FACHKUNDE   Spezielle Pathologie I - Karies Autor: © Dr. med. dent. Joachim Menges


    Pulpitis


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Die Pulpitis ist eine Entzündung der vitalen Partie der Zähne und meist infektiös, da die Bakterien in das Gewebe der Pulpa eindringen können. Dieses Eindringen entsteht meist durch eine Ausdehnung nicht rechtzeitig behandelter Karies in die Pulpahöhle.

ERKENNEN

Die Pulpitis entsteht meist bei schwerwiegender Karies oder einer umfassenden, kariesunabhängigen Reparatur, deren thermische Einflüsse die Pulpa reizen. Im Anfangsstadium erkennt man sie an einer Überempfindlichkeit der Zähne bei Säure, Zucker oder Hitze, aber insbesondere an spontan auftretenden Schmerzen, die, wenn sich die Pulpitis verschlimmert, häufig im Liegen auftreten. Diese anfallartigen Schmerzen sind äußerst unangenehm und allgemein bekannt als Zahnschmerzen. Sie fangen ohne erkennbaren Grund meist im Liegen an und können ebenso schnell wieder abklingen. Der Schmerz ist unbestimmt, dies erschwert dem Patienten seine Lokalisierung. Er kann sich bis zum Auge, den Schläfen oder den Ohren ziehen, je nachdem welcher Zahn betroffen ist.

BEHANDELN

Diese Verletzung ist nicht rückgängig zu machen und kann nur durch eine Devitalisation des Zahnes behandelt werden.
Die Entfernung der Pulpa wird unter Anästhesie durchgeführt und besteht aus der vollständigen Entfernung aller Pulpabestandteile (Gefäße, Nerven, Zellen) und der anschließenden Füllung der Wurzeln mit einem dichten, hermetischen, gewebsverträglichen Material, das einen wiederholten Eingriff ermöglicht.
Bei akuten Schmerzen besteht die Notbehandlung aus dem Öffnen des Zahnes unter Betäubung und einem Bedecken der Öffnung mit einem schmerzstillenden Verschluss. Diese Behandlung bringt dem Patienten eine sofortige Erleichterung und räumt ein wenig Zeit bis zur endgültigen Behandlung ein, die am besten noch während der gleichen Sitzung stattfinden sollte.

DIE ENTFERNUNG DER PULPA

Die Entfernung der Pulpa ist zweifellos der komplizierteste Eingriff, da man sozusagen blind arbeiten muss. Der erste Schritt besteht in der Öffnung der Pulpahöhle, um Zugriff zu dem Kanal zu haben. Die Anwendung eines Kofferdamms ist unerlässlich zur Erhaltung der notwendigen Asepsis. Sehr feine Instrumente mit Kreuzdurchmesser, sogenannte „Feilen’, werden benutzt, um das Pulpagewebe nach und nach zu entfernen, zu reinigen und die Kanäle zu bearbeiten. Diese Kanäle werden mit einem Antiseptikum wie beispielsweise Hypochlorid (verdünntes Javelle-Wasser) gespült.
Gelegentlich werden auch rotierende Instrumente verwendet. Diese Behandlung erfordert Geduld; sie ist langwierig, schwierig und unangenehm für den Patienten. Aber sie ist für die Erhaltung der Zähne so wichtig, wie das Fundament für ein Haus.
Nachdem die Kanäle mit Papierkegeln getrocknet wurden, kann man mit der Füllung beginnen. Das Füllmaterial setzt sich aus einer Paste und einem Kompositmaterial zusammen und wird als „Guttapercha-Kegel’ bezeichnet.
Im Laufe der Behandlung werden mehrere Röntgenaufnahmen gemacht, um die Qualität der Arbeit und der Füllung, die bis zur Wurzel dicht sein muss, zu kontrollieren. Es kann vorkommen, dass in Folge der mechanischen und chemischen Bearbeitung der Zahn empfindlicher auf Druck reagiert. Diese Gefühl kann etwa eine Woche andauern.

DIE EXTRAKTION

Die Extraktion eines Zahnes kann aus kieferorthopädischen Gründen oder im Falle einer Fraktur des Zahnes, den Zysten oder Abszessen, deren Heilung kaum möglich ist, empfohlen werden. Jede Zahnentfernung ist ein operativer Eingriff, der die Kenntnis des Gesundheitszustandes des Patienten voraussetzt. Der Zahnarzt sollte präoperative Röntgenaufnahmen anfertigen, die über die Anatomie des jeweiligen Zahnes, der benachbarten Zähne und des zahnumgebenden Knochengewebes Aufschluss geben. Bis auf die Extraktion der Weisheitszähne sind die meisten Zahnentfernungen unproblematisch.
Nach der Betäubung wird das Wurzelhautband mit Hilfe eines leicht schneidenden Instruments, dem sogenannten Syndesmotom, durchtrennt. Der Zahn ist nun beweglich und kann mit einer speziellen Pinzette, der sogenannten Zange, aus dem Knochen gelöst werden. Wenn Komplikationen auftreten, kann der Zahnarzt gezwungen sein, das Zahnfleisch einzuschneiden, den Knochen freizulegen und den Zahn herauszuziehen. Desweiteren könnte es vorkommen, dass er den Zahn beschleifen muss um die Wurzeln freizulegen und nach und nach zu ziehen.
Nach dem „Avulsio’ des Zahnes muss die Alveole gereinigt werden, um eventuelle Rückstände zu beseitigen und um die Blutgerinnung zu erleichtern. Der Patient sollte eine sterile Kompresse im Mund behalten, um die Blutung durch Druck zu stoppen. Die Zahnentfernung erfordert keine Kraftanwendung, sondern lediglich eine angemessene Technik.




 

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