FACHKUNDE  Zelle und Gewebe Autor: © Dr. med. dent. Joachim Menges Layout:  © Stefan Münz

Bau und Funktion der Gewebearten


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Man unterscheidet vier Grundgewebe:
 

   
 

Epithelgewebe

bedeckt innere und äußere Oberflächen. So findet man Epithel auf der Außenhaut, im Magen-Darm-Trakt, in den Harnwegen und als innere Auskleidung der Gefäße und Körperhöhlen.
 

Aufgaben
Es übt eine Schutzfunktion aus, indem es Körperoberflächen vor Austrocknung bewahrt und das Eindringen von Mikroben in den Körper verhindert. Weiter ermöglicht das Epithel insbesondere im Darmbereich eine Stoffaufnahme. Eine Stoffabgabe erfolgt im Drüsengewebe. Epithelgewebe kann auch Reize aufnehmen. Die Reizaufnahme wird durch besondere Sinnes- epithelien möglich. Nach den verschiedenen Aufgaben unterscheidet man drei Arten von Epithelgewebe:

 - oberflächenbildende Deckepithel
 - Drüsenepithel
 - Sinnesepithel
 
 

Oberflächenbildendes Deckepithel
Das oberflächenbildende Deckepithel teilt man nach Form, Anordnung und Oberflächengestaltung der einzelnen Zellen ein.
Nach der Form unterscheidet man:
 
 

Einschichtiges Plattenepithel
Gut durchlässig für Gase (Lunge) und lösliche Stoffe (Blutgefäße), dient der Auskleidung innerer Oberflächen. Vorkommen: z. B. Alveolarepithel der Lunge, Endothel der Blut- und Lymphgefäße, Auskleidung des Bauchfells, Brustfells, Herzbeutels und der Gelenkhöhlen.
 

Kubisches Epithel
Würfelartige Zellen, z. B. in den Harnkanälchen der Nieren.
 

Mehrreihiges Epithel

Alle Zellen sitzen auf einer gemeinsamen bindegewebigen Basalmembran, aber nicht rede Zelle erreicht die Oberfläche. Die untere Zellreihe stellt die Ersatzzellen. Vorkommen: z. B. Flimmerepithel der Atemwege.

 

Einschichtiges Zylinderepithel
Dient der Resorption oder Sekretion. Vorkommen: Darm, Gallenblase und Atemwege.
 
 

Übergangsepithel
Die oberste Zellage besteht aus großen, zum Teil mehrkernigen Deckzellen. Das Übergangsepithel findet sich in Organen mit erheblicher Volumenschwankungen Vorkommen: Harnwege
 
 

Verhorntes mehrschichtiges Plattenepithel
Die unteren Zellen dienen der ständigen Erneuerung. Die neugebildeten Zellen wandern zur Oberfläche, sterben dort ab, verlieren ihren Kern und werden schließlich als Hornschuppen abgestoßen. Vorkommen: von wenigen Schleimhautstellen abgesehen nur in der äußeren Haut.
 

Unverhorntes mehrschichtiges Plattenepithel
Die Zellkerne sind im Gegensatz zum verhornten Plattenepithel bis in die obersten Schichten erhalte, d. h. auch die Zellen an der Oberfläche sind noch vital. Vorkommen: Schleimhäute der Mundhöhle, Speiseröhre, Scheide, u. a.
 

Mikrovilli
Feine Vorstülpungen, die der Oberflächenvergrößerung dienen und dadurch die Stoffaufnahme erleichtern. Vorkommen: Darmepithel, Harnkanälchen in den Nieren.
 

Flimmerhaare
Die Flimmerhaare sind zur aktiven Bewegung fähig und können einen Flüssigkeitsstrom erzeugen. Vorkommen: z. B. Atemwege, Eileiter.
 
