Das Immunsystem, auch körpereigene Abwehr genannt, bildet die Verteidigungslinie des Organismus gegen "fremde Elemente".
Wie der Name schon andeutet, handelt es sich beim Immunsystem nicht um ein einzelnes Organ, sondern es ist mit seinen auf bestimmte Funktionen spezialisierten Zellen auf alle Körpergewebe und Körperflüssigkeiten verteilt.
Beim Menschen besteht das Immunsystem aus über tausend Milliarden
(1012) Zellen, von denen täglich rund 10% erneuert werden und die zusammen etwa 2,3 Kilogramm wiegen.
Hauptbestandteile des Immunsystems sind Lymphozyten bzw. Leukozyten (weiße Blutkörperchen), die vorzugsweise im Blut und Lymphgewebe auftreten, Makrophagen (sogenannte Freßzellen) und Antikörper (Eiweißstoffe mit Abwehrfunktion, die von bestimmten spezialisierten weißen Blutkörperchen gebildet werden).
Die meisten Zellen des Immunsystems können im Körper zirkulieren und sich durch Botenstoffe untereinander verständigen.
Welche Aufgaben hat das Immunsystem?
Die Funktionen des Immunsystems sind komplex und werden von vielen Faktoren reguliert.
Hauptaufgabe ist die Erkennung und Bekämpfung von körperfremden Elementen:
Bakterien, Viren und Pilze, die in den Körper eindringen oder bestimmte Merkmale auf Zelloberflächen, die normalerweise nicht im gesunden Organismus vorkommen.
Die Zellen des Immunsystems haben von früh auf gelernt, körpereigen und körperfremd zu unterscheiden, d.h. sie kennen "ihren" Organismus ganz genau.
Ein Teil der Abwehrzellen zirkuliert ständig im Körper. Einige Zellen sind auf die Erkennung und
Meldung von körperfremden Merkmalen spezialisiert, andere auf deren Ausschaltung.
Über Botenstoffe können die Zellen miteinander kommunizieren und sich gegenseitig anlocken oder aktivieren.
So kann eine Zelle, die ein Merkmal als fremd erkannt hat, andere spezialisierte Zellen anlocken, ihnen das fremde Merkmal präsentieren und sie zu dessen Bekämpfung aktivieren. In einer Art
Gemeinschaftsaktion können die Eindringlinge oder Fremdstoffe damit unschädlich gemacht werden.
Das Immunsystem spielt auch bei der Reaktion des Körpers auf Krebs eine Rolle. So können einige Krebsformen besonders dann auftreten und sich ausbreiten, wenn das Immunsystem geschädigt oder geschwächt ist.
Allerdings geht man heute nicht mehr davon aus, daß Krebspatienten generell unter einem geschwächten Immunsystem leiden oder litten. Die Zusammenhänge sind sehr viel komplizierter, als man ursprünglich dachte.
Wenn
bei Krebs die Abwehr nicht einfach geschwächt ist, was hat dann versagt?
Bei vielen Krebserkrankungen
liegt ein Problem darin, daß die bösartigen Zellen offenbar nicht in ausreichendem Maße oder gar nicht als "fremd" erkannt und bekämpft
werden.
Sonst könnte ein bösartiger Tumor ja gar nicht erst wachsen,
geschweige denn metastasieren. Warum das so ist, konnte bisher noch nicht völlig geklärt werden.
Eine Rolle spielt sicher, daß Krebszellen von ihrem Ursprung auch körpereigene Zellen sind.
Zudem können sie sich tarnen, indem sie solche Merkmale "verstecken", die sie als körperfremd erkennbar machen würden.
Moderne Konzepte der
Immuntherapie zielen deshalb bei Krebserkrankungen nicht auf eine unspezifische Aktivierung der Abwehr, sondern
versuchen beispielsweise, die Erkennbarkeit von Tumorzellen für das Immunsystem zu verbessern.