen im Bereich des Gesichtes und des Kopfes sind stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkungen im Rahmen von Verkehrs-,
Sport- und Haushaltsunfällen sowie andere Einwirkungen (z.B.: durch Schlag o.ä).
Es gibt Weichteil- und Knochenverletzungen sowie Kombinationen von beiden. Nicht selten kommt es bei offenen Verletzungen zu heftigen Blutungen und so zum
Blutverlust, denn die Blutversorgung des Gesichtes und des Kopfes ist gut ausgeprägt.
In einer Unfallsituation steht demnach häufig neben der Sicherung der Atemwege (Intubation) die Notwendigkeit der Blustillung (Tamponade) im
Vordergrund.
Nicht nur Blutungen und die Erstickungsgefahr sind bei der Erstversorgung von Verletzten im Kopf-Gesichtsbereich problematisch, sondern auch die Gefahr der
Verletzung bedeutsamer sensibler und motorischer Nerven mit der Folge von Muskellähmungen und/oder Sensibilitätsstörungen. Daraus resultieren
nicht nur für den Patienten unangenehme Störungen der Berührungsempfindlichkeit sondern häufig auch schmerzhafte anfallsartige
Gesichtsschmerzen (Parästhesien und neuralgiforme Beschwerden), die nur schwer therapierbar sind. Glücklicherweise sind schwerwiegende Verletzungen
(SHT = Schädel-Hirn-Traumen) relativ selten.
Bei Verletzungen von Zähnen kann man nur selten ohne Röntgenbild entscheiden, ob der betroffene Zahn erhalten werden kann. Neben Zahnfrakturen kommen
vollständige und unvollständige Luxationen vor.
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Aus dem Kiefer herausgeschlagene Zähne können - sofern keine Aspirationsgefahr besteht - in die Alveole zurückgesteckt werden. Danach
sollte aber unbedingt ein Arzt für MKG konsultiert werden, weil der Zahn durch eine Schienung stabilisiert und ggf. noch wurzelbehandelt werden
sollte. Die Schienung bzw. Iimmobilisierung der luxierten Zähne erfolgt über 5 bis 6 Wochen.
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Die knöchernen Verletzungen der Kiefer und der Gesichtsschädelknochen sind sehr umfangreich und die Kombinationsmöglichkeiten zahlreich. Stellt
die Fraktur der Zähne die geringste Verletzung der Hartsubstanzen des Gesichtes, so ist ein Polytrauma des Gesichtsschädels (dish face) die
Maximalvariante im Rahmen der möglichen Traumen.
In der Abbildung unten sieht man einige Frakturen im Bereich des Gesichtsschädels, wobei der Ober-( gelb) und der Unterkiefer (grün) sowie das
Jochbein (dunkelblau) die wichtigsten knöchernen Strukturen des Gesichtsschädelskeletts darstellen.
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Die operative Versorgung der Verletzungen des knöchernen Gesichtsschädels ist eine schwierige und eine äusserst problematische
Therapiemassnahme, denn eine Bruchversorgung in Fehlstellung hat im allgemeinen schwerwiegende Folgen hinsichtlich der Kaufunktion und des äusseren
Erscheinungsbildes des Patienten.
Aufgrund von Defekten (nach Knochenverlust oder wegen anderer schwerwiegender Verletzungen wie z. B. SHT) kann die Gesichtssymmetrie und das Profil
erheblich gestört sein. In solchen Fällen sind mehrere Korrekturmassnahmen erforderlich, wobei eine Konturverbesserung unter Verwendung von
autologen Knochentransplantaten möglich ist.
In besonders gelagerten Fällen kann ein Defekt im Bereich des Gesichtes auch mit einer Epithese ersetzt werden.
Im Rahmen der Frakturen des Unterkiefers stellt die Beteiligung des aufsteigenden Unterkieferastes und des Kiefergelenkes eine besondere Problematik dar,
weil durch diese Verletzungen und eine unsachgemässe Behandlung schwerwiegende funktionelle Störungen der Kaufunktion auftreten können.
Ferner sind die Funktionsstörungen im Kiefergelenk in der Regel mit heftigen Schmerzen vergesellschaftet, so dass häufig eine separate Therapie
zur Linderung der Schmerzen erforderlich ist.
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Der Unterkiefer ist als ein loser Knochen in das Kaumuskelsystem eingebettet. Eine traumatische Aussprengung grösserer Knochenfragmente kann zu einer
Verlegung der Atemwege führen.
Die Aufrechterhaltung der Vitalfunktion Atmung hat immer Vorrang vor strukturerhaltenden Massnahmen.
Bei den Brüchen des horizontalen Unterkieferastes kann der Unterkiefernerv (N. Alveolaris inferior) irreversibel beschädigt werden.
Die Jochbeinfrakturen sind klinisch nicht sehr auffällig. Deshalb kommt es vor, dass im Rahmen von Mehrfachverletzungen diese nicht immer erkannt
werden.
Isolierte Jochbeinbrüche fallen durch eine Abflachung der seitlichen Gesichtskonturen auf. Isolierte Jochbeinfrakturen können aufgrund ihrer engen
Nachbarschaft zum Kiefergelenkköpfchen eine Mundöffnungsbehinderung verursachen, wobei der Muskelfortsatz des Unterkiefers eingeklemmt wird.
Meist durch stumpfe Gewalt oder in Kombination mit anderen Brüchen können Orbitabodenfrakturen mit der Folge eines Absinkens des Augapfels und oft
auch Doppelbildsehens auftreten. In diesen Fällen muss das Auge reponiert und der Orbitaboden stabil abgestützt oder mit Hilfe einer Platte aus
Fremdmaterial rekonstruiert werden.
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