 

Drüsenepithel
Drüsen sind Organe mit spezialisierten Epithelzellen. Sie bilden vom Körper benötigte Sekrete. Einfaches Beispiel für sekretbildende Zellen sind die schleimbildendenden Becherzellen, wie man sie im Zylinderepithel des Darms und im Flimmerepithel der Atemwege findet. Die Drüsenzellen sitzen zwischen den anderen Epithelzellen.

Bei den aus mehreren Zellen zusammengestzten Drüsen unterscheidet man nach dem Transportweg endokrine und exokrine Drüsen.
 

   
 

Binde- und Stützgewebe

unter dem Begriff faßt man drei Gewebearten zusammen:

 - Bindegewebe
 - Knorpelgewebe
 - Knochengewebe

Aufgaben: Das Binde- und Stützgewebe erfüllt mechanische Aufgaben als Organkapsel und Bindegewebegerüst in den Organen, als Verbindungselement Zwischen Muskeln und Knochen und schließlich als Stützgewebe in vorm von Knorpel, Knochen oder Zahnbein. In den Spalträumen des lockeren Bindegewebes sind große Mengen wasser gespeichert. Im Fettgewebe erfolgt die Speicherung von energiereichen Einlagerungen. Das Bindegewebe dient ferner der körpereigenen Abwehr und erfüllt wichtige Aufgaben in der Wundheilung.

Aufbau: Binde und Stützgewebe kann man nach den Zellen der umgebenden Zwischenzellsubstanz unterscheiden. Es gibt nicht bewegliche und frei bewegliche Zellen. Die Zwischenzellsubstanz enthält Fasern in einer Grundsubstanz, die dem Stoffaustausch zwischen Zellen und Blut dienen. Die Fasern können netzartig verflochten oder zu reißfesten Strängen gebündelt sein.
 

Bindegewebe
Embryonales Bindegewebe: Grundgewebe, aus dem die Zellen der Binde- und Stützgewebe hervorgehen.
 
 

Retikuläres Bindegewebe
 

Dieses netzartig verknüpfte Gewebe bildet unter anderem das Grundgerüst von Milz, Lymphknoten, Mandeln und Knochenmark. Aufgaben sind die körpereigene Abwehr und Blutbildung. Retikulumzellen können Stoffe aufnehmen und speichern. Außerdem können sie sich selbständig machen und als freie Zellen in den Blut- und Lymphstrom einwandern. Die Retikulumzellen und die Endothelzellen von Milz, Lymphknoten und Knohenmark und den Leberkapillaren bilden zusammen das Retikuloendotheliale System.

 

Fettgewebe
Sonderform des retikulären Bindegewebes mit hohem Fettgehalt. Das Fettgewebe dient in Form von Speicherfett als Energievorrat und in Form von Baufett als druckelastisches Polster (z. B. Fettkapsel der Nieren). Durch die gute Isoliereigenschaften bietet Fettgewebe einen guten Wärmeschutz.
 
 

Lockeres Bindegewebe
Im Körper stark verbreitetes Gewebe, daß als lockere, faserige Füllsubstanz die Organe miteinander verbindet und eine Verschiebbarkeit der einzelnen Bestandteile ermöglicht.
 

Straffes Bindegewebe

Durch einen hohen Faseranteil besonders zugfestes Gewebe. Man findet es daher in Sehnen, Bändern, Organkapseln und Muskelscheiden.

 
 
 

Knorpelgewebe

Knorpelgewebe ist druck- und biegungselastisch. Daher findet man es an Stellen hoher mechanischer Beanspruchung. Die Knorpelzellen werden als Chondrozyten bezeichnet. Nach der Gestaltung der Zwischenzellsubstanz lassen sich hyaliner Knorpel, elastischer Knorpel und Faserknorpel unterscheiden.
 
