home  FACHKUNDE  Fragen Schädel  Autor: © Dr. Joachim Menges Layout: © Stefan Münz

Bewegungsapparat


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Bewegungsapparat

Es wird der passive und der aktive Bewegungsapparat unterschieden:

  er ist passiv, insofern es sich um die das Gerüstwerk unseres Körpers bildenden Knochen und Knorpel handelt, welche durch Gelenke miteinander verbunden sind;

  er ist aktiv, insofern die Muskeln durch ihre Kontraktion dieses Gerüst in den Gelenken bewegen.

Blut und Lymphe ernähren den Bewegungsapparat. Das Nervensystem koordiniert die Muskeltätigkeiten.

Passiver Bewegungsapparat

Gelenke: bezeichnen alle Verbindungen von Knochen untereinander. Es werden Haften und echte Gelenke unterschieden.

Haften

Unter Haften versteht man feststehende Knochenverbindungen. Drei Arten sind zu unterscheiden:

Bandhaft: Die Knochen werden durch mehr oder weniger reichlich vorhandenes Bindegewebe miteinander verbunden. Bsp: Fontanellen

Knorpelhaft: Das verbindene Gewebe besteht aus Knorpel. Bsp: Zwischenwirbelscheiben.

Knochenhaft: Das die Einzelknochen zusammenfngene Gewebe ist Knochensubstanz. Bsp: Kreuzbein.

Echte Gelenke

Gelenkspalt: kennzeichnet das echte Gelenk.

Hyaliner Knorpel: überzieht die Gelenkflächen.Kopf/Pfanne: ersteres bezeichnet das gewölbte Gelenkende, letzteres das ausgehöhlte Gelenkende.

Gelenkkapsel: verbindet die Knochen, die durch den Gelenkspalt getrennt sind und schliesst die Gelenkhöhle nach aussen ab.

Synovialhaut: bezeichnet die innere Kapselschicht; sie sondert Gelenkschmiere ab.

Faserschicht: bezeichnet die äussere Kapselschicht.

Gelenkbänder: hemmen bestimmte Bewegungen und sind der Kapsel aufgelagert.

Gelenkscheiben: besondere Bildungen von Faserknorpel, die im Gelenk liegen. Sie unterteilen ein Gelenk vollständig oder unvollständig. Bsp: Kiefergelenk.

Menisci: Knorpelscheiben von halbmondförmiger Gestalt; kommen im Kniegelenk vor

Schleimbeutel: an Stellen, wo Sehnen nber Knochen gleiten oder die Haut besonderer Beanspruchung ausgesetzt ist.

Sehnenscheiden: umgeben lange Sehnen, die über längere Strecken über Knochen laufen; gewähren die Fnhrung der Sehnen, vermeiden unnütze Reibungen und führen die ernährenden Gefässe and die Sehnen heran.

Gelenkformen:

  Kugelgelenk: raumläufig; drei Achsen, sechs Hauptbewegungen; Bsp: Schultergelenk, Hüftegelenk

  Eigelenk: Gelenkkopf hat Gestalt eines Ellipsoides, entsprechend geformte Gelenkpfanne; weder Drehung noch Rotation; zwei Achsen und vier Hauptbewegungen. Bsp: Gelenke zwischen Atlas und Hinterhauptkondylen.

  Scharniergelenk: Prinzip einer Türe: Achse = Verbindungslinie beider Türangeln. Ebene der Bewegung liegt senkrecht zu dieser Achse; Beugung und Steckung um diese einzige Achse. Bsp: Kniegelenk, Ellbogengelenk.

  Zapfengelenk: ein Zapfen dreht sich in einem Ring; eine einzige Achse, welche Aussen- und Innenkreiselung gestattet. Bsp: gelenkige Verbindung zwischen erstem und zweitem Halswirbel (Atlantoaxialgelenk).

  Sattelgelenk: zwei sattelförmig ein- und ausgewölbte Gelenkflächen gleiten aufeinander; zwei Hauptbewegungen in zwei Ebenen. Bsp: Karpometakarpalgelenk des Daumens.

  Flaches Gelenk: die flachen Gelenkflächen verschieben sich gegeneinander. Bsp: Gelenke zwischen der Platte des Ringknorpels.

  Straffes Gelenk: kräftiger, allseitig ausgebildete Bandapparat macht eine eigentliche Bewegung unmöglich, die straffen Gelenke dienen der Abfederung. Bsp: Gelenke zwischen Kreuzbein und den beiden Darmbeinen.

Rumpf

Das Rumpfskelett besteht aus Wirbelsäule, Rippen und Brustbein.