 

Hyaliner Knorpel
Die Fasern des hyalinen Knorpels sind so in die Grundsubstanz eingelagert, daß ein glasartiges Aussehen entsteht. Hyaliner Knorpel kommt häufig vor Er sorgt im Gelenkbereich für ein fast reibungsloses Gleiten der Knochenenden, ermöglicht im Rippenbereich die zum Atmen erforderliche Beweglichkeit des Brustkorbes und gibt Nase sowie Luftröhre die notwendige Form für einen ungehinderten Luftstrom bei der Atmung.
 
 

Elastischer Knorpel
Hier sind zahlreiche elastische Fasern enthalten, so daß dieser Knorpel besonders biegsam ist. Man findet ihn in der Ohrmuschel und im Kehldeckel.
 
 

Faserknorpel
Er enthält  weniger zellen als die beiden anderen Knorpelarten, dafür aber zahlreiche Faserbündel. Dadurch ist dieser Knorpel besondere druckbeständig. Er befindet sich z. B. in in den besonders druckbelasteten Zwischenwirbelscheiben der Wirbelsäule und in den Knorpeln des Kniegelenkes.
 
 

Knochengewebe

Knochengewebe ist neben Zahnstein und -schmelz die härteste Körpersubstanz. Es besteht aus organischen Anteilen (Fasern und Zellen), in die anorganische Bestandteile (z. B. Calcium) eingelagert sind. Dadurch erhält der Knochen seine Festigkeit gegen Zug, Druck, Biegung und Verdrehung. Der Knochen befindet sich in ständigem Auf-, Ab- und Umbau.

Knochenbildende Zellen produzieren Knochengrundsubstanz. In fertig ausgebildeter Knochengrundsubstanz entwickeln sich die Osteoblasten zu nicht mehr teilungsfähigen Osteozyten. Zum Umbau des Knochens sind zusätzlich knochenabbauende Zellen erforderlich, die Osteoklasten.
 
 

Aufbau

Knochengewebe des erwachsenen Menschen zeigt im Mikroskop ein geordnetes, lamellenartiges Strukturbild und wird deshalb auch als Lamellenknochen bezeichnet. Die Lammellenknochen besitzen als kleinste Baueinheit das Osteon. Die sogenannten Volkmann’schen Kanäle verbinden die Gefäßkanäle der Osteone miteinander. Insgesamt ist der Lamellenknochen aus einer Vielzahl von Osteonen aufgebaut.

An den langen Röhrenknochen  der Gliedmaßen unterscheidet man den Schaft, und die Gelenkenden. Die im Wachstumsalter zwischen Epiphyse und Diaphyse gelegene Längen- Wachstumszone heißt Metaphyse. Die Oberfläche des Knochens ist von einem umhüllenden, derben Bindegewebe, dem Periost bedeckt. Das Periost dient der Neubildung von Knochensubstanz und der Ernährung des Knochens. Zusätzlich enden im Periost Schmerzfasern.

Die Wand des Knochens besteht im Schaftbereich aus einer dichten Knochenmasse, die als Kompakta bezeichnet wird. Im Innern des Knochens ist die Markhöhle. Sie enthält das Knochenmark. An den Gelenkenden ist das Innere des Knochens mit einem feinen Gitterwerk von Knochenbälkchen ausgefüllt, das im Aussehen einem Schwamm ähnelt und deshalb als Spongiosa bezeichnet wird. Die einzelnen, fachwerkähnlich zusammengesetzten Spongiosabälckchen fangen die auf ein Gelenk wirkenden Druck und Zugkräfte auf und leiten sie auf die Feste Wand der Kompakta ab. Druck diese Konstruktion erhält der Knochen bei geringem Geweicht ein Höchstmaß an mechanischer Festigkeit.
 
 

   
 

Muskelgewebe

Muskeln bestehen aus einzelnen Muskelzellen, die sich zusammenziehen können. Dadurch werden Bewegungen z. B. des Skeletts und der Eingeweide möglich. Nach feingeweblichem Aufbau und Funktion unterscheidet man quergestreifte und glatte Muskulatur, sowie Herzmuskulatur.
 
 

Quergestreifte Muskulatur
Sie bildet den aktiven Teil des Bewegungsapparates und wird auch als Skelettmuskulatur bezeichnet. Die kleinste Baueinheit ist die Muskelfaser. Dies ist eine vielkernige Zelle. Die Kerne liegen am Rand, den Zelleib füllen Myofibrillen aus.

Die Myofibrillen können sich zusammenziehen, indem ihre Eiweißmoleküle Aktin und Myosin ineinandergleiten. Durch parallele Anordnung der Eiweißmoleküle entsteht die charakteristische, im Mikroskop erkennbare Querstreifung. Die Muskelfasern werden durch Bindegewebe zu Bündeln zusammengefapt. Mehrere Muskelfaserbündel bilden einen Muskel. Die quergestreifte Muskulatur arbeitet rasch und ist leistungsfähig. Sie ist dem Willen unterworfen und wird deshalb auch als willkürliche Muskulatur bezeichnet.
 
 

Glatte Muskulatur
Bei glatter Muskulatur ist keine Querstreifung sichtbar. Sie befindet sich überall dort, wo es nicht auf eine schnelle Kontraktion, sondern auf eine langandauernde Muskelarbeit ankommt. So kommen glatte Muskeln unter anderem im Verdauungstrakt, in den ableitenden Harnwegen, den Blußgefäßen, den tiefen Atemwegen sowie an Haaren und Drüsen vor. Die Bewegungen des glatten Muskelgewebes unterliegt nicht unserem Willen, sondern untersteht dem veg. Nervensystem.
 
 
 

Herzmuskulatur
Diese Muskulatur nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist quergestreift, unterliegt aber nicht dem Willen. Die Zellen sind zu einem Netzwerk verbunden, und die Zellkerne liegen jeweils in der Zellmitte.
 

   
 

Nervengewebe

Das Nervengewebe dient der Nachrichtenübermittlung im Körper. Es ist zur Reizaufnahme und anschließenden Weiterleitung und Verarbeitung befähigt. Es besteht aus Nervenzellen, sowie Stütz- und Hüllzellen. Nervenzellen können Erregungen mit ihren Fortsätzen über eine weite Strecke leiten. Die Erregungsaufnahme erfolgt entweder durch einen oder mehrere Dendriten. Der bildliche Name Dendrit ist eine plastische Bezeichnung dieser manchmal baumartig verzweigten, kurzen Fortsätze. Die Erregungsweiterleitung erfolgt im Neuriten, der aufgrund seines geradlinigen Aussehens auch als Axon bezeichnet wird. Jede Zelle hat stets nur ein Axon. Die Axons werden von Hüllzellen umgeben, den sog. Schwann’schen Zellen. Zwischen den Schwann’schen Zellen bestehen Einschnürungen, die als Ranvier’sche Schnürringe bezeichnet werden.

Eine Nervenzelle stellt mit ihren Fortsätzen eine anatomische und funktionelle Einheit dar. Diese Einheit wird als Neuron bezeichnet. Nervenzellen sind nicht mehr teilungsfähig, so daß eine Vermehrung oder ein Ersatz alter Zellen nicht möglich ist.

Die Neuriten bilden zusammen mit den Hüllzellen die Nervenfasern. Mehrere Fasern werden zu Bündeln zusammengefaßt und mehrere Bündel bilden einen Nerven.

Die Erregungsübertragung von einer Nervenzelle auf eine andere erfolgt an besonderes gestalteten Kontaktstellen, den Synapsen, durch chemische Überträgerstoffe, sog. Transmitter. Eine Synapse wird vom kolbenförmigen Endstück eines Neuriten, der Zellmembran der Nachbarzelle und dem dazwischenliegenden Spalt gebildet. Die Erregungsübertragung erfolgt nur in einer Richtung vom Neuriten zur Zellmembran der Nachbarzelle.


 

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