Wirbelsäule

Funktion: bildet die bewegliche Achse unseres Körpers;

  Doppel-S-Form und die Knorpelhaften der Zwischenwirbelscheiben federn gegen Stoss ab;

  umgibt schützend das Rückenmark;

  trägt frei beweglich den Kopf;

  schützt Schulter und Beckengürtel;

  der Brustteil der Wirbelsäule trägt die den Brustkorb bildenden Rippen.

Bau: Länge von 75 cm; Halsteil wird von 7 Halswirbeln gebildet und ist gestreckt oder nach hinten leicht hohl (Lordose); Brustteil hat 12 Brustwirbel und ist nach hinten vorgewölbt (Kyphose); Lendenteil besteht aus 5 Lendenwirbeln und ist nach vorn ausgebuchtet (Lordose); das Kreuzbein ist ein Block aus fünf verschmolzenen Sakralwirbeln, seine Wölbung ist nach hinten vorgebuckelt (Kyphose); die letzten vier Wirbel sind zum Steissbein verschmolzen; seitliche Verkrümmungen der Wirbelsäule sind krankhaft (Skoliose); die Zwischenwirbelscheiben, bzw. Bandscheiben bestehen aus flüssigkeitsreichem Faserknorpel und verbinden die Wirbelkörper miteinander; untereinander sind die Wirbel durch die kleinen Wirbelgelenke gelenkig verbunden.

Beweglichkeit: ist im Halsteil der Wirbelsäule am grössten; Brustteil gestattet vor allem Drehbewegungen, der Lendenteil Vorwärts- Rückwärts und Seitenbeugung.Rippen12 Paare Rippen bilden den Brustkorb;7 Paare echte Rippen haben echte Gelenke am Brustbein; erste Rippe ist mit einer Knorpelhaft am Brustbein festgeheftet; die Rippenknorpel der 3 Paare falscher Rippen bilden den Rippenbogen; die elfte und zwölfte Rippe erreichen den Rippenbogen nicht mehr und endigen frei.

Wirbel

Schema/Bau:

Ein kurzer zylindrischer Wirbelkörper liegt vor dem Zentralnervensystem im Wirbelloch. Die Gesamtheit der Wirbellöcher bildet den Wirbelkanal. Vom Wirbelkörper geht nach hinten beiderseits der Wirbelbogen ab; der Ursprung jedes Wirbelbogens zeigt oben und unten eine Eindellung - die Bogenwurzel -, welche zwischen zwei Wirbeln je ein Zwischenwirbelloch bilden, durch welches die Rückenmarksnerven austreten. Hinter der Bogenwurzel geht vom Wirbelbogen seitwärts der Querforsatz, ebendort nach oben und unten je eine Gelenkfortsatz (Gelenkfläche) ab.

Jeder Wirbel hat also vier Gelenkfortsätze, links wie rechts einen oberen und unteren; sie bilden zusammen durch die ganze Wirbelsäule eine linke und rechte Gelenkfortsatzsäule. Die Wirbelbögen setzen sich nach hinten in einen unpaaren Dornfortsatz fort.

Atlas und Axis (erster und zweiter Halswirbel):

Der Atlas hat keinen Dornfortsatz und keinen Körper, sondern vorne und hinten nur eine Knochenspange. Er hat also die Form eines Ringes, welcher oben zwei Gelenkflächen fnr die Gelenkfortsätze des Hinterhauptbeins aufweist.

Der Axis, oder auch Dreher genannt, hingegen, hat eine nach oben ragende Verlängerung des Wirbelkörpers, den Zahn (Dens), mit dem der Atlas gelenkig verbunden ist.

Beide Gelenke bilden zusammen ein Eigelenk. Der Ring dreht sich um den Zahn der Axis (Drehbewegung des Kopfes), der Zahn bildet die Achse, um die der Atlas sich mitsamt dem daraufsitzenden Kopf drehen kann.

Die Vor- und Rückneigung des Kopfes wird zudem in grossem Umfang auch zwischen Atlas und Hinterhauptsbein ausgeführt; auf den vergrösserten Gelenkfortsätzen des Atlas ruhen die Gelenkhöcker (Condylen) des Hinterhauptsbeins, die sich darauf etwa wie ein Rad drehen können.

Gliederung und Einzelformen:

12 Wirbel tragen bewegliche Rippenpaare; sie heissen Brustwirbel. Die Rippen haben gelenkige Befestigungsstellen, einmal am Wirbelkörper selbst, zum anderen am Querfortsatz.

  Oberhalb der Brustwirbel befinden sich 7 Halswirbel, mit denen die Rippenrudimente fest verwachsen sind.

  Zwischen den Brust- und den zum Kreuzbein verschmolzenen Kreuzwirbeln liegen die 5 Lendenwirbel.Kreuzbein: ist aus 5 Wirbelanlagen zusammengesetzt. Die Verschmelzung beginnt in der Pupertät.

  Am unteren Ende des Kreuzbeines befindet sich, gelenkig mit ihm verbunden, noch das aus 3 bis 5 Wirbelkörperrudimenten zusammangesetze Steissbein (rudimentäre Schwanz des Menschen).

Gelenkverbindungen:

Der Zusammanschluss der Wirbel zu Wibelsäule geschieht jeweils nber drei Verbindungen, nämlich nber die Wirbelkörperreihen und die beiden Gelenkfortsatzreihen. Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Zwischenwirbelscheiben, oder auch Bandscheiben genannt. Es handelt sich dabei um einen Faserknorpel, der die beiden anliegenden Wirbelkörper miteinander verbindet.

Ergänzung: Die Bandscheibe:

Die Zwischenwirbelscheiben, die zwischen den Wirbelkörpern gelegen sind, verbinden - neben kleinen Gelenken - 24 Wirbeln miteinander. Die Bandscheibe ist eine Faserknorpel, der einen elastischen zentralen Kern (linsenförmiges, druckresistentes Wasserkissen) umschliessen. Ihr Wassergehalt gewährt eine Elastizität, so dass die Zwischenwirbelscheiben nicht nur als Puffer gegen Stösse wirken, sondern auch die Beweglichkeit der Wirbelsäule gewährleisten. Ausserdem entsteht durch die Höhe der Bandscheiben genngend Abstand zwischen den Wirbeln, damit die Nerven des Rnckenmarks den Wirbelkanal verlassen können, um zu ihren Erfolgsorganen zu ziehen (bei zu dünner Bandscheibe: Teile der Wirbel drücken auf die Nerven oder klemmen diese sogar ein, die Folge ist eine Verkrampfung der Muskulatur.).

Das Kopfskelett

Der Schädel setzt sich aus zahlreichen Einzelknochen zusammen. Mit dem Alter verwachsen diese fest miteinander. Viele der Verwachsungsstellen sieht man noch als Nähte; die frühere oder spätere Verknöcherung ist verantwortlich für die verschiedenen Schädelformen. Zur Zeit der Geburt sind viele Nähte noch weit offen und nur bindegewebig unter der Hautdecke verschlossen. Wo mehr als zwei Knochenanlagen zusammentreffen, sind grössere Lücken: die Fontanellen.

Am Schädel lassen sich Gesichtsschädel und Gehirnschädel unerscheiden, die beide die schräg nach hinten abfallende Schädelbasis gemeinsam haben. Diese dient dem Gehirnschädel als Boden und in ihrer vorderen Hälfte dem Gesichtsschädel als Dach, während ihre hintere Hälfte mit der Wirbelsäule verbunden ist und der Halsmuskulatur als Ansatz dient.

Die Schädelbasis wird vorne vom Stirnbein gebildet, das damit gleichzeitig das Dach für die Augenhöhle abgibt.Auf die Schädelbasis ist das Schädeldach aufgesetzt, wodurch die Schädelhöhle knöchern umschlossen wird.

Zusatz: Dem grossen Hinterhauptsloch, das das Hinterhauptsbein durchbricht, liegen seitlich vorne die beiden Glenkhöcker (Condylen) an, die mit den oberen Gelenkflächen des Atlas artikulieren.

Weiteres

Knochen und Knorpel: bestehen aus organischen (Gewebsfasern) und anorganischen (Kalzium) Substanzen, und zwar im Verhältnis 1 : 2. Im Alter nimmt der Anteil der anorganischen Substanzen zu, so dass die Knochen spröde werden.

Knorpel sind Knochen mit wenig Kalzium, sie verhindern die Abnutzung der Knochen. Der Knorpel wird von der Gelenkschmiere versorgt. Bei Verbrennung werden die organischen Stoffen verbrannt und nur die anorganischen Substanzen bleiben zurück; man spricht dabei von der Knochenerde. Bewegungsapparat: aktive Muskulatur + passives Skelett (dazu noch Sehnen und Bänder: Verbindungsstücke).

Gelenke: ermöglichen die Bewegung der Knochen, es gibt im Menschen ungefähr 220 davon.

Aktiver Bewegungsapparat

Muskeltypen:

a. Skelettmuskulatur: ist beinflussbar; Nervenimpulse verantwortlich fnr Kontraktion; arbeiten rasch; ist an keinen Rhythmus gebunden; ist stark durchblutet.

b. Glatte Muskulatur: spindelförmige Zellen (äusserst klein); arbeiten langsam und rhythmisch; ist die Muskelschicht von Gefässen und Hohlorganen (Magen, Darm etc.); wird von autonomen Nervensystem versorgt (vegetatives Nervensystem): kontrolliert Kontraktion; nicht beinflussbar.

c. Herzmuskulatur (Mischtyp): arbeitet rhythmisch und rasch ( Mittelding zwischen glatter und Skelettmuskulatur; nur sehr bedingt beinflussbar.



 
    